Sonntag, 9. Juni 2019
Misogynie in den Medien
Über die Herabsetzung prominenter Frauen – oder
"Don`t talk to me like that"
"Reden Sie nicht so mit mir! " hörte ich neulich eine junge Bedienung an der Spree freundlich aber bestimmt zu einem machohaft agierenden Touristen sagen, der sie in recht schlechtem Englisch wegen eines Kaffees mit oder ohne Zucker und Milch herunterzumachen versuchte (... "or was that too difficult?!")
So soll es sein. So sollte es immer sein, wenn der Versuch unternommen wird, einen anderen von oben herab zu behandeln, abzuwerten, ihm unterschwellig seine Dummheit oder Minderwertigkeit vor Augen führen zu wollen. Oder das Frausein.
Fast jeden Tag ist zu hören oder lesen, wie schöne und erfolgreiche Frauen abgewertet werden – gern auch wegen ihres Alters.
Man lästert über Madonnas "sehnige" Arme, Sharons Stones ausgepolsterte Wangen... ihre jüngeren Männer...
Man sieht vorher-nachher Fotos von Berühmtheiten nach Schönheits-OPs und Botox-Behandlungen.
- Die Frauen sehen so aus wie 30, aber sie sind es ja nicht!! Haha! -
Bestätigt wird diese Einstellung dann noch, wenn wenig später zu lesen ist, der Gatte der jung wirkenden Alten habe eine echte Junge vorgezogen. "Verschmitzt lächelnd präsentierte er..."
Und kann sich einer wohlmeinender Presse sicher sein. Sind es wohl Frauen, die genüsslich so etwas schreiben?
Wer weiß.
Wohl eher eine Plauze, die bei jungen, älteren und alten Frauen schon lange kein Glück mehr hat. Wie ließen sich diese Gehässigkeiten sonst erklären?
Dabei gibt es sie schon lange… die Männer, die einfach nur stolz darauf sind, ihre Frau erobert zu haben…. Und für die das Alter nebensächlich ist. Es gibt sie schon– sie fallen nur nicht auf. Im normalen Leben – erkennt man ein solches Liebespaar nicht unbedingt auf den ersten Blick. Eher auf den zweiten… Sie machen nicht auf sich aufmerksam. Und die Gewohnheit lässt einen auf ein anderes verwandtschaftliches Verhältnis tippen. Denn auch im Jahr 2010 tut ein Mann nicht gut daran, sich mit einer 20-30 Jahre Älteren einzulassen. Das bedeutet ja – ein Weichei lässt sich von Mami bemuttern – kann und will selber keinen Nachwuchs zeugen und betreuen…etc.
Einem solchen Mann – unterstellt man… so dies und das. Und genießt es, die vorgeblichen Schwachstellen der Frau groß herauszustellen. Besonders gern, wenn die Frau selbst erfolgreich und schön ist. Die rhetorische Frage der Männer lautet da: "Wie kann sie sich denn erfrechen…. (setzen Sie hier ein, was Sie mögen, z.B.: viel reicher) … als ein Mann zu sein?"
Die größte Frechheit aber ist ein jüngerer Mann an ihrer Seite. Was erlaubt sie sich denn?! Wobei das Wort "frech" auch nur zeigt, dass sie die Frauen nicht als Frauen, als dem Mann gleichwertig gegenüberstehen sehen, sondern eher herablassend – es gibt zwar freche Kinder, aber keine frechen Frauen. - Höchstens die, die sich mit Mitte 30 selbst noch als "Mädchen" bezeichnen. Denen möchte man gern ein paar Kinostunden mit Lauren Bacall verordnen. Der wäre so etwas im Traume nicht eingefallen.
Die Angst der Medien-Männer vor Frauen, die nicht mehr so sind wie die Frauen früher... die Wut darauf, dass gleichaltrige Frauen viel besser, jünger aussehen als die Rettungsringträger... die Frustration…
Das ist ein Motiv dieser alltäglichen Abwertung – der (männliche!) Leser soll sich dadurch verstanden und aufgewertet fühlen.
- So etwas gehört sich doch nicht... das ist doch gegen die Natur...! -
Stimmt. Wenn man davon ausgeht, dass es in der Natur des Menschen liegt, fruchtbar zu sein und sich zu mehren...
Der Mann von heute wird mit der Tatsache konfrontiert, dass die Frau nach der fruchtbaren Phase nicht einfach so von der Weltbühne abtritt. Und wie reagiert er darauf?
Welch Frechheit!! Welche Unverschämtheit!! Wie lange will sie denn noch...
Sie sollte doch schon längst...
Sie sollte – aber sie tut es nicht. Damit verstößt sie gegen ein ungeschriebenes Gesetz – die Frau stirbt nicht mehr im Kindbett (wodurch der Mann die Möglichkeit hätte, eine zweite jüngere zu heiraten). Im Gegenteil – weniger gestresst und gesünder überlebt sie den gleichaltrigen Mann meist um viele Jahre. Was zur Folge hat, dass es in der heutigen Gesellschaft viele alte, oft alleinlebende Frauen gibt.
Ein kluger Schachzug wäre demnach – als Frau ganz jung einen alten Knacker mit viel Geld zu heiraten, um sich dann nach vielen Jahren einen jüngeren Lover zu suchen. – Das klappt zwar manchmal – leider nur selten.
Schlimmer klappt immer.
Momentan voll im medialen Trend – junger und noch jüngerer Mann und 20-30 Jahre ältere Frau. Wie geil…
Wobei die peinliche Vergröberung darin liegt, dass natürlich ein "Milchbubi" sich an Mutti heranwagt... So etwas kann doch nicht gut gehen!! Also nimmt das Unheil seinen Lauf…
(Diese Art der Darstellung war schon vor 30 Jahren bei Sue Ellen in "Dallas" ein Ärgernis).
Kein Mensch findet etwas dabei, wenn ein weltweit beliebter, attraktiver Mann um die 50 mit einer Frau auftaucht, die seine Tochter sein könnte. So etwas wertet einen Mann doch nur auf.
Es gibt auch ältere Herren, die an der Seite der Blutjungen im Brustton der Überzeugung sagen: "Frauen altern eben anders als Männer..." "Das ist ein weites Feld..."
So wird in den Medien der Hormonstoß erklärt, zu dem die junge Frau dem älteren Manne verhilft. Und natürlich auch gut geheißen. Bei einer älteren Frau... findet man es nur hochnotpeinlich. Total daneben. Das kann ja nur böse ausgehen...
Damit wertet man Frauen generell ab.
Wie heißt es noch? "Je oller, desto toller...
Ältere Frauen haben sich gefälligst von noch älteren und ganz alten Männern den Hof machen zu lassen... (falls es denn unbedingt sein muss…)
Sie werden als zickig dargestellt, als verbittert und vergrämt... kalt und… unerotisch.
Alles andere wäre doch gegen die Regel.
Mit einer älteren Frau zusammen zu sein – einer mit Falten wohlmöglich – wertet einen automatisch Mann ab.
Jeder fragt sich doch unwillkürlich: "Kann er denn nichts Schöneres, Jüngeres finden?!"
Dass die Ältere Passendere könnte, ist völlig undenkbar. Unmöglich. Verstößt doch gegen alle Regeln!
Gegen Althergebrachtes zu verstoßen, neue Wege zu gehen ist immer schwierig – Promis übernehmen da häufig eine Vorreiterrolle. Dafür sollte man ihnen dankbar sein. Besonders den Frauen.
"Sprechen Sie nicht so mit mir." Don`t talk to me like that.
Oder an die Medien gerichtet: "Schreiben Sie nicht so über mich!"
Ich sage: Schreiben Sie nicht so über unsere Frauen. Es ist - gelinde gesagt - unangemessen.
- -
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen