Sonntag, 9. Juni 2019

Filmübersetzung © Christina Böttcher


Vorspann

INSERT : TOWN BLOODY HALL

(unverständlich, Gemurmel, ad lib)

1. MANN
Ich muss die Eintrittskarten sehen. Okay
Bitte die Tickets bereithalten!
Danke.

((evtl. 2. MANN:))
Ich hab ein Ticket…

1. MANN:
Zweiter Aufgang. Da drüben.
Danke.
Zweiter Aufgang! Da drüben.


INSERT:
THEATER FOR IDEAS
präsentiert ((einen))
„Dialog zur Befreiung der Frauen (Women`s Liberation)“


JUNGE FRAU:
Women`s Lib verrät die Armen!
Norman Mailer verrät die Armen!
Germaine Greer verrät die Armen!
Diana Trilling verrät die Armen!
Jacqueline Ceballos verrät die Armen!
Die N.O.W ((National Organisation for Women)) verrät die Armen!

MANN:
Wieso?

Frau:
Wieso denn?

JUNGE FRAU:
Ihr von der Frauenbewegung … Was ist das für ein ((Ticket)) Preis?!

MANN:
Ich muss die Tickets sehen! Die Tickets, bitte!

FRAU:
(Lacher)
-------------
MS. BROUGHTON:
Ich begrüße Sie herzlich im „Theater for Ideas” (Ideen-Forum) und möchte Ihnen dafür danken, dass Sie uns wieder einmal vor dem – (äh) - finanziellen Zusammenbruch gerettet haben.
Ich möchte gleichzeitig ansagen, dass wir ((der Frauenbewegung)) „Women`s Liberation“ etwas spenden werden, da sie … ähnliche Probleme haben.

(Applaus)

MS. BROUGHTON:
Thema des heutigen Diskussionsabends ist ein Dialog zur Befreiung der Frau ((Frauenbewegung Women`s Lib)) zwischen - Jacqueline Ceballos, Germaine Greer, Jill Johnston, Diana Trilling und Mr. Mailer.
Mr. Mailer!

STIMMEN:
(Reaktion) Buh!

MR. MAILER:
Das Format heute Abend wird ganz besonders einfach sein.
Jede dieser Damen wird ca. 10 Minuten lang reden. Danach kann ich vielleicht… – wenn ich genau zugehört habe – eine anständige Frage stellen, die sie möglicherweise sofort beantworten werden - oder auch nicht.
Und dann werde ich ihnen vielleicht noch eine Frage stellen, um die es dann vielleicht später noch geht.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt stand auf dem Werbeplakat für den heutigen Abend:
Norman Mailer gegen… und darauf folgten die Namen der ((anwesenden)) Damen.
Ich darf sagen, das wurde beinahe „über meiner Leiche“ so gemacht.

Ich bin vielleicht eitel, aber ich bin nicht so eitel, mir einzubilden, ein Mann könne es mit vier Frauen ((gleichzeitig)) aufnehmen.

Und noch dazu habe ich den ((dumpfen)) Verdacht, dass ich mich wahrscheinlich im Zentrum dieser Debatte befinden werde.
Zu den betrüblichen Tatsachen, die beim Eingang von Harper´s Magazine ((im Bewusstsein der Öffentlichkeit )) verloren gegangen sind, gehört auch die Bewerbung von „Prisoner of Sex“ mit der Aussage, dieser Artikel werde ((die Frauen der)) „Women`s Lib“ dazu bringen, vor den Zeitungskiosken Posten zu beziehen.
Also, das war ein Desaster, und genau einer der Gründe, warum das Magazin kein Erfolg wurde, komisch: kein Erfolg in dem Sinne, dass es ihnen nicht gelang, Willy Morris und seine Mitarbeiter in Schach zu halten.
Und zwar, weil die Werbeleute eine ganz andere Vorstellung davon hatten, wie man Sachen anfasst – und das Ganze hatte etwas sehr Barbarisches und Krudes an sich…
Ich meine, jeder, der ihn ((den Artikel)) gelesen hat, weiß, dass ich an einem Versuch, … ähm, ähm, ähm… Women`s Lib die Schwanzfedern `rauszureißen, weder ein Interesse hatte noch habe.

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

N. MAILER:
Ich war damals zu dem Schluss gekommen, dass …dies wahrscheinlich der wichtigste ((und)) einzigartigste intellektuelle Event der letzten Jahre sein würde…

ZUSCHAUER:
(Reaktion, Lacher)

N. MAILER:
... mindestens, mindestens ((das))… - und dass man sich darauf einlassen müsse.
Ich glaube, der heutige Abend kann außergewöhnlich werden, ((etwa:)) ( denn ) zwei enorme, intellektuelle Strömungen, die es seit vielen Jahren in New York gibt, erreichen endlich ihre jeweiligen Überschwemmungsgebiete - von denen das eine dieser ganz besondere revolutionäre Geist ist, der das Wesen von Mann und Frau in der Gesellschaft immer weiter zu ergründen sucht, und das andere ist natürlich – dieser „gesegnete“ Geist des Nihilismus ist, der noch alles zerstören wird, alles, einschließlich ((das Recht auf)) freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit.
Ich habe den ((dumpfen)) Verdacht, dass wir von beidem noch etwas erleben werden, ehe der Abend vorbei ist.
Aus Gründen der Zeitersparnis möchte ich Ihnen jede dieser großartigen Damen ganz einfach vorstellen…
- Weil ich eine von ihnen sehr gut kenne und eine fast gar nicht - und alles Dazwischenliegende…
Als erstes möchte ich Ihnen also Ms. Jacqueline Ceballos vorstellen, Vorsitzende der New Yorker Gruppe von NOW, der Nationalen Frauenorganisation.
Ms. Ceballos.

(Applaus)

MS. CEBALLOS:
Als Shirley mich das erste Mal zu dieser Podiumsdiskussion bat, habe ich – dass muss ich Ihnen offen sagen - abgelehnt.
Sie bat mich, noch mal darüber zu schlafen, und dann dachte ich, es wäre feige von mir, nicht herzukommen, denn … äh, erstens soll NOW doch innerhalb des Systems für Veränderungen kämpfen - und Norman Mailer repräsentiert wirklich das Establishment. –

ZUSCHAUER:
(Reaktion, Lacher)

MS. CEBALLOS:
Zwar einen irgendwie liberalen Teil des Establishments natürlich, aber er repräsentiert doch das Establishment.
Ich habe kein Interesse an einem Streit mit Norman Mailer.
Ich glaube wirklich, dass er in seinem Artikel in Harper`s Magazine ehrlich versucht hat, ((es, uns)) zu verstehen, und vermutlich kann man von den meisten Männern nicht mehr erwarten.. (Ich vermute mal, das ist alles, was wir von der Mehrzahl der Männer erwarten können).

ZUSCHAUER:
(Reaktion, Lacher)
-----

((ÜBS: Der folgende Teil fehlt im Film:
MS. CEBALLOS:
Wir haben zu viel zu tun, als uns mit Männern herumzustreiten, die nicht unserer Meinung sind. Und die meisten von uns glauben, dass sie sich uns früher oder später doch anschließen werden, denn sie werden gar keine andere Wahl haben.))
-----
MS. CEBALLOS:
Ich repräsentiere die große Gruppe von Frauen aus der Mittelschicht, die ein ganz gemütliches und bequemes Leben führen könnten. - Das habe ich ((sogar)) getan.
Aber dann habe ich mich dagegen entschieden; ich beschloss, meine Zeit dem Kampf für die Gleichheit der Frau zu widmen.
Ich möchte Ihnen jetzt erklären, was wir in der Nationalen Frauenorganisation so machen.
Sie wird zwar als ordentliche Organisation innerhalb der Frauenbewegung Women`s Lib gesehen. Aber wir sind nicht so ordentlich, als dass wir nicht immer noch viele Männer und Frauen verschreckten, weil sie vor der Bewegung zur Befreiung der Frau insgesamt Angst haben.
Einen Streit darüber, ob die Frau biologisch ((gesehen besonders)) dafür eignen, zu Hause zu bleiben, Geschirr zu spülen und sich ein Leben lang um Mann und Kinder zu kümmern… halte ich nicht für wichtig.
Wichtig ist, dass die Welt sich ändert – und den Frauen endlich bewusst wird, dass sie das Recht und die Pflicht haben, die Weltbühne zu betreten, sie zu verändern und darauf hin zu wirken, in dieser Gesellschaft maßgebend zu werden, von der sie jetzt noch beherrscht werden.

ZUSCHAUER
(Reaktion)

STIMME (GREGORY(?): (leise)
Für alle Menschen! Nicht nur für die eine Hälfte der Menschheit. Für die ganze Menschheit!

MS. CEBALLOS:
Ja.

STIMME (GREGORY(?):
Für alle! Nicht nur für die eine Hälfte der Menschheit. Für die ganze Menschheit!

MS. CEBALLOS:
Na schön! Für die ganze Menschheit!

(GREGORY geht)

MS. CEBALLOS:
Du liebe Zeit! Es fängt schon an, aufregend zu werden…!

STIMME (GREGORY(?):
Nicht nur für die eine Hälfte der Menschheit. Für die ganze Menschheit!

MS. CEBALLOS:
Sie haben absolut Recht, aber lassen Sie mich (bitte aus-) reden!

FRAUENSTIMME
(leise: … ist keiner, den ich kenne)

MR. MAILER:
Gregory, Sie kommen ((schon noch)) in der Fragestunde dran!

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

FRAUENSTIMME:
Oh… – kommen Sie zurück!

MS. CEBALLOS:
Ich glaube zwar, dass wir für die ganze Menschheit kämpfen, aber ich möchte folgendes sagen – einer der Gründe, warum wir es zeitlich nicht in einen Kampf für die Friedensbewegung, die Umwelt oder für die Bürgerrechtsbewegung aufteilen ist der, dass unserer Meinung nach alles in der Befreiung der Frauen seinen Ursprung hat.

(Applaus)

Wir kämpfen an allen Fronten. Zuvorderst – in der Welt der Arbeit.
Trotz der Tatsache, dass 40 % der Frauen in den USA arbeiten (gehen) – wissen wir es alle - und ich weiß schon, dass Sie hier ein sehr kundiges Publikum sind – Frauen sind überarbeitet und unterbezahlt und nirgendwo besteht die Chance, dass es vorangeht!
Wir von NOW bringen den Frauen bei, wie man Diskriminierung in der eigenen Firma bekämpft, wie man diese Firmen verklagt!

MÄNNERSTIMME: (GREGORY?)
Da draußen ist eine Frau, die es sich den Eintritt nicht leisten kann, sie bekommt Stütze, und man wirft sie gerade `raus.


FRAUENSTIMME:
Oh Schiet…!

MR. MAILER:
Hören Sie ((schon)) damit auf!

MÄNNERSTIMME:
Das ist wahr! (Es stimmt aber!)

MR. MAILER:
Es ist immer so lange wahr, bis es nicht mehr wahr ist. ((oder noch polemischer: Was wahr war, war wahr…))

MÄNNERSTIMME:
Wenn Sie mir nicht glauben, gehen Sie doch raus und sehen Sie selbst nach!

FRAUENSTIMME:
Warum geben Sie ihr nicht die 10 Dollar?!

MÄNNERSTIMME (GREGORY?):
Warum sehen Sie nicht nach?!

2. FRAUENSTIMME:
Geben Sie ihr doch Ihren Platz!

(Applaus)

MS. CEBALLOS:
In der Kampfzone von Ehe und Ehescheidung wirft man uns vor – und viele, besonders Frauen, sind da sehr beunruhigt – wir wären gegen die Ehe als Institution. –

((Nein.)) Wir sind gegen die Struktur der Ehe, und obwohl sich diese Struktur gerade trotz allem langsam zu verändern beginnt, beabsichtigen wir, der Veränderung die Richtung zu geben, die wir für richtig halten.

Wenn Frauen in einer Gesellschaft heiraten sollen, die sie zu einer Eheschließung drängt, dann sollte man sie für die in der Ehe geleistete Arbeit bezahlen!

Wir glauben, dass jeder Mensch, der heiratet, ein Heftchen mitbekommen sollte, in dem all seine Verpflichtungen in der Ehe aufgelistet sind.

Wir meinen, dass jedes Ehepaar eine Eheversicherung haben sollte, für den Fall eines Scheiterns der Ehe, damit die Frau nicht gezwungen ist, demütig um Unterhalt zu betteln als wäre es ein Almosen.

Wir treten dafür ein, dass die Frau - oder der jeweils unterhaltsberechtigte Partner - Anspruch auf Sozialversicherungsleistungen hat, unabhängig vom Einkommen des Ehepartners.

Frauen sollten Renten erhalten!
Und manche (von uns) gehen sogar so weit zu fordern, man sollte Frauen ein Gehalt zahlen; und sie sollten bezahlten Urlaub bekommen.

Was das ((transportierte)) Frauenbild angeht, so greifen wir die Werbeindustrie scharf an. –
Sie wissen doch, im Fernsehen wie in allen Medien wird eine Frau als dumm und senil dargestellt.

Sie kriegt einen Orgasmus, wenn sie den Fußboden zum Glänzen bringt!

Vor der Ehe ermutigt man sie dazu, sich zu desodorieren, (nach Deo zu duften) und so hübsch wie möglich zu sein, wie eine Plastikpuppe, – um einen Mann zu kriegen, denn ein Mann wird ihr Leben sein.

Hat sie ihn erst einmal, ist die gesamte Werbung auf Hausputz und Kinderaufzucht ausgerichtet.

Wenn sie dafür ein bisschen zu alt geworden ist, ist sie die verbitterte Xanthippe – sie ist die Schwiegermutter, die kommen und den Kaffee genießen wird, und sie ist die Ärmste, die ihren Ehemann verlieren wird, weil sie ihr gutes Aussehen verliert und jetzt alles Erdenkliche daran setzen muss, um ihn zurückzugewinnen.

MR. MAILER:
(unverständlich)

Ms. Ceballos:
Er sagt, meine 10 Minuten wären herum.
– Na schön, danke.

(Applaus)

MR. MAILER:
Danke, Ms. Ceballos. Ich werde Ihnen jetzt die Frage stellen, die Sie nicht jetzt beantworten werden – Sie können eine Weile über sie nachdenken und nachher beantworten. –

In jedem Teil Ihrer…sehr konzertierten und leidenschaftlichen Rede…gab es nicht nur starke, politische Punkte…
Lassen Sie mich doch ausreden…

ZUSCHAUER:
(Zwischenrufe, unverständlich)

MR. MAILER:
Wissen Sie, in Wahrheit wird die Zukunft so aussehen: am Ende reden nur noch Arschlöcher mit Arschlöchern.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Zwar trifft bestimmt alles, was Sie ((uns)) vorgestellt haben, Ms. Ceballos, genau zu und wäre sogar politisch machbar, aber ich würde Sie doch gern fragen, ob es in Ihrem Programm irgendetwas gibt, das uns Männern eine Idee davon vermitteln würde, wie das Leben nicht so totlangweilig bleiben könnte, wie es heutzutage ist. –
Und irgendwann während der nächsten 40 Minuten werden wir dieses Thema anschneiden und darüber reden.

MS. TRILLING (?)
Langweilig?

MR. MAILER:
Langweilig!

MS. TRILLING (?)
(unverständlich:…. Plastik…)
---
MR. MAILER:
Es hat geheißen, es hätte eine höchst ungewöhnliche Rangelei um die Rednerfolge gegeben. Wie sich zeigt, werden die Damen in alphabetischer Reihenfolge reden.

Die nächste Rednerin, die vermutlich eine Menge dazu beigetragen hat, dieses Haus zu füllen, ist die berühmte, hervorragende, junge Autorin (Autor-Lady), Ms. Germaine Greer aus England.

(Applaus)


MS. GREER:
Ich fürchte, ich werde möglicherweise ganz anders reden als Sie erwartet haben.
In diesem Land repräsentiere ich keine Organisation, und ich glaube, die wohl aussagekräftigste (Re)präsentation, die ich hier machen kann, ist eine meiner selbst als Schriftstellerin – wohl oder übel.

Ich bin auch eine Feministin, und für mich liegt die Bedeutung dieses Augenblicks darin, dass ich mich einer der mächtigsten Figuren meiner eigenen Vorstellungskraft stellen muss – dem wohl privilegiertesten Wesen einer männlich-elitären Gesellschaft, nämlich dem maskulinen Künstler, dem Gipfel der maskulinen Elite.

ZUSCHAUER:
(Lacher)


MS GREER:
So wie ich großgezogen, … so wie ich aufgezogen, erzogen und gebildet wurde, wurde fast mein ganzes Leben stark von der Kultur beeinflusst, für die er steht, so dass ich mich in einem grundsätzlichen Konflikt zwischen mir eingeimpften kulturellen Werten und meiner eigenen tief verwurzelten Vorstellung von Ungerechtigkeit befinde.
Viele Berufs-Literaten fragen mich in triumphierendem Ton – wie Sie vielleicht bemerkt haben – „Was ist denn aus Mozarts Schwester geworden?!“

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS GREER:
Wie auch immer sie mir die Frage stellen mögen, ihnen kann sie nicht so viel Pein verursachen wie mir – denn ich kenne die Antwort darauf nicht, und ich muss sie finden.
Und jeder von mir dahingehend gemachte Versuch führt mich zu der Annahme, dass derjenige, den wir in unserer Gesellschaft vielleicht als Kreativen sehen, eher…
eher ein Kunst-Mörder denn ein Kunst-Schaffender ist,
der seinem Ego vor die weniger Talentierten zu setzen trachtet,
der aller Augen auf seine Leistungen zu fokussieren sucht - und
der von Millionen gelesen und mit Millionen bezahlt wird.

In unserer Gesellschaft muss man sich die Frage stellen: Kann irgendein Gemälde das gesamte Jahreseinkommen von 1 000 Familien wert sein?

(Applaus)

Und wenn wir das bejahen müssen, und die Auktionsberichte dasselbe sagen, dann, so glaube ich, sind wir gezwungen, der Möglichkeit ins Auge zu sehen, dass diese Kunst, von der wir uns nähren, uns gleichzeitig das Herz bricht und die Vitalität nimmt.

(Applaus)
Aber Problem sitzt tiefer. Und wie Sie sehen, bin ich in dieser Situation sehr aufgewühlt, und zwar des Konzeptes wegen, das ich von des Künstlers Bedeutung habe, und wegen meines eigenen instinktiven Respektes vor ihm.

Ist es möglich, dass verstreut auf dem Weg des maskulinen Künstlers in unserer Gesellschaft die leeren Hüllen der von seinem Ego Erschöpften und unproduktiv Gewordenen liegen?

Ist es möglich, dass all die, die weggefallen sind – all diese „Mitbewerber-Egos“ - nicht hinreichend maskulin waren, um den Kurs halten zu können?

Um darüber mehr zu erfahren, habe ich mich Freud zugewandt, wobei ich Freuds Beschreibung des Künstlers als eine Ad hoc - Beschreibung der Psyche des Künstlers in unserer Gesellschaft behandelt habe und nicht als metaphysische oder geistige Erklärung dessen, was Kunst bedeuten könnte. Und was Freud sagte hat natürlich viele Künstler irritiert, die das Pech hatten, folgendes zu sehen.
„Ehre, Macht, Reichtümer, Ruhm und Liebe der Frauen möchte er zwar erwerben, aber ihm fehlen die Mittel dazu, in ihren Genuss zu kommen.“

Für das exzentrische, kleine Mädchen, das glaubte, Dichten könne sich am Ende doch lohnen, war die Begegnung mit diesen Worten ein harter Schlag.
Die Unverblümtheit, mit der Freud einfach davon ausging, ein Künstler wäre ein Mann, warf mich auf mich selbst und die Überlegung zurück, ob diese These umkehrbar sei.
Könnte der Antrieb einer Künstlerin der Wunsch nach Reichtümern, Ruhm und Liebe der Männer sein?
Und nur zu bald schon wurde deutlich, dass die eigenen Leistungen der Künstlerin sie für die Liebe der Männer unbrauchbar macht.
Dass bisher noch keine Frau ihrer Dichtkunst wegen geliebt wurde…

(Applaus)

– und wir lieben Männer immer wegen ihrer Leistungen.

Was kann das sein? Kann das eine natürliche Ordnung sein, die so viel Energie verschwendet und das Herz eines kleinen Mädchens bricht?
Darauf hatte ich keine Antworten, außer, dass ich wusste, dass die Beweisführung sich nicht umkehren ließ.

Also wandte ich mich - später - der Funktion der Frauen vis-a-vis der Kunst, so wie wir sie kennen, zu und stellte eine Zweiteilung fest.
Entweder waren wir niedrige, schlampige Kreaturen in Knechts Gestalt oder Göttinnen - schlimmstenfalls sollten wir beides sein, d.h., uns brach zwar das Herz, aber zumindest blieb die Schürze sauber!

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. GREER:
Sylvia Plaths fielen die besten Gedichte manchmal beim Brotbacken ein – sie war eine solche Perfektionistin!

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. GREER:
Und am Ende eine solche Närrin!

Das Problem ist natürlich, dass diese Rolle der Göttin, diese Rolle von der Großartigkeit und Herrlichkeit des Weiblichen im Universum in der Phantasie des männlichen Künstlers existiert.
Aber keine Frau kann in ihrem Herzen je daraus Trost schöpfen.
Aber die Rolle der Geknechteten ist leider real.
Und das weiß eine Frau, weil sie es jeden Tag zu schmecken bekommt.
Dieser kurzer, barbarische Beller, ausgestoßen in totaler Bewunderung für die Macht und die Herrlichkeit und Großartigkeit des Weiblichen im Universum, wird jedes Mal auf Kosten der einzelnen, lebendigen Frau ausgestoßen.

(Applaus)

Und weil wir weder das eine noch das andere sein können, ohne unseren Seelenfrieden zu verlieren, weil wir leider als Göttinnen ungeeignet und widerwillig Geknechtete sind, wogt zwischen uns eine Schlacht.
Und in der Beschreibung dieser Schlacht finde ich vielleicht schließlich eine Rechtfertigung für meine Idee, dass das vom männlichen, künstlerischen Ego Erreichte auf meine Kosten geht, denn ich stelle fest, dass ihm die Schlacht weit lieber ist als es der Frieden je sein könnte.
Er brüstet sich damit: diese ewige Schlacht mit den Frauen schärfe unsere Widerstand, entwickle unsere Stärke und erweitere so den Rahmen unserer kulturellen Leistungen.

Also, ist dieser Rahmen das denn wert? Wieder dieselbe Frage - genau so, als ob wir vom Einkommen von 1 000 Familien für ein ganzes Jahr sprächen.
Sehen Sie, ich habe einen starken Verdacht: wenn diese Revolution stattfindet, wird man Kunst nicht mehr an ihrer Seltenheit, den Kosten oder der Unzugänglichkeit erkennen, auch nicht durch die außergewöhnliche Art, in der sie vermarktet wird… –
Kunst wird unser aller Vorrecht sein, und wir werden es machen wie jene Künstler, die Freud überhaupt nicht verstanden hat – die Künstler, die die Kathedrale von Chartres oder die byzantinischen Mosaike schufen, die Künstler ohne Ego und ohne Namen.

(Applaus)

MR. MAILER:
Die dargestellte Haltung ist exquisit.
Aber die von Ihnen angebotenen Mittel und die, die Women`s Lib anbietet, um von hier zu dem Punkt zu kommen, wo wir alle Künstler sind, gehören zu einer Art sozialen Instrumentalisierung, die ich „Windel-Marxismus“ nenne.


ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Die Frage, ich Ihnen jetzt z.B. vorlege, über die Sie bitte jetzt nachdenken und wir später noch besprechen werden, lautet: Ist an der menschlichen Vorstellung, eine Frau möge zu unterschiedlichen Stunden ihres Lebens beides sein - eine Göttin und eine Schlampe - etwas unbedingt debil Machendes?
Die einzelnen Elemente der Bewegung zur Befreiung der Frau, sowohl das liberale Element, wie es von NOW personifiziert wird, als auch das radikale Element, wie es von elektronischen Kräften personifiziert wird… bloß ohne…

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
…beide unterstützen doch einen unilinearen Begriff der menschlichen Natur, der absolut nichts Dialektisches an sich hat.
Mit anderen Worten, bei allem, was ich in der Frauenbewegung Women`s Lib gehört habe, scheint es überhaupt keine implizite Vorstellung davon zu geben, dass man vielleicht gerade durch das Führen einer Doppelexistenz und das Erleben gewisser Extreme langsam eine höhere Zustandsebene erreicht kann.
Und ich weiß, dass Sie liebend gern sofort darauf antworten würden, aber Sie müssen es noch eine Weile für sich behalten und darüber nachdenken.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Die nächste Rednerin… ist die Meisterin der freien assoziativen Prosa in der „Village Voice“, ..

ZUSCHAUER:
(Lacher )

MR. MAILER:
Ms. Jill Johnston.

(leise) Meisterin der freien assoziativen …

(Applaus)

MS. JOHNSTON:
Ich glaube, Germaine ist in Australien geboren und ich in England.
Bist du in Australien geboren?

MS. GREER:
Ja.

MS. JOHNSTON:
Ich bin in England geboren.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Ha.,,, - Ich kann es nicht ändern – das war eben das erste, was mir eingefallen ist.

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MS. JOHNSTON:
Hm.
Der Titel dieser Episode lautet „Ein neuer Ansatz“.
Alle Frauen sind Lesben, außer denen, die es nicht von Hause aus wissen, sie sind es – wissen es bloß noch nicht.
Ich bin eine Frau und deswegen eine Lesbe.
Ich bin eine Frau, die lesbisch ist, weil ich eine Frau bin (und), eine Frau, die sich selbst liebt, auf natürliche Weise (von Natur aus),
Die auch andere Frauen ist,
ist eine Lesbe,
eine Frau,
die Frauen liebt,
sich selbst liebt
auf natürliche Weise ist das der Fall.

Eine Frau selbst ist ganz Frau,
ist von Natur aus lesbisch,
also haben wir nichts dagegen, diese Bezeichnung so wie jede andere zu benutzen – sie ist ziemlich bedeutungslos, sie bedeutet: von Natur aus bin ich eine Frau, und was ich auch bin, das sind wir.
Wir bejahen, was wir sind, genauso, wie alle Männer natürlich Homosexuelle sind.

Mehr Gefühl für ihr „Homo“ zu haben und zu sein,
ihr „Homosein“, (Menschsein)
ihr „Ecce homo“-sein,
ihr „Ecce Fürst“ – „ – Herr-“ und „- Meistersein).
Die 350 Jahre von Abrahams ….. ein Inter-Sample
Abraham lebte 350 Jahre, weil die Zeitalter der Bibel nur eine Abfolge von Großvätern, Väter und Söhnen sind, die sich intensiv mit ihren Ahnen identifizieren.
Deren Söhne identifizierten sich auf so natürliche Weise mit dem Vater, dass er glaubte, er wäre der Vater, und natürlich war er das, genauso wie Abraham, Isaac und Jakob und Jesaja und Reuben und Simon und Levy und Judah und Joseph.
Jeder von ihnen lebte 350 Jahre.
Aber wer sind die Töchter von Rachel und Ruth und Sarah und Rebecca und dem Rest?
Die Töchter kennen wir nicht – sie hatte nie irgendwelche Töchter.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Sie hatten nur Söhne, die immer noch mehr Söhne zeugten!

ZUSCHAUER:
(Lacher) (Applaus)

MS. JOHNSTON:
Also, aus diesem Buch bekamen wir nur sehr wenig Gefühl vermittelt…

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
.. für Abstammung, Familienbande, Vermächtnisse und den Identitäten der Mütter und Töchter und deren Töchter und deren Mütter und Mütter und Töchtern und Schwestern, die von Natur aus nicht lesbisch waren, sie hatten nichts voneinander, außer Söhnen.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Jetzt müssen wir also sagen: wahrlich, wahrlich ich sage euch:
Eine Frau kann das Königreich der Göttin nicht sehen, es sei denn, sie wird wiedergeboren. Eine Frau muss wiedergeboren werden, um sie selbst zu sein, ihre eigene Eminenz und Gnaden, die Königin, das Selbst der Königin, deren Mutter ihr unzählige leidenschaftliche Küsse auf den Mund gedrückt hat.
((Wort unverst.))
In jeder vollkommenen Liebesbeziehung muss auch ein Gesetz erfüllt werden – die Liebende soll der Geliebten ähneln und gleich sein, und je größer diese Ähnlichkeit, desto heller die Flammen der Leidenschaft.


Ah! Lover und vollkommen Gleiche!!
Ich meinte damit, du solltest mich als solche durch meine schwache Interaktion entdecken
Und ich, wenn ich dich brauche, hab vor, dich durch die Ähnlichkeit in dir zu entdecken.

Ich will sie, die in mir der Wildfang ist,
Ich will sie, die in mir sehr weiblich ist,
Ich will sie, die etwas Britisches an mir hat,
Ich will sie, die etwas hässlich Amerikanisches an mir hat,
Ich will sie, die Fotze und Eier und Brüste an mir ist und das lange, glatten, braune Haar und die Cliquen-Jugendliche aus dem Internat im Navy-blauen Blazer
narcissism qui consist a choisir soi-meme comme objet d¹erotique² -
verzeihen Sie mein Französisch –

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
… und ich möchte, dass die Männer meine Bücherkisten tragen, mich täglich Huckepack tragen und überall für mich zahlen und mich als „befreite Lesbe“ bewundern.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Das Unvermeidbare soll uns nicht kümmern.
Das ist der Körper, den Jill aufgebaut hat.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Ecce Leda, die Lesbe, ecce Greta, die Schwule/Fröhliche,
die schwule Gertrude, diese schwule Fröhlichkeit, schwul zu sein, zu sein…
Um gleichberechtigt zu werden/sein, müssen wir das werden, was wir wirklich sind, und Frauen!
Wir werden erst gleichberechtigte Frauen sein, wenn wir andere Frauen lieben…
Besonders aus dem Weißen Haus.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Der Präsident der Vereinigten Staaten hat gestern Abend die Berufung einer Lesbe in sein Kabinett bekannt gegeben.

ZUSCHAUER:
(Lacher, Applaus)

MS. JOHNSTON:
Es ist schön, wenn man sie hereinbitten kann, im allgemeinem kommen sie herein ohne Anzuklopfen.
(Lacher)

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Klopf, klopf…
Liberal, smibberal –
„Vielleicht sollten wir sie, äh, eine von denen `mal zum Essen einladen.“

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
„Eine von welchen, Liebes?“
„Ah, sie ist schon ein bisschen seltsam, nicht?
Ich meine, du weißt doch, was wir denken würden, wenn ein Schwarzer an unserer Tochter interessiert wäre.
AHHH! - (Lacher)
Oh Gott… Sie könnte sich an meine Frau heranmachen…!!“

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Was sagt man zu der nackten Dame?
Bitte, Entschuldigung, danke.
Jetzt gehen wir Women`s Lib langsam auf den Grund .
(ad lib:) Leckend reizen wir Women`s Lib da unten!

Ich bin außer mir…
Ich bin außer mir vor Liebe für dich, und du bist neben mir, meine Liebste,
das ist der Anbeginn des Universums,
wenn alle Sterne in diesem Moment verglühen,
das ist jetzt das Ende des Universums,
weit sind wir gegangen, um die milchweiße Haut schöner Mädchen zu sehen –
Oh, warum hat die Mutter ihr nicht die Zähne richten lassen, als sie klein war?!
Oh, sie erlebt viele wundersame Abenteuer!
Oh, kurz gesagt, sie ist in diesen anormalen, als freudige Erregung bekannten Zustand geraten.
Oh, noch liebte sie nicht, und sie liebte doch so gern,
sie suchte, was sie lieben könnte und zwar liebend lieben könnte.
Oh, was kann sie jetzt sagen, das nicht die Geschichte so vieler anderer ist?
Oh, enttäusche/verlass mich nicht, sagt sie,
du bist meine letzte Chance, wahrlich unsere letzte Chance, den Westen zu retten.
Und wer wünscht sich schon den Mond, wenn wir auf der Venus landen können!

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MS. JOHNSTON:
Daher ist auch die heterosexuelle Institution vorbei, geistig vorbei, und was jetzt gerade Neues beginnt ist der Rückzug der Frauen, mit der Absicht, sich gegenseitig ein Gefühl für ihr eigenes Selbst zu geben, ein neues Gefühl ihres Selbstes.
Solange es Frauen für unmöglich halten, mit einer anderen Frau eine Bindung einzugehen, was sexuelle Liebe einschließt, werden sie sich selbst die Liebe und Wertschätzung versagen, die sie den Männern so bereitwillig gewähren, und damit ihren zweitklassigen Status bestätigen.
Erst wenn alle Frauen Lesben sind, wird es eine echte, politische Revolution geben!

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Vermutlich sollte ich mich jetzt auf mein Schwert stützen und meine Niederlage beschreiben.
– (ad lib:) Manche Frauen wollen eben beides.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
„Lesbisch“ ist ein Label, das von irgendwem erfunden wurde, um es jeder Frau anzuhängen, die es wagt, einem Manne ebenbürtig zu sein.
Lesbisch ist eine gute Bezeichnung, es bedeutet natürlich nichts oder alles, also haben wir nichts gegen den Gebrauch dieser Bezeichnung – wir mögen sie sogar, weil wir stolz sein dürfen, für uns den Hinweis auf die Insel in Anspruch zu nehmen, die Sappho berühmt machte -
Die Vögel sprechen wieder Griechisch mit uns,
und ist es nicht wundervoll, wie viel Hingabe für uns im Universum schwingt.
Besonders für die, die Umgang mit einem Penis haben, den sie mit ihrer Fotze umschlingen.
Nun ja, Ende von Lillys Durchsage.

Er sagte: Ich will deinen Körper, und sie sagte: du kannst ihn haben, wenn ich damit fertig bin.

ZUSCHAUER:
(Lacher) (Applaus)

MS. JOHNSTON:
Eine Nachricht aus dem Weißen Haus: gestern Abend hat der Präsident der Vereinigten Staaten, bekleidet nur mit einem winzigen…

MR. MAILER:
Jill, Sie haben Ihren Brief beendet. Jetzt. Schicken Sie ihn ab!

ZUSCHAUER:
(Reaktion: Buh)

MR. MAILER:
Das ist den anderen gegenüber nicht fair. Jill hat schon 15 Minuten gehabt. Und Sie alle wollen doch die Gelegenheit, eine Frage zu stellen. Wir wollen doch noch ein bisschen miteinander diskutieren. Okay?

ZUSCHAUER:
(Lacher)

FRAUENSTIMME:
Hey, Jill! - Was ist mit mir?

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Hey, wissen Sie, es ist toll, dass Sie 25 Dollar bezahlt haben, um drei dreckige Overalls auf dem Boden zu sehen…
wo Sie doch die Straße runter für 4 Dollar jede Menge Fotze und Schwanz sehen können.

MS. JOHNSTON:
Besteht die Möglichkeit, dass ich meine Frage auslassen und mein Statement beenden kann?

MR. MAILER:
Jill, das haben Sie schon! Kommen Sie schon, entweder spielen Sie jetzt mit dem Team oder Sie können ihren Grips nehmen und verschwinden!
Hören Sie, heute Abend wollen wir über vieles reden. Und ich will mit Ihnen auch über Lesbianismus (Lesbischsein) reden, verdammt noch mal!
Sie wissen doch, dass ich Interesse habe an dem, was Sie gesagt haben!
Also. Sie können diese Spielchen zwar spielen, aber sie sind dämlich!

ZUSCHAUER:
Stimme: Los doch, Jill, weiter!
Stimme: Lasst sie ausreden!
Stimme: Lasst sie ausreden!

MR. MAILER:
Die Leute, die meckern, ihre Lieblingsrednerin solle ausreden, gehören zu der Sorte, die gern Schach auf modrigen Brettern spielen.

ZUSCHAUER:
(Proteste)
STIMME: (etwa) Scheißkerl!

MR. MAILER:
Los doch, Jill, seien Sie eine Lady!

(Jill pfeift)

FRAUENSTIMME:
Was ist los, Mailer, fühlen Sie sich bedroht, weil Sie mal eine Frau gefunden haben, die Sie nicht ficken können?

MR. MAILER:
Hey, Fotzi, ich werde schon mein Leben lang bedroht, nicht aufregen!

JILL JOHNSTON:
Kann ich mein Statement beenden?

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MR. MAILER:
Was wollen Sie tun, Jill, wollen Sie zum letzten Satz vorspringen?

FRAUENSTIMME:
Lesen Sie es vor! Was können die schon tun?!
Lesen Sie es vor, was kann er schon tun?

JILL:
Moment…

MR. MAILER:
Okay, ich werde Ihnen sagen, was wir tun werden!

JILL:
Was denn?

MR. MAILER:
Okay, wir werden abstimmen. Wir stimmen ab.
Aber ich übernehme das Auszählen!

ZUSCHAUER:
(Reaktion)
MR. MAILER:
Wenn Sie glauben, ich wäre nicht fair genug, richtig auszuzählen, kommen Sie her und nehmen Sie mit das Mikrophon weg!

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MR. MAILER:
Diejenige, die wollen, das Jill weiterliest sagen; Ja.

STIMMEN:
Ja.

MR. MAILER:
Diejenigen, die das nicht wollen sagen: Nein.

STIMMEN:
Nein.

MR. MAILER:
Ganz abgrundtief ehrlich - ich glaube, Sie haben knapp verloren, Jill.

Der nächste Redner, der nächste Redner ist Diana Trilling, die ich vom Rednerpult aus vorstellen werde.
---

MR. MAILER:
Hi, wie geht’s?

FRAU am Mikro:
Hallo…

MR. MAILER:
Diana wird jetzt reden!

FRAU:
Klar doch.

MAILER:
Wenn Sie wollen…
Gehen Sie doch da drüben hin…
(Rest unverständlich…)
Diana wird jetzt reden, Sie verstehen…

--

MAILER:
Die nächste Rednerin – deren Seele zweifellos die Kraft finden wird, Sie die nächsten 10 Minuten in Bann halten zu müssen – sie ist eine Lady voll seelischer Stärke und seit sehr, sehr vielen Jahren eine unserer führenden, wenn nicht die führende Kritiker - Ms. Diana Trilling.

DIANA TRILLING:
Als ich vor einigen Wochen das erste Mal gebeten wurde, an dieser Diskussion heute Abend teilzunehmen, wusste ich natürlich schon, dass Women`s Lib nicht nur eine einzige Bewegung repräsentiert, nicht nur einen einzigen Standpunkt gegenüber der Stellung der Frau – aber es gibt wahrscheinlich so viele Definitionen von Women`s Lib wie es Frauen gibt, die von der Idee, ihr Leben zu verändern, angezogen werden oder Männer, die sich der wachsenden Unruhe der Frauen in unserer Gesellschaft bewusst werden.

Ich wusste, dass es Menschen gibt, für die das eine neue Strategie bedeutet, sich persönlich zur Geltung bringen zu können, für die das eine neue Gelegenheit zum kulturellen Sturmangriff bedeutet, Menschen, für die das eine lange Verzögerung eines Wiederauflebens der Women`s Rights Movement bedeutet, Menschen, für die es eine erbärmliche/pathetische Vision einer utopischen Erotik bedeutet. Menschen, für die das voller Kampfhandlungen zwischen Mann und Frau ist.

Was ich nicht wusste – und erst aus der Beobachtung lernte, wie eine Rednerin nach der anderen von diesem Podium abtrat – als drohe ihr eine ganz besondere Form weiblicher Folter, sollte sie sich der Präsenz eines männlichen Moderators - ganz besonders dieses männlichen Moderators fügen – (was ich nicht wusste ) war, dass Women`s Lib ein autoritäres System ist, das in praktischer Effizienz schon weit gediehenes ist!

Hier haben wir für Frauen praktisch nichts erreicht, außer vielleicht eine Tür den Klagen zu öffnen, die Frauen entweder zu unterdrücken versuchen oder mit denen sie einsam leben müssen. Und sind wir uns denn schon so sicher, dass wir den Feind benennen und ins Visier nehmen können?
Ich bin mir überhaupt nicht sicher, dass ich den Feind meines Geschlechtes so leicht benennen kann.
Aber so sehr ich auch von manchen der Einstellungen abweiche, die Norman Mailers gefeierten Artikel in Harper`s Magazine beseelen, so bin ich mir doch ziemlich sicher – das ist nicht Mailer ((selbst)).

Ich hoffe, er wird mir verzeihen, dass ich das sage - aber so hoch er in der Literaturszene auch aufragt - und ich habe mich selbst schon vor langer Zeit zu derjenigen erklärt, die ihn für den wichtigsten Schriftsteller unserer Zeit hält ….

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MS. TRILLING:
So großartig und wichtig ist er auch nicht!
Er ist z. B. nicht so großartig wie Biologie …

ZUSCHAUER
(Lacher)

MS. TRILLING:
…oder Kultur.
Und gewiss ist er nicht so großartig wie die Biologie und Kultur zusammen.

ZUSCHAUER
(Lacher)

MS. TRILLING:
Obwohl – soweit ich mich erinnere - Mailer in seinem Artikel Biologie wenig oder gar nicht ausdrücklich erwähnt, ist der „Prisoner of Sex“ natürlich vom biologischen Konzept durchdrungen. Dieses liefert sogar die Haupt-Determinante von Mailers Ansicht über die Beziehung zwischen Mann und Frau.
Das kann wohl kaum jemanden völlig schockieren, der mit seinen früheren Werken vertraut ist.

Es war möglich, vieles von Mailers heutiger Position vorherzuahnen, und zwar von, sagen wir, seiner alten und auch weiterhin bestehenden Ablehnung von Verhütungsmitteln.
Trotzdem glaube ich nicht, das wir auf so viel Betonung des Deterministischen hätten vorbereitet sein können, noch dazu bei einem Schriftsteller, der auf so vielen anderen Gebieten - außer dem der Beziehung zwischen den Geschlechtern – immer der herausragende Befürworter eines uneingeschränkten Lebens, einer uneingeschränkten Kultur und sogar einer uneingeschränkte Politik war und ist.

So rigoros, wie ich mich Mailers gefährlich poetischen Exzessen entgegen stelle, wie z.B. seiner Stellung gegen Verhütung, so total abgeneigt bin ich auch, mich der gegenwärtigen Attacke der Frauen gegen ihn anzuschließen.
Tatsache ist einfach, dass ich selbst Mailers poetisch verklärter Biologie gern den Vorzug geben würde vor der „überhaupt keine Biologie“ meiner geistvollen Schwestern. Darin steckt wohl nicht nur mehr Leben,….

ZUSCHAUER:
(Applaus)

DIANA TRILLING:
Darin steckt wohl nicht nur mehr Leben, sondern auch besseres Leben.
Aber – und das ist ein großes Aber - ich bin auch nicht geneigt, mich irgendeiner Attacke anzuschließen, selbst nicht gegen die extremen weiblichen Liberationisten, - so sehr ich ihre Ansichten auch ablehnen mag – wenn diese Attacke ihren Ursprung in dem Wunsch hat, die sexuelle Kultur zu schützen, in der wir jetzt leben.

(Applaus)

Mailer akzeptiert unsere sexuelle Kultur im Großen und Ganzen als etwas Gegebenes - oder zumindest den Teil davon, der mit dem relativen Status der Geschlechter zu tun hat. Das tue ich nicht.
Wo ich mich von den Ansichten fast aller radikalen Liberationisten trenne, die gerade einen leichten Aufstieg von/bei den Frauen gewinnen, die über ihre gegenwärtige Situation bekümmert sind - ist, dass sie eine Kultur suchen, die die biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern für ungültig erklärt.

Wo ich mich von Mailer trenne ist, dass er zwar die Biologie verherrlicht, implizit jedoch den nicht zu tolerierenden Gebrauch duldet, den die Kultur von den biologischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern gemacht hat.
In etwa demselben spekulativen Geiste hat Eric Erickson über etwas in Frauen Existierendes gesprochen, dass er „Innerer Raum“ nennt – was, so sagt er, ihr Gespür für sich selbst und ihre Möglichkeiten definiere.
Ich habe nicht den Eindruck, dass einer dieser begabten Klinikern es unternimmt, der Fähigkeit der Frau Grenzen zu setzen, außerhalb des Hauses eine größtmögliche Zahl an Betätigungsfelder freudig zu nutzen.
Aber unglückseligerweise unternimmt Freud gerade dies, und Mailer meiner Meinung nach auch, obwohl er damit nicht so unverblümt herausrückt wie dieser Arzt der Mittelschicht in Wien.
Ich beuge mich niemandem in meiner hohen Achtung für Freud. Nichtsdestoweniger nehme ich von ihm, wie von Mailer, nur das an, was das Leben bejaht und bereichert,…

(z. Teil gleichzeitig)
FRAUENSTIMME:
Women`s Lib ist nur `was für die reiche Ziegen!
Ich krieg Stütze, ich kann mir den Eintritt hier nicht leisten, die Polizei stellt sich mir in den Weg!

MS. TRILLING: (leise)
Ich will bloß noch ausreden.

FRAUENSTIMME:
Germaine Greer verrät die Armen! Germaine Greer, du bist eine Verräterin!

MR. MAILER:
Hört, hört!

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. TRILLING: (Lacher)
Ich beuge mich niemandem in meiner hohen Achtung für Freud. Nichtsdestoweniger nehme ich von ihm, wie von Mailer, nur das an, was das Leben bejaht und bereichert und verwerfe dabei alles aus seinem Werk, so wie aus dem Werk eines jeden anderen -
weibliche Liberationisten einschließlich – was ärmer macht und verabsolutiert.

Und zu den Bemühungen der weiblichen Liberationisten, die ich für höchst verarmend und verabsolutierend halte, gehören die Doktrin, die jetzt über den weiblichen Orgasmus verbreitet werden.
Sicher ist es bemerkenswert, dass dieselben Leute, die unsere Gesellschaft ganz richtig wegen der harschen und phantasielosen Behandlung Homosexueller kritisieren, nicht zögern, den Frauen zu diktieren, wo sie den einzigen Weg zu sexuellem Genuss zu suchen haben.
Die Rede ist jetzt natürlich von der jetzigen Kampagne, mit der Frauen davon überzeugt werden sollen, dass es so etwas wie den vaginalen Orgasmus gar nicht gibt und sie deswegen auch gleich auf einen Mann verzichten können, selbst im Bett.

Nichts in der sexuellen Kultur des vergangenen Jahrzehnts ist mit mehr Berechtigung angegriffen worden als diese Idee, es gäbe nur eine einzige Definition dessen, was bei sexuellem Verlangen oder sexueller Reaktion normal sei.
Als weiteren Vorteil unserer Befreiung aus einer tyrannischen Herrschaft in Bezug auf die Wahl unserer Sexpartner oder mit welchen Methoden wir nach sexuellem Vergnügen streben - werden wir hoffentlich auch die Freiheit haben, die Orgasmen zu erleben, zu denen wir als komplexe Individuen in der Lage sind.

ZUSCHAUER:
(Lacher, Applaus)

MS TRILLING:
Mein letzter Satz, Norman.
Biologie ist ja schön und gut, Norman.
All diese Frauen haben biologische Eigenschaften, gleichzeitig haben sie sich mit einer repressiven, lebensvermindernden Kultur auseinanderzusetzen. Ihr Artikel in Harper`s Magazine enthält Ihre immer schöne Intention, dem Leben mehr Geltung verschaffen zu wollen sowie eine Fülle gewisser, herrlicher Vorstellungen darüber, wie Frauen sind.
Vermutlich könnten wir es die Vorstellungen von „Frauen, die lieben“, nennen. Aber in seiner Vorstellung vom vollständigen Menschsein der Frau geht der Artikel fehl, wohingegen er bei der Vorstellung vom vollständigen Menschsein des Mannes nie daneben liegt.

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MR. MAILER:
Also, damit ist der erste Teil des Abends beendet, der formale Teil, wenn Sie so wollen, oder der formalste.
Ich würde Jill Johnston gern eine Frage stellen, wo auch immer Sie sein mögen, Jill –
und ich werde auch versuchen, Ms. Ceballos und Ms. Greer noch ein paar Minuten zu geben, da sie die nettesten der beiden Damen waren und sich an die 10 Minuten gehalten haben, um die ich gebeten hatte, sie haben weniger als die anderen angeschnitten… weniger als die anderen überzogen….! (Lacher)
Psssst….

ZUSCHAUER
(Lacher)

MR. MAILER:
Okay, es hat mich nicht überrascht, dass meine liebe, alte Freundin Diana Trilling - wie üblich - fast alles, was ich gesagt habe, falsch verstanden hat …

ZUSCHAUER
(Lacher)

MR. MAILER:
…man kann nur mit den Literaturkritikern gut befreundet sein, die einen zwar nie richtig lesen, das jedoch voll besonderen Mitgefühls.
Was ich im „Prisoner of Sex“ auf meine übliche, inkohärente Art und Weise sagen wollte, …

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MR. MAILER:
…war, dass Biologie oder Physiologie, wenn Sie so wollen, zwar nicht das Schicksal ist, – aber es ist die Hälfte davon.

ZUSCHAUERIN:
Nein, ist es nicht!

MR. MAILER:
Und wenn man diese Tatsache zu ignorieren versucht, dann gerät man - zumindest soweit ich das irgendwie absehen kann - dann gerät man in das schrecklichste totalitäre System von allen, denn es ist ein linkes, totalitäres System.
Im menschlichen Verstand gibt es wohl irgendetwas, das die Vorstellung eines faschistischen oder rechten totalitären Systems irgendwie ertragen kann, weil uns dieses zumindest den romantischen Traum anbietet, wir alle könnten uns in Untergrund-Kadern formieren und letztendlich ein Leben voller Abenteuer führen, wo wir alle, Männer und Frauen, gleich sind – und Genossen.
Aber wenn wir einen linken Totalitarismus bekommen, bedeutet das unser aller Ende, denn wir werden nur noch über ein zermatschtes Gehirn verfügen, das verzweifelt versucht, den unglaublichen Schock zu überwinden, dass die Zerstörung der menschlichen Freiheit von links gekommen ist und nicht von rechts.
Und Women`s Lib weist ein Element auf, das mich erschreckt.

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MR. MAILER:
Es erschreckt mich, weil es humorlos ist, weil - mit Ausnahme, sagen wir: von Germaine Greers Buch über den weiblichen Eunuchen - weil fast gar nicht anerkannt wird, dass das Leben eines Mannes auch schwer ist, und dass all die grauenvollen Dinge, die Frauen so durchmachen - von denen manche definitiv von Männern so entschieden werden - sogar mehr noch als von ihnen selbst vermutlich.

Wir müssen uns der simplen Tatsache stellen, dass es bei Frauen vielleicht ein profundes Reservoir an Feigheit gibt, das sie dieses elendige, sklavische Leben gutheißen lässt.
Wie dem auch sei – ob es nun ihre Schuld ist oder die der Männer - was man anerkennen muss ist, dass die Freiheit der Frau nichts Automatisches ist.
Jede Freiheit der Frau wird so gewonnen, wie jede Freiheit gewonnen wird, nämlich gegen den Strich - gegen das Paradoxon, dass es im Leben vieles gibt, was Freiheit verbietet.

Ich bin also nicht hier, um zu sagen, jede Frau müsse ein Kind haben oder jeder Frau müsse einen vaginalen Orgasmus haben oder jede Frau müsse ein Kind empfangen, so wie ich es vorschreibe - jeder, der das über mich sagt, weiß einfach nicht, wie meine Sätze zu verstehen sind.

Was ich damit sagen will – gehen wir doch ran an diese kleinen Sache, und erkennen wir an, dass die Frage der Frauenbefreiung die schwerste Frage ist, die sich uns jetzt stellt, und wir werden schon in Elementarteilchen der Existenz, der Ewigkeit eingedrungen sein, ehe wir mit ihr fertig sind - weil die Frage, wie viel Freiheit Männer und Frauen bei einander finden, und wie viel vom Abwasch sie sich teilen können, bei allem direkt ins Zentrum trifft.

Und ich möchte, dass sich die Diskussion auf diesem Niveau bewegt. Ich bin absolut bereit… wenn Sie wollen, dass ich als Clown agiere – werde ich meinen bescheidenen, jüdischen Schwanz herausholen und auf den Tisch legen.
Sie können ihn dann alle bespucken und belächeln - und dann gehe ich weg, und Sie werden feststellen, dass es bloß ein Dildo ist, den ich dagelassen habe. Den echten hatte ich Ihnen nicht gezeigt!

ZUSCHAUER
(Lacher, Applaus)

MR. MAILER:
Aber wenn das hier eine anständige Diskussion werden soll – wir sind doch heute Abend alle hergekommen, manchmal unter großen persönlichen Anstrengungen - dann sollten wir sie doch auf höchstmöglichem Niveau führen.
Ich würde Jill Johnston gern Folgendes fragen… – sie hat sehr geschickt die eine Hälfte – meine ich - der Frauenbefreiungs-Idee in den Vordergrund gerückt…
nämlich, dass Women`s Lib zweierlei ist,
eine hochgradig politische Bewegung und eine hochgradig sexuelle, die auf ganz natürliche Weise stark lesbische Untertöne annimmt.

Das heißt aber überhaupt nicht, dass jeder, der sich für Women`s Lib interessiert, lesbisch ist – offensichtlich nicht. Jeder, der behauptet, ich hätte das gesagt, ist ein Idiot.
Aber ich sage folgendes: es ist ganz natürlich, dass sich Lesben auf die Befreiung der Frau konzentrieren, denn es gibt beim Lesbischsein eine besondere Schwierigkeit, die Homosexuelle – obwohl man sie vieles schimpft - so vermute ich mal – nicht haben, nämlich, dass jeder Mann für Homosexualität empfänglich ist, denn die kann er mit einer Frau nicht ausleben.

Er muss zu einem Mann gehen, um sich fundamental wie eine Frau fühlen zu können, er muss zu einem Mann gehen, um sich etwas in den Anus stecken zu lassen oder in den Mund.

STIMME:
In Ihren Anus!

MR. MAILER:
In meinen nicht, Alter!

ZUSCHAUER:
(Lacher)

STIMME:
In Ihren! In Ihren!

MR. MAILER:
Bei Frauen ist die Schwierigkeit die, dass jeder Mann, der ein superber Lover ist, zu einer Frau nur zu ca. 90 % so gut wie eine Lesbe sein kann…
indem er eben tut, was eine Lesbe tut, und dann bleibt ihm noch all das andere.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Das Ergebnis davon ist, dass Lesben es schwer haben, und ich meine, das erklärt zum Teil die große Verachtung, die sie für Männer übrig haben, und um diese große Männerverachtung bildet sich die schlimmsten Aspekte von Women`s Lib heraus.

Also, die Frage, die ich Jill Johnston gern stellen würde lautet: was will sie mit uns, den restlichen 90% machen?

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Okay. - Danke. Und die Damen können jederzeit eine Rede halten, wenn sie dran sind, wann immer sie wollen.
Meine formalen Versuche, heute Abend nichts aus dem Ruder laufen zu lassen, werden sich jetzt darauf beschränken, gelegentlich mit einem brillanten Mitbewerber aus dem Reich der menschlichen Spezies fertigzuwerden.

Okay, jetzt gehört der heutige Abend zwar ganz Ihnen, ich werde aber trotzdem versuchen, mit einem leichten Hammer für Ruhe zu sorgen.
Danke.

ZUSCHAUER
(Lacher)

MS. TRILLING:
Oh, Sie Ärmster!!

MR. MAILER:
Wer möchte zuerst?

FRAUENSTIMME:
Ms. Greer…
----

MS. TRILLING:
Sie sind sehr schnell – wie ich schon sagte – sehr schnell über die biologische Zelle hinweggegangen – aber danach verweisen Sie 8 Mal auf etwas, das Sie als ödipale Familie oder ödipalen Situation beschrieben haben.
Und – so wie ich das jedes Mal im Kontext verstanden habe – haben Sie damit gemeint: die Familie, die das Kind ablehnt, ist eine ödipale Familie. Also, wenn Sie Freud so verstehen wollen, müssen Sie ihn als Idioten abtun, - ((aber)) so etwas hat er nie gesagt.

MS. GREER:
(unverständlich)

MS. TRILLING:
(unverständlich)

MS. GREER:
Ich habe von dem gesprochen, was Freud über die Ehe gesagt hat, als er sagte: In der Ehe wiederhole man die ödipale Situation.

MS. TRILLING:
Nein, ich habe die konkreten Stellen markiert, und ich….

MS. GREER:
Dann zitieren Sie sie doch! Das ist doch kein Eindruck dessen, was ich gemeint habe. Ich nehme Freud gegenüber dieselbe Haltung ein wie Sie!
Ich zitiere ihn ((da)), wo es mir passt und ((da)) nicht, wo es mir nicht passt.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. TRILLING:
Ich habe nicht gesagt: Ich zitiere ihn, wo es mir passt. Ich habe gesagt: Ich nehme von ihm, was mir passt. Ich zitiere ihn nicht falsch!

MS. GREER:
Oh je!

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MS. TRILLING:
(unverständlich)

MS GREER:
Ein Charakteristikum unterdrückter Menschen ist, dass sie sich immer gegenseitig bekriegen!

MS. TRILLING:
Was?!

MS. GREER:
Ein Charakteristikum unterdrückter Menschen ist, dass sie sich immer gegenseitig bekriegen!

MS. TRILLING:
Ich fühle mich nicht so unterdrückt wie Sie!

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. TRILLING:
Und ich bekriege Sie nicht (streite nicht mit Ihnen).
Das kann ich wirklich nicht, verstehen Sie?! Die Sache ist die – ich kann nicht alle Frauen Sprecher für mich sein lassen…

MS GREER: (leise)
Sprecher…!!

MS. TRILLING:
…denn ich bin ja nicht unbedingt für ihr Programm!

(Applaus)

Ich empfinde sehr viel Loyalität gegenüber meinem Geschlecht, sehr viel sogar, und zwar schon sehr lange. Aber das heißt nicht, dass ich Positionen unterschiedslos unterstützte, bloß weil diese Positionen von anderen Frauen vorgebracht werden. Das wäre für mich eine Absage an die Intelligenz.

MS GREER:
Das versteht sich doch von selbst.


MS. TRILLING:
Wirklich?

MS GREER:
Unbedingt.

MS. TRILLING:
Dann dürfen Sie mir nicht vorwerfen, mit einer Angehörigen einer Minderheit zu streiten!

MS GREER:
Es ist nur - wir haben gerade große Schwierigkeiten, uns gegenseitig zu verstehen, und,,, die Benutzung der Worte „falsch zitiert“ lässt sich unter diesen Umständen wohl kaum als edelmütig deuten.

(Applaus)
---
MR. MAILER:
Ich möchte hier gern anmerken, dass die Betonung hierbei darauf liegt,… (Huster)
dass das ganze, für Frauen quälende Problem: wie viel ihres Schicksals biologischer oder physiologischer Natur ist, sich langsam so beantworten lässt.

Mit anderen Worten, ich werde nicht hier sitzen und sagen, ich wüsste, was das Schicksal der Frauen sei - es sei biologischer Natur. Natürlich ist das absurd! Woher soll ich das wissen?
Wir können zwar alle darüber spekulieren, aber die Vorstellung ist doch die: es gibt eine Vielzahl von Gesellschaften, die alle nach ganz unterschiedlichen Prinzipien funktionieren.
Es gibt überhaupt keinen Grund, warum sich in unserem technologischen Zeitalter zumindest diese menschliche Freiheit am Ende nicht erreichen lassen soll.

Und in 50 bis 100 Jahren werden wir vielleicht Außergewöhnliches über die Natur menschlicher Beziehungen zu entdecken beginnen – in anders gearteten Gesellschaften und der Art und Weise, wie sie sie funktionieren können, und ob sie friedlich nebeneinander leben können oder nicht – das bleibt, natürlich am besten der Phrasendrescherei der Liberalen überlassen, es spielt ja keine Rolle - so gut werden die wahrscheinlich nicht Seite an Seite leben, aber wir leben jetzt gewiss auch nicht gute Seite an Seite.
Das Wichtige ist, dass wir herausfinden, ob Kinder sich wirklich selbst erziehen können.
Und im Zuge dessen wird es überall jede Menge Opfer geben!!

Es wird auch Menschen geben, die – wenn sie ein Kind haben, zusammen leben und ganz allein Kinder großziehen wollen, es dann auch werden tun können, und zwar mit einem außergewöhnlichen Gefühl von Freiheit und nicht mit dieser Schwere, die sie heutzutage empfinden, wenn sie sich fragen, ob mit ihnen irgendetwas nicht stimmt!

Selbst Greer, die dieses absolut schöne Buch geschrieben hat, hat, lassen Sie mich es so sagen: auf männliche Art versagt –

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MR. MAILER:
Sagen wir mal, ich bin bei ihrer Beweisführung immer nicht ganz mitgekommen, weil sie nicht ganz genau wusste, wo das alles passiert ist.
Z.B., als Sie vom englischen Klerus des 17. Jahrhunderts sprachen … vielleicht ist mein Geist da abgeschweift, aber ich hatte das nicht das Gefühl, dass Sie da den Dingen auf den Grund gegangen sind.

MS GREER:
(unverständlich… Sie selbst…)

MR. MAILER:
Hä?

MS GREER:
16!

MR. MAILER:
Ganz offensichtlich abgeschweift. – Sehen Sie, ich habe wirklich einen schwachen Verstand, Zahlen kann ich mir nicht merken.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. GREER:
Jede Bevölkerungsstudie zeigt, dass zwischen Feudalismus und Renaissance etwas Bestimmtes geschehen ist, aber das genaue Datum, ab dem alle aufhörten, in Stammfamilien zu leben, könnte ich Ihnen nicht nennen.

MR. MAILER:
Nein,… aber ich glaube, Sie können dem zustimmen, dass es nicht nur einfach darum ging, dass Männer Frauen tyrannisieren. Ich meine, wenn es bloß darum geht, dass wir Männer euch Frauen all die Jahre tyrannisiert haben, dann müssen wir wirklich auch noch weiterhin einen enormen Dialog führen, denn…
Und die Arbeit ist noch nicht erledigt. Ich meine, mein Gott!! Wenn Kate Millets Briefe schon die ganze Arbeit geleistet haben, dann sind wir alle dem Untergang geweiht!

MS. CEBALLOS:
Was haben Sie gesagt?!

MR. MAILER:
Ich habe gesagt, Kate Millet hat die historische Arbeit geleistet mit der Feststellung, Männer kontrollierten Frauen in einem politischen Klassensystem.
Dann sind wir alle dem Untergang geweiht!

MS. GREER:
Niemand wird überraschter sein als Kate, wenn sie hört, wessen man sie beschuldigt.
Jede Feministin weiß, dass die von uns als Gesellschaft durchzuführende Analyse sehr kompliziert ist und lange dauern wird.
Wenn Mao Zedong so lange zur Definition von Ursachen und Probleme brauchte – in einer Situation, in der das Blatt noch unbeschrieben war…
Wir haben ein –zig mal überschriebenes Blatt und haben jetzt zu versuchen, eine extreme indoktrinierte und feige Gesellschaft auf Trab zu bringen!

Und dabei gibt es auf jeder Ebene unserer Gesellschaft so viele kniffelige Probleme, dass es ziemlich absurd ist, zu diesem Zeitpunkt von einer Frau zu verlangen, sie möge Ihnen eine vollständige Analyse zeigen, sonst… werde man sie dafür verurteilen, überhaupt eine gemacht zu haben.

ZUSCHAUER:
(Applaus)

(Mailer klopft mit dem Bleistift auf Papierbechert)

MR. MAILER:
Ich… ich bin ja dafür, ich bin total dafür, aber ich möchte Sie fragen: warum sagt ihr Frauen weiterhin – ohne die Analyse gemacht zu haben – warum sagt ihr weiterhin, dass allein die Männer schuld sind?

MS. GREER:
Ich wusste noch nicht, dass irgendwelche Frauen sagen, dass sei ganz allein Schuld der Männer. Ich meine, was mich betrifft, so ist das doch genau die Sache, die wir herausbekommen wollen.
Wenn es tatsächlich so ist, dass Männer unbewusst tyrannisch waren und sind - und ich glaube, das ist wahrscheinlich der Fall, - dann ist auch sicher, dass sie von ihrer eigenen Tyrannei ((moralisch)) verdorben wurden, durch sie degradiert und verwirrt wurden - fast so sehr wie die von ihnen Tyrannisierten.

ZUSCHAUER:
(Applaus)

Mr. MAILER:
Da sind wir einer Meinung. Im Grunde nur der gute, alte Sozialismus.

STIMME:
Sie lassen ja keinen anderen etwas sagen, Sie dominieren den ganzen Abend!


MS. TRILLING:
Tut er nicht, tut er nicht.

MR. MAILER:
Ich versuche, hier gerade einen Dialog in Gang zu setzen. Und ich bin absolut bereit, sofort zu verschwinden, sobald dieser Dialog in Gang gekommen ist.
Was wir jetzt wohl tun sollten ist Folgendes, - im „Theater of Ideas“ ((sic!)) gibt es eine alte Tradition im, und zwar: ein Menge Leute wurden extra eingeladen - ihrer Spezialkenntnisse wegen oder ihres Allgemeinwissens bei einem bestimmten Thema - und diese Leute bekommen normalerweise einen Platz in den ersten Reihen - weil sie eingeladen wurden.
Ein sehr unfaires Verfahren, das wissen wir alle.
Sie bekommen dieses Privileg – weil das „Theater of Ideas“ eine auf Privilegien gegründete Institution ist.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Das hier ist eine Enklave, in die ihr jungen Nihilisten euch hier begeben habt! - Und in der Gesellschaft der Zukunft, in der es viele Welten gibt, werdet ihr Folgendes lernen müssen: wenn man sich auf das Terrain anderer begibt, hat man sich nach den Regeln der anderen zu richten, und euern eigenen Spaß könnt ihr haben, wenn die es je wagen sollten, sich auf euer Terrain zu begeben.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Also, die ersten Fragen sind an jemanden auf dem Podium zu richten, mit Ausnahme von mir, denn ich habe tatsächlich schon zu viel geredet.

FRAUENSTIMME:
Betty Friedan.

MR. MAILER:
Seien Sie genau, Betty!

MS. FRIEDAN:
Norman, ich werde Genauigkeit für mich selbst definieren, dazu brauche ich Sie nicht!

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Geben Sie mir doch die Gelegenheit, eine eigene Meinung zu haben!

MS. FRIEDAN:
Nein, ich…
Ich habe mich gefragt, ob das möglichweise… - sogar heute Abend – darauf hindeuten könnte, dass die Welt weniger langweilig sein könnte, wenn - anstelle des monolithischen, unveränderten, ewigen Gesichts der Eva, die niemals ihr biologisches Selbst transzendiert – wenn wir endlich den Anfangspunkt der Selbstdefinition erreichen - auf den Sie gerade irgendwie so reagieren wie Ihre Vorgänger vor 100 Jahren, die sagten: „Der Hund kann ja sprechen....!!“ – verstehen Sie?!

Dass eine Frau hier überhaupt redet, das zu akzeptieren fällt Ihnen ein bisschen schwer, aber dass wir dabei auch noch unterschiedliche Töne anschlagen, dass wir nicht alle einer Meinung sind, dass wir das Recht haben, unsere eigenen Unterschiede zu definieren und uns über unsere eigenen Genauigkeiten zu streiten und unsere eigenen Ideologien zu finden, - und am Ende könnten vielleicht sogar Sie das weniger langweilig finden!

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MR. MAILER:
Ich weiß einfach nicht, wovon Sie gerade reden.

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MR. MAILER:
Betty, Sie reden einfach bloß so!
Sie appellieren an das niedrigste Niveau der Zuhörer!

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MR. MAILER:
Und Sie sind blöd! Ich bin mein Leben lang mit Frauen auf Rednertribünen, mein Gott!!
Sie tun so, als ob Frauen ganz plötzlich in der Öffentlichkeit sprächen. Das tun sie seit 100 Jahren! Darüber reden wir hier gar nicht.
Wir reden hier über die außergewöhnlichen Möglichkeiten, die in der Frauenbewegung Women`s Lib stecken!!
Sie reden noch so darüber, als ob ich total dagegen wäre, was ich nie war.
-----
Also, Ihr Ladies tut auch alle ganz herablassend.
Wir sind alle hochnäsige Snobs, wie klingt das?

ZUSCHAUER:
(Applaus)

FRAUENSTIMME:
Vielleicht ist das niedrigste Niveau da, wo Sie sich gerade befinden, Norman!

MR. MAILER:
Vielleicht, vielleicht, das werden wir noch herausfinden – vielleicht.

STIMME:
Susan Sontag.

MS. SONTAG:
Ich möchte Norman - und auch Diana - eine friedlich gemeinte Frage stellen, obwohl sie offensichtlich auch die anderen betrifft.
Normann, stimmt es, dass Frauen Ihre Art mit ihnen zu reden beim besten Willen nur herablassend finden, und… dazu gehört auch Ihre Benutzung des Wortes „Lady“?
Als Sie…
Und das will ich Diana fragen, als Sie sagten, Diana Trilling, die erste Literaturkritiker-Lady…
Wenn ich Diana wäre, würde ich nicht gern so vorgestellt werden, und jetzt würde ich gern wissen, was Diana dazu meint.
Mir gefällt es nicht, „Schriftsteller-Lady“ (Lady Writer) genannt zu werden, Norman.
Für Sie scheint es galant zu sein, aber uns kommt es nicht richtig vor. Frau Autor (Woman Writer) genannt zu werden ist ein bisschen besser. Ich weiß nicht warum, aber wissen Sie, Worte machen eine Menge aus! Wir sind alle Schriftsteller und Autoren, das wissen wir (wir wissen das!!).

ZUSCHAUER:
(leise, unverständlich: Wie also?)

MS. SONTAG:
Also wie wäre es mit „Frau Doktor“, Frau Anwalt? Wenn Sie James Baldwin vorstellen würden, würden Sie ja auch nicht sagen: unser bekanntester Neger- Schriftsteller. –
Und wir würden ganz gewiss nicht sagen: ein männlicher Autor.

STIMME:
Ein Gentleman-(und) Autor.

MR. MAILER:
Susan, … Susan…
Wenn Paris eine Messe wert ist, so werde ich das Wort Lady in der Öffentlichkeit nie wieder benutzen.

(Applaus)

MS TRILLING:
(Anfang unverständlich)
Susan, Sie haben mich auch gefragt. - Es gefällt mir nicht, und ich erkenne sehr genau, was Sie damit sagen wollen.
Aber manchmal ist es wohl so wie „die Läufer-Lady“ oder „die Hochspringer-Lady“ oder irgendetwas Derartiges gesagt wird - in den Kreisen gibt es diese Besonderheit, nicht wahr?
Und deswegen gestatte ich es auf dieser Basis. Gefallen tut es mir eigentlich nicht.

MS. SONTAG:
Dann sollten Sie wohl was dagegen einwenden.

MS. CEBALLOS:
Zumindest hat er nicht gesagt: eine schreibende Hausfrau!

MR. MAILER:
Wenn ich darf, würde ich Susan gern antworten. Ich hätte Diana eine Frau Kritiker oder einen weiblichen Kritiker nennen können oder ich…

FRAUENSTIMME:
Einen Kritiker!

MR. MAILER:
… oder ich hätte sie einen Kritiker nennen können, aber ich wollte sagen, sie sei die beste dieser Gattung.

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

PODIUMSMITGLIEDER:
(Lacher)


MR. MAILER:
Darf ich etwas sagen, ich meine, darf ich die Frage beantworten?

FRAUENSTIMME:
Das haben Sie schon!

MR. MAILER:
(Darf ich die Frage beantworten?)


FRAUENSTIMME:
Das haben Sie schon!

Nein, hab ich nicht. Fakt ist, dass

Literaturkritik keine Tätigkeit ist, die Frauen schon beinahe so lange betreiben wie Männer.
Und, es gibt gute Gründe, warum es so sehr wenige gute Lady-Kritiker gibt!

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MR. MAILER:
Und überhaupt, wie Sie alle hätten wissen sollen, - wenn Sie so gewitzt wären - habe ich genau das getan, um Diana aufzuziehen.

ZUSCHAUER
(Reaktion)

STIMME:
Wer gab Ihnen das Recht dazu?

MR. MAILER:
Ihr habt ja alle keinen Humor!


MS TRILLING:
(Lacher)

FRAUENSTIMME:
Lucy Komisar!

MS. KOMISAR:
Ich möchte Germaine Greer fragen, ob sie meint, dass es eine Beziehung gibt zwischen der Art und Weise, wie sich Sexualität und Beziehung zwischen Mann und Frau entwickelt haben – hauptsächlich, dass Männlichkeit auf Dominanz über Frauen basiert, Macht über Frauen, letzten Endes Gewalt über Frauen - und die Tatsache, dass unsere Kultur eine Kultur war und ist, in der Männer immer nach Macht über andere Männer streben - was wiederum zu Gewalt führt.
Tatsächlich sind viele der Worte, die wir zur Beschreibung der Sexualität benutzen, dieselben, die wir zur Beschreibung des Krieges benutzen.
In Normans Buch „Die Nackten und die Toten“ erinnere ich mich an eine Passage, wo er bei der Beschreibung einer Bombe, die gerade etwas in die Luft jagt, zwischen zwei Metaphern hin- und herspringt - und manchmal spricht er mit Begriffen aus der Sexualität darüber und manchmal spricht er von… wenn er über Sex spricht, benutzt er Kriegs-Ausdrücke.
Einmal spricht er von seinem Penis als dem „Rächer“.
Und ich frage mich, ob ein Teil des Problems, das wir lösen werden, wenn wir die Idee der männlichen Dominanz über Frauen und männlicher Macht über Frauen beseitigt haben - und die Frage des Frauen-Schlagens ist z. B. kein Scherz, das ist sehr ernst.

Wissen Sie - im Mittelalter hat die Kirche das geregelt. Das war etwas, dass sie aus Güte taten. Sie sagten, Männer könnten ihre Ehefrauen zwar mit Peitschen und Knütteln schlagen, aber nicht mit Eisenstangen!
Vielleicht ist das irgendwie witzig - aber dann ist das krank, ein ganz übler Witz.
Und das ist die Art von Gewalt, die seit Jahrhunderten ausgeübt wird, die Männer gegen Frauen ausgeübt haben und noch ausüben, und die sie auch gegen einander ausüben!
Was ich sehr interessant finde - als ich endlich dazu gekommen bin, Lionel Tigers Buch zu lesen, als es als Taschenbuch herauskam…

STIMME:
Ihre Frage! Ihre Frage!

MS. KOMISAR:
Er sagt nicht nur, Männer wären Frauen überlegen, er sagt: es gäbe manche Männer, die anderen Männern überlegen wären – und Frauen - und die sollten herrschen, und für mich ist das faschistisch.

MR. MAILER:
Erst muss ich noch eine andere Frage beantworten.
Ich freue mich sehr auf den Fortschritt in der Frauenbefreiung, denn dann werden die Frauen endlich mit dem besten Aspekt des männlichen Gehirns in Kontakt kommen müssen - seiner anständigen Genauigkeit.

ZUSCHAUER:
(Applaus, Lacher)

MR. MAILER:
Liebe Lucy Komisar, ich habe diese Bemerkungen nicht gemacht, ich hatte Figuren, die sie gemacht haben. Ich hatte einen General, der im innersten latent homosexuell war aus eigenem Recht (von Geburt) – nicht meine latente Homosexualität, seine latente Homosexualität - und er, er hatte da diese wundervollen Vorstellungen von der Bombe als Phallus, und ich hatte beim Schreiben dessen eine Menge Spaß.
Ich dachte: Das zeigt doch, wie homosexuell diese Generäle sind!

Ich habe das also nicht für mich gesagt.
Dasselbe habe ich über Septimus O¹Shaunnessy geschrieben, er war ((körperlich)) ein so großer Mann wie Germaine Greer, er war ein Gott, und er sprach von…

MS. GREER: (unterbricht ihn)
Ich meine, Sie haben Ihren Penis doch den „Vergeltung Übenden“ genannt, mit einem komischen Bezug zu Septimus O¹Shaunnessy… ähnelt Ihnen in vielerlei Hinsicht….


ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MR. MAILER:
Der „Vergeltung Übende“ … der „Vergeltung Übende“ ist nicht ganz so formidabel
wie der „Rächer“. (Lacher)

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MS. GREER:
Das muss ich leider aus der Sicht der Frau sehen.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Es steht Ihnen frei, meinen Standpunkt einzunehmen, aber eigentlich habe ich damit Ihre Frage erledigt. Wenn Sie sich noch an sie erinnern können, würden Sie sie jetzt beantworten?

MS. GREER:
Ich erinnere mich schon. Ich glaube, das ganze Problem dabei ist, dass wir alle auf die eine oder andere Art erkennen, dass wir durch Gewalt beherrscht werden, und dass die Welt durch Gewalt beherrscht wird, solange man sich erinnern kann, und wenn wir jetzt am Rande einer Revolution stehen und es heißt: „Das oder der Tod“!
Dann muss das die einzige Revolution sein, die Gewalt gegen etwas anderes eintauscht, gegen eine feinere und kultiviertere soziale Ordnung, die auf viel komplizierteren Interaktionen von Menschen und ihren Gaben aufgebaut wird.

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MS. GREER:
Unser Feind scheint so unpersönlich zu sein wie… General Motors.

ZUSCHAUER:
(Applaus) (Buh)

MR. MAILER:
Sollen wir ins Publikum gehen?

STIMME:
Cynthia Ozick!

MS. OZICK:
Der Grund, weswegen Mr. Mailer nicht zu verstehen scheint und so herablassend erscheint – ich glaube, dem bin ich jetzt dicht auf der Spur, und ich werde Sie daran teilhaben lassen. Er…
Nicht, dass er nicht versteht - und er ist auch nicht herablassend, er ist ein Priester!
Und ich schwelge hier jetzt nicht in Hohn und Spott oder clownmäßiger Darstellung, - vor der Sie uns ja gewarnt haben, Mr. Mailer…

Also, nachdem ich „Prisoner of Sex“ gelesen hatte – ich habe es gelesen - auf der Herfahrt in der U-Bahn habe ich noch den Rest gelesen –
Das, was passiert, ist eine Rückkehr zu der ursprünglich erotischen Religion der Welt.
Die wir vom indischen Lingam kennen, der wächst… – ein Steinphallus wächst in Indien am weißstaubigen Wegrand, Lorbeer umkränzt…

Die Frauen hier, besonders Ms. Sontag, haben von Gerechtigkeit gesprochen, der Grundlage der Zivilisation. Ein Priester jedoch tut das nicht,…
ein priesterlicher, geschlechtlich transzendentalistischer Priester wie Mr. Mailer kann sich doch gar nicht mit einer in der Zivilisation verwurzelten Gerechtigkeit befassen, weil er Jakobs Zelt verlassen hat, um Isaak zu werden, und das ist ein Statement!

Ich habe eine Frage! Von dieser Frage träume ich schon seit vielen, vielen Jahren, seit „Advertisements for Myself“ (Eigenwerbung), bloß habe ich immer gedacht, es würde im Y ((YMCA)) stattfinden - und jetzt hier…

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. OZICK:
… das hier ist die Wahrheit, das hier ist ein Traum, das hier ist der Augenblick, meinen Traum auszuleben.

Mr. Mailer, in Advertisements for Myself haben Sie sagt – ich zitiere – „Ein guter Romancier kann auf alles verzichten, bloß nicht auf das, was von seinem Mut (seinen Eiern) noch übrig ist.“
Seit Jahren frage ich mich, Mr. Mailer, wenn Sie Ihren Mut (Ihre Eier) in Tinte tauchen, welche Farbe hat sie?

ZUSCHAUER/PODIUM:
(Lacher)

MR. MAILER:
Ms. Ozick, wenn ich darauf nicht schnell eine Antwort finde, muss ich wohl zustimmen - die Farbe ist Gelb.

ZUSCHAUER/PODIUM:
(Lacher)

MR. MAILER:
Diese Runde geht an Sie. - Ich werde nicht so tun, als hätte ich nie im Leben einen idiotischen oder dummen Satz geschrieben zu haben - und das ist einer davon.

ZUSCHAUER:
(Lacher) Applaus

STIMME:
Eine Hand.
Peter Fisher von der Columbia Universität.

MR. FISHER:
Ich richte die Frage an die Frau(en), von dem Vorsitzenden dort haben wir wohl genug gehört…
Sowohl hier als auch in seinem Artikel in Harpers Magazine nennt oder beschreibt Mr. Mailer Homosexuelle als weibliche Männer, und ich glaube, seine negative Haltung Homosexuellen gegenüber reflektiert seine Einschätzung von Frauen auf einem vielleicht unterbewussten oder einem noch tieferen Niveau.
Ich würde gern hören, ob die Frauen das Gefühl haben, dass es zwischen Frauenbewegung und Schwulenbewegung eine Verbindung gibt.

MS. GREER:
Eigentlich habe ich immer gedacht, sie sei ein wesentlicher Bestandteil derselben Bewegung. Ich weiß, das bedeutet, dass manche meiner „Schwestern“ in dieser Frage anderer Meinung sind.
Ich glaube, die einfachste Art und Weise, meine Haltung zu dieser ganzen Frage zu beschreiben ist … anscheinend hat Sexualität im Großen und Ganzen etwas damit, dass der Akt des Fickens… zum Vorteil für denjenigen ist, der fickt, und zum Nachteil desjenigen, der gefickt wird.

Und soweit ich das sehe wird derjenige, der gefickt wird, ob nun männlich oder weiblich oder eine Ziege oder ein Schwein oder ein Stein - als weiblich und unterlegen/zweitrangig charakterisiert. Und – wir alle sind doch interessiert daran, die Grammatik dieses Verbes zu ändern, es für die vielen möglichen Permutationen zu öffnen - und unsere Augen `mal 5 Minuten von dem „Vergeltung Übenden“ loszureißen.

ZUSCHAUER:
(Applaus)

STIMMEN:
Würden Sie wohl Ihren Namen nennen?

MS. MANDEL:
Ruth Mandel. Und ich habe zu den Unsicherheiten hier noch eine hinzuzufügen. Ich frage – wohl als Frau, die im Moment nicht das Bedürfnis nach Kindern verspürt, die im Moment nicht das Bedürfnis hat, mit einem Mann oder einer Frau oder irgendwem sonst verschmelzen zu wollen, sondern die ich mich vor mir selbst rechtfertigen will –
Wenn ich mich biologisch nicht an meinen Körper gefesselt fühle, so dass er die Definitionen von mir (meines Ichs) nicht begrenzt, dann frage ich jetzt – vielleicht kann Mr. Mailer mir das beantworten – ist er so sehr an seinen Körper gefesselt, dass er sich nicht außerhalb davon definieren kann?

MR. MAILER:
Ich werde versuchen, Ihre Frage zu beantworten, aber ich werde sie in mit eigenen Worten beantworten, wenn es Ihnen nichts ausmacht.
Ich werde versuche, die Frage etwas herumzudrehen, und vielleicht werde ich sie beantworten, vielleicht aber auch nicht.

Was ich im „Prisoner of Sex“ immer wieder zu sagen versucht habe, ist, dass sich in der Frauenbewegung - oder in dieser Sache auch in fast allen linken Gedanken, die Männer dazu haben – nichts mit dem beschäftigt, was meiner Meinung nach der Kern des Problems ist.


Also, Folgendes ist wohl der Kern des Problems. Wenn Sie missfällt, dass das der Kern des Problems ist, schön! Aber ich meine eben, der Kern des Problems ist, dass die menschliche Natur, so, wie sie funktioniert, gegen schmerzhafte, quälende Paradoxien ankämpft.

Und ich bin mir völlig dessen bewusst, dass heutzutage viele Frauen - vielleicht inzwischen fast alle Frauen auf Erden - keine Kinder haben wollen, - bei diesem sexuellen, (organisch-biologischen) Öko-Spiel nicht mitmachen wollen.
Und vielleicht haben sie ja Recht, das weiß ich nicht.
Aber ich sage jetzt nicht: Halt!
Ich sage jetzt nicht: die sind böse!
Ich sage jetzt nicht: sie haben Unrecht.
Ich sage: wir werden es herausfinden müssen.

Die Geschichte der Menschheit hat jetzt den Punkt erreicht, dass fast alle Frauen hauptsächlich rebellieren.
Aber wir können eine Menge Zeit sparen, wenn wir mit diesem Unfug und diesen Beschimpfungen aufhören, denn das Eine, was die Reihen der Männer gegen die Macht dieser Bewegung wirklich schließen wird, ist die Tatsache, dass Männer mit diesem absolut fehlenden Gefühl für Gerechtigkeit fertig werden müssen, das Frauen ihrer Sicht nach besitzen.
Man könnte dem entgegenhalten: Ja, weil das eben das männliche Gefühl für Gerechtigkeit ist!
Na gut, vielleicht ist dem so. Aber in diesem Dialog müsst ihr uns unsere Termini genauso gestatten!
Wenn ihr zitieren wollt, was wir sagen, werdet ihr zu sagen lernen müssen, dass wir dieses nicht mit eigener Stimme gesagt haben, wir haben es mit der Stimme einer unserer Romanfiguren, was wiederum bedeutet, wir können es auch selbst gemeint haben oder nicht. Wir können das Gegenteil gemeint haben.
Wisst ihr denn gar nicht, wie ein Roman funktioniert?!
In einem Roman gibt es Figuren, die tendenziell euren Standpunkt repräsentieren, Figuren, die das Gegenteil davon repräsentieren, und Figuren, die vorrübergehend ein paar Facetten eures Standpunktes repräsentieren.
Und wenn ihr Ladys darauf nicht steht, sondern lieber auf einer Menge übelster Baseball-Schimpfwörter, dann will ich euch mal klarmachen, wo das Paradoxon von männlicher und weiblicher Gewalt stattfindet!

Wenn ein Mann und eine Frau einen bitteren, wütenden, gewaltsamen Streit austragen, kommt ein Moment – wenn der Mann stärker ist, was er gewöhnlich ist, nicht immer, aber für gewöhnlich – kommt ein Moment, an dem er die Frau entweder schlägt oder nicht.
Also, wenn er die Frau schlägt, hat er den Streit verloren, denn am Ende hat er die Prämisse des Streites vergrößert.

Andererseits – wenn ein Mann sich schwört, nie die Hand gegen eine Frau zu erheben, und er es mit einer Frau zu tun hat, die weniger Ehrgefühl besitzt als er, - glauben Sie mir, meine Damen, das ist denkbar - dann macht die Frau weiter - -
Sie haben doch um einen Dialog gebeten, hier ist er, das hier ist meine Hälfte des Dialoges, Sie könnten darauf etwas entgegnen…

ZUSCHAUER
(unverst.)

MR. MAILER:
Ich werde Sie etwas lehren und Sie mich etwas!

Verdammt! Ich will euch auch etwas beibringen!
Verflucht!
Ich werde doch nicht hier sitzen und euch alten Vetteln zuhören, wie ihr mir eine Strafpredigt haltet und dazu noch „Ja doch! Ja doch! „ sagen!!

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MR. MAILER:
Lassen Sie mich zum Punkt kommen.
Wenn ein Mann sich geschworen hat, nie die Hand gegen eine Frau zu erheben, und die Frau dieses weiß und dieses Wissen immer wieder benutzt, dann erreicht sie einen Punkt, wo sie den Mann buchstäblich umbringt, denn die Menge an Gewalt, die in ihm erregt wird, überflutet seinen Kreislauf und bring ihn langsam um.
Zu diesem Zeitpunkt lässt sie sich also auf einen gewaltsamen, mörderischen Akt ein, obwohl gar keine Schläge ausgetauscht werden.

Ich will damit bloß auf Folgendes hinaus: das ist die simple, existentielle, augenblickliche Schwierigkeit.
Der Streit um Gerechtigkeit in der menschlichen Beziehung geht darum, wo dieser Punkt nun ist, denn darüber gibt es absolut nie eine Meinung (Übereinstimmung), darüber, ob es der Mann oder die Frau ist, die mit diesem Punkt spielen.
Aber wenn ihr Frauen nicht bereit seid, anzuerkennen, dass das Leben höchst komplex ist und Frauen genauso wie Männer das totquatschen können, dann haben wir uns nichts zu sagen. - Wieder einmal.

JOHN HOLLANDER:
Alle Frauen sähen am Ende ihrer Mutter ähnlich, hat einmal eine Figur in einem Oscar Wild Stück gesagt. Das wäre ihre Tragödie.
Kein Mann sähe am Ende seiner Mutter ähnlich, das wäre seine Tragödie.
Mich interessiert, wie die Änderungen, die Sie sich vorstellen, zu einer Änderung dieser theatralischen Abwärtskurve führen könnte?

MS TRILLING:
Das ist eine sehr gute Frage.

MS. GREER:
Auf diese Frage kann ich nur antworten, dass ich meiner Mutter überhaupt nicht ähnlich sehe - physisch, wenn Sie das meinen, und auch in keiner anderen Hinsicht, soweit ich das sehe.
Mir scheint es auf einer falschen Prämisse zu beruhen. Und indem Sie die Frage so postuliert haben, sind Sie dem wahren Sachverhalt ausgewichen.

MS. TRILLING:
Ich halte das für eine fabelhafte Frage!
Ms. Greer fühlt sich beleidigt, weil ich vielen Sachen in ihrem Buch nicht zustimme, ich wollte wegen dieser Meinungsverschiedenheit nicht unhöflich sein - hoffentlich war ich es nicht.
Aber eine der Fragen, die mir in dem ganzen Buch auch durch den Kopf gegangen ist, war genau die, die John Hollander gerade gestellt hat.
Wenn sich Frauen nicht durch Identifikation mit ihren Müttern entwickeln sollen, durch was denn dann?!

In ihrem Buch spricht Ms. Greer von ihrem Wunsch, ein Kind zu haben - sie beschreibt ihn als einen ihrer Träume: ein Kind zu haben, das sie dann einer Familie in Kalabrien oder irgend so einem ähnlichen italienischen Dorf übergeben würde, und viele emanzipierte Freunde/Freundinnen würden ihre Babys auch diesem Paar übergeben, und die Mütter würden sich nicht einmal ihren Kindern zu erkennen geben!
Diese Kinder würden nicht einmal wissen, wer ihre Mütter sind!

Aber was natürlich mit diesen Kindern passierend würde wäre, dass sie sich mit dem fürsorglichen, weiblichen Wesen identifizieren würden, das da wäre - die Bauersfrau, die sich um sie kümmerte, das wäre dann die Person, mit der sie sich identifizieren müssten.

Auf diese Weise hätten sie so wenig – und mehr - eine Beziehung zu Ihnen, Ms. Greer, wie Sie zu Ihrer eigenen Mutter haben.
Dann hätten Sie also erreicht, was Sie in Wirklichkeit zu erreichen wünschten.

(Applaus)

MS. GREER:
Das ist sehr hinterhältig!
Ich wurde von meiner Mutter groß gezogen – das scheint diese Annahme also nicht zu bestätigen.
Nicht nur das, aber die Beschreibung des Haushaltes, von dem ich so einfältig geträumt habe - ich hätte wissen können, dass man mir daraus einen Strick drehen würde – drehte sich nicht um dieses bäuerliche Paar, es ging darum, dass wir dort leben wollten, wann immer wir könnten.
Störenfried war das eindringende Realitätsprinzip - wir müssten genug Geld verdienen, um den Haushalt unterhalten zu können. Und es würde nicht nur ein fürsorgliches weibliches Wesen geben.
Ich hege nicht den Wunsch, eine Situation zu verewigen, in der man einer fürsorglichen Frau die Schuld an all dem gibt, was mit dem Nachwuchs so schief geht – mit ihrem Nachwuchs!

ZUSCHAUER
(Applaus)

MS GREER:
Und – als etwas, durch das man sich weiter entwickeln kann – scheint mir, dass Kinder viel mehr von einer Vielzahl weiblicher Kontakte profitieren als nur von einem einzigen Kontakt mit einem weiblichen Wesen.
Und tatsächlich haben fast alle, die bei diesem Thema zugunsten der Kernfamilie reden – wenn man das untersucht, stellt man fest, die haben selbst nicht einmal eine Kernfamilie.
In manchen gibt es 4 weibliche Wesen und 3 männliche.
In dem Haushalt, der zu Beginn von „Prisoner of Sex“ beschrieben wird, gibt es 4 fürsorgliche weibliche Wesen und 3 männliche Kinder, Norman und seine 2 Söhne.

ZUSCHAUER
(Lacher)

MS GREER:
Was Genauigkeit angeht, so bin ich bei Kleinigkeiten anscheinend nicht so - aber eine Genauigkeit im Wesentlichen ist schon wichtig.

MR. MAILER:
Ms. Greer, sind Sie extra aus Australien hergekommen, um solch eine Gemeinheit von sich zu geben (einen Schlag unter die Gürtellinie abzugeben)?!

MS. GREER:
Was ist denn daran so gemein?

MR. MAIER:
Nun, ich meine…

STIMME:
Nehmen Sie ein Mikro, Normann!

MR. MAILER:
Das ist ganz offensichtlich gemein.

MS. GREER:
Ich halte es für zu Ernst, als es nur zu tun, um mich gegen die Zwischenrufer in der “ Town Bloody Hall“ zu verteidigen.

ZUSCHAUER
(Lacher) (Applaus)

MR. MAILER:
Also, ich finde es gemein, wenn Sie sagen, ich wäre einer der Jungen, das ist alles.

PODIUM:
(Lacher)

MR. MAILER:
Das ist gemein, weil doch jeder weiß, dass ich zutiefst wie ein kleiner Junge bin.

PODIUM:
(Lacher)

MR. MAILER:
Sie hätten doch: „1 Mann“ sagen und dabei die Augenbraue hochziehen können und danach: „2 kleine Jungs“ und hätten Ihr Ziel so ein bisschen geschmackvoller erreicht, Kindchen…

Sie hätten nicht extra aus Australien anreisen müssen, um den Mist zu sagen, den wir in Brooklyn sagen, das ist alles.

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

STIMME:
Elizabeth Hardwick

MS. HARDWICK:
Ich halte das nicht für fair…

Norman, ich finde das unfair, was Sie gerade über…

(TUMULT)

MR. MAILER:
Elizabeth Hardwick spricht gerade!

MS. HARDWICK:
Also, ich habe nicht viel zu sagen, aber in Ihrem Artikel in Harper`s Magazine lassen Sie sich sehr darüber aus, dass Sie ein Mann seien, der nur sehr wenig darüber gewusst hätte, was es bedeute, eine Frau zu sein und mit all Ihren Kindern und einem Neugeborenen wegzufahren, - wo Ihre andere Ehefrau nicht da war ( weg war)…

Also glaube ich nicht, dass Sie wirklich ehrlich sind, wenn Sie sagen, sie komme hier mit ihrem australischen Mist an. Das stimmt nicht, denn das war ein großer Teil Ihrer… Erfahrung, wenn ich das so nennen darf?

MR. MAILER:
Dürfen Sie, ja, dürfen Sie.

MS. HARDWICK:
Aber Sie haben es doch so genannt!
Mich haben Ihre Erfahrungen beim Geschirrspülen sehr interessiert.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. HARDWICK:
Also bin ich ziemlich unglücklich darüber, dass Sie diese Erfahrung irgendwie so herunterspielen.

MR. MAILER:
Nein, nein, wie üblich verstehen Sie gar nicht, wovon ich rede, Elisabeth.

ZUSCHAUER
(Lacher)

MS. HARDWICK:
Vielleicht haben Sie mich nicht verstanden…

MR. MAILER
Ich habe mich dagegen gewehrt, dass Germaine es als 4 Mädchen und 3 Jungs charakterisiert, weil….
- ob ich nun noch ein kleiner Junge bin oder nicht - ich habe versucht, während dieser 6 Wochen als Hausfrau zu fungieren. Das habe ich sehr detailliert beschrieben. Jeder, der diesen Abschnitt gelesen hat - einschließlich Greer - weiß verdammt gut, dass es darum ging.
Ich habe versucht, als Hausfrau zu fungieren, und wir betrachten den Reiz, die Komik, den Schmerz und dieses besondere kleine Bisschen an Erkenntnissen, die ich daraus gewonnen habe.
Ich habe das Erlebnis nicht übertrieben, wie Sie genau wissen. Also dachte ich, 4 Mädchen und 3 Jungs zu sagen wäre clever, verstehen Sie?

MS. GREER:
(Anfang unverständlich: … wenn Sie darauf bestehen…)
Sie hatten doch 3 Töchter, die sich um die 2 kleinen Jungs kümmerten, richtig? Und Sie…

MR. MAILER:
4 Töchter.

MS. GREER:
Sie haben auch mal gesagt, wenn ich zitieren darf, Ihre Geliebte wäre in der Küche gewesen.

MAILER:
Hm, hm.

MS. GREER:
Da fragt man sich doch, welche Hausarbeit gab es da denn noch zu tun?!
Wozu haben Sie 6 Wochen lang gebraucht?

ZUSCHAUER
(Reaktion)

MR. MAILER:
Wenn Sie das etwas genauer gelesen hätten, hätten Sie erkannt, dass ich am Anfang die ganze Hausarbeit gemacht habe und nach ca. 2 Wochen dieses gewagten Unterfangens habe ich tatsächlich meine Geliebte dorthin eingeladen und…

ZUSCHAUER
(Lacher) (Applaus)
---
FRAUENSTIMME:
Noch eine letzte Frage, Norman?
Okay. Anatole Broyard wird die letzte Frage stellen.

MR. BROYARD:
Ich würde Germaine Greer gern bitten - da sie für diese Frage ja besonders geeignet scheint – vielleicht in Form eines Einakters - zu beschreiben, wie es wäre, eine Frau zu sein und die Aufnahme und den Vollzug eines sexuellen Kontaktes zu erleben…
damit wir uns jetzt den ((interessanten)) Fragen des Abends zuwenden können…
Wie würde das nach der Befreiung der Frau im Idealfall aussehen?

MS. GREER:
Warum stellen Sie diese Frage?

MR. BROYARD:
Weil ich sie nirgendwo in der Literatur finde.

MS. GREER:
Warum erwarten Sie, diese Frage irgendwo in der Literatur ((behandelt)) zu finden?
Norman beschreibt diesen Zustand so, wie er ist, nämlich woran er dabei ist.
Sie bitten mich einen Zustand zu beschreiben, der nicht existiert. Das ist eine völlig unzumutbare Forderung. Was lässt Sie denn annehmen, die Befreiung der Frau sei schon geschehen?!


MR. BROYARD:
Ich habe versucht, nicht polemisch zu fragen. Ich würde gern…

MS. GREER:
Quatsch. - Haben Sie aber!

MR. BROYARD:
Na schön, vielleicht ist mir das nicht gelungen.
Ich weiß wirklich nicht, was Frauen eigentlich wollen!

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MR. BROYARD:
Also, mal angenommen, ich wollte es ihnen geben…

MS. GREER:
Hören Sie, da können Sie ganz ruhig bleiben -
denn was sie auch wollen, mein Lieber, es geht Sie nichts an.

MS TRILLING:
(Lacher)

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. BROUGHTON:
Norman, wollen Sie das Schlusswort sagen?

MR. MAILER:
Okay. - Hören Sie… Danke Ihnen allen für einen unglaublichen Abend.

ZUSCHAUER
(Applaus)

MR. MAILER:
Ich möchte auch den 4 Frauen danken, die 9 Zehntel der Diskussion bestritten haben.

ZUSCHAUER
(Applaus)

MS. CEBALLOS: (leise)
Sie waren großartig. Wirklich. Mit Ihnen auf diesem Podium zu sein war die Sache wert.


INSERT: 30. April 1971
New York


ENDE


Filmübersetzung © Christina Böttcher


Vorspann

INSERT : TOWN BLOODY HALL

(unverständlich, Gemurmel, ad lib)

1. MANN
Ich muss die Eintrittskarten sehen. Okay
Bitte die Tickets bereithalten!
Danke.

((evtl. 2. MANN:))
Ich hab ein Ticket…

1. MANN:
Zweiter Aufgang. Da drüben.
Danke.
Zweiter Aufgang! Da drüben.


INSERT:
THEATER FOR IDEAS
präsentiert ((einen))
„Dialog zur Befreiung der Frauen (Women`s Liberation)“


JUNGE FRAU:
Women`s Lib verrät die Armen!
Norman Mailer verrät die Armen!
Germaine Greer verrät die Armen!
Diana Trilling verrät die Armen!
Jacqueline Ceballos verrät die Armen!
Die N.O.W ((National Organisation for Women)) verrät die Armen!

MANN:
Wieso?

Frau:
Wieso denn?

JUNGE FRAU:
Ihr von der Frauenbewegung … Was ist das für ein ((Ticket)) Preis?!

MANN:
Ich muss die Tickets sehen! Die Tickets, bitte!

FRAU:
(Lacher)
-------------
MS. BROUGHTON:
Ich begrüße Sie herzlich im „Theater for Ideas” (Ideen-Forum) und möchte Ihnen dafür danken, dass Sie uns wieder einmal vor dem – (äh) - finanziellen Zusammenbruch gerettet haben.
Ich möchte gleichzeitig ansagen, dass wir ((der Frauenbewegung)) „Women`s Liberation“ etwas spenden werden, da sie … ähnliche Probleme haben.

(Applaus)

MS. BROUGHTON:
Thema des heutigen Diskussionsabends ist ein Dialog zur Befreiung der Frau ((Frauenbewegung Women`s Lib)) zwischen - Jacqueline Ceballos, Germaine Greer, Jill Johnston, Diana Trilling und Mr. Mailer.
Mr. Mailer!

STIMMEN:
(Reaktion) Buh!

MR. MAILER:
Das Format heute Abend wird ganz besonders einfach sein.
Jede dieser Damen wird ca. 10 Minuten lang reden. Danach kann ich vielleicht… – wenn ich genau zugehört habe – eine anständige Frage stellen, die sie möglicherweise sofort beantworten werden - oder auch nicht.
Und dann werde ich ihnen vielleicht noch eine Frage stellen, um die es dann vielleicht später noch geht.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt stand auf dem Werbeplakat für den heutigen Abend:
Norman Mailer gegen… und darauf folgten die Namen der ((anwesenden)) Damen.
Ich darf sagen, das wurde beinahe „über meiner Leiche“ so gemacht.

Ich bin vielleicht eitel, aber ich bin nicht so eitel, mir einzubilden, ein Mann könne es mit vier Frauen ((gleichzeitig)) aufnehmen.

Und noch dazu habe ich den ((dumpfen)) Verdacht, dass ich mich wahrscheinlich im Zentrum dieser Debatte befinden werde.
Zu den betrüblichen Tatsachen, die beim Eingang von Harper´s Magazine ((im Bewusstsein der Öffentlichkeit )) verloren gegangen sind, gehört auch die Bewerbung von „Prisoner of Sex“ mit der Aussage, dieser Artikel werde ((die Frauen der)) „Women`s Lib“ dazu bringen, vor den Zeitungskiosken Posten zu beziehen.
Also, das war ein Desaster, und genau einer der Gründe, warum das Magazin kein Erfolg wurde, komisch: kein Erfolg in dem Sinne, dass es ihnen nicht gelang, Willy Morris und seine Mitarbeiter in Schach zu halten.
Und zwar, weil die Werbeleute eine ganz andere Vorstellung davon hatten, wie man Sachen anfasst – und das Ganze hatte etwas sehr Barbarisches und Krudes an sich…
Ich meine, jeder, der ihn ((den Artikel)) gelesen hat, weiß, dass ich an einem Versuch, … ähm, ähm, ähm… Women`s Lib die Schwanzfedern `rauszureißen, weder ein Interesse hatte noch habe.

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

N. MAILER:
Ich war damals zu dem Schluss gekommen, dass …dies wahrscheinlich der wichtigste ((und)) einzigartigste intellektuelle Event der letzten Jahre sein würde…

ZUSCHAUER:
(Reaktion, Lacher)

N. MAILER:
... mindestens, mindestens ((das))… - und dass man sich darauf einlassen müsse.
Ich glaube, der heutige Abend kann außergewöhnlich werden, ((etwa:)) ( denn ) zwei enorme, intellektuelle Strömungen, die es seit vielen Jahren in New York gibt, erreichen endlich ihre jeweiligen Überschwemmungsgebiete - von denen das eine dieser ganz besondere revolutionäre Geist ist, der das Wesen von Mann und Frau in der Gesellschaft immer weiter zu ergründen sucht, und das andere ist natürlich – dieser „gesegnete“ Geist des Nihilismus ist, der noch alles zerstören wird, alles, einschließlich ((das Recht auf)) freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit.
Ich habe den ((dumpfen)) Verdacht, dass wir von beidem noch etwas erleben werden, ehe der Abend vorbei ist.
Aus Gründen der Zeitersparnis möchte ich Ihnen jede dieser großartigen Damen ganz einfach vorstellen…
- Weil ich eine von ihnen sehr gut kenne und eine fast gar nicht - und alles Dazwischenliegende…
Als erstes möchte ich Ihnen also Ms. Jacqueline Ceballos vorstellen, Vorsitzende der New Yorker Gruppe von NOW, der Nationalen Frauenorganisation.
Ms. Ceballos.

(Applaus)

MS. CEBALLOS:
Als Shirley mich das erste Mal zu dieser Podiumsdiskussion bat, habe ich – dass muss ich Ihnen offen sagen - abgelehnt.
Sie bat mich, noch mal darüber zu schlafen, und dann dachte ich, es wäre feige von mir, nicht herzukommen, denn … äh, erstens soll NOW doch innerhalb des Systems für Veränderungen kämpfen - und Norman Mailer repräsentiert wirklich das Establishment. –

ZUSCHAUER:
(Reaktion, Lacher)

MS. CEBALLOS:
Zwar einen irgendwie liberalen Teil des Establishments natürlich, aber er repräsentiert doch das Establishment.
Ich habe kein Interesse an einem Streit mit Norman Mailer.
Ich glaube wirklich, dass er in seinem Artikel in Harper`s Magazine ehrlich versucht hat, ((es, uns)) zu verstehen, und vermutlich kann man von den meisten Männern nicht mehr erwarten.. (Ich vermute mal, das ist alles, was wir von der Mehrzahl der Männer erwarten können).

ZUSCHAUER:
(Reaktion, Lacher)
-----

((ÜBS: Der folgende Teil fehlt im Film:
MS. CEBALLOS:
Wir haben zu viel zu tun, als uns mit Männern herumzustreiten, die nicht unserer Meinung sind. Und die meisten von uns glauben, dass sie sich uns früher oder später doch anschließen werden, denn sie werden gar keine andere Wahl haben.))
-----
MS. CEBALLOS:
Ich repräsentiere die große Gruppe von Frauen aus der Mittelschicht, die ein ganz gemütliches und bequemes Leben führen könnten. - Das habe ich ((sogar)) getan.
Aber dann habe ich mich dagegen entschieden; ich beschloss, meine Zeit dem Kampf für die Gleichheit der Frau zu widmen.
Ich möchte Ihnen jetzt erklären, was wir in der Nationalen Frauenorganisation so machen.
Sie wird zwar als ordentliche Organisation innerhalb der Frauenbewegung Women`s Lib gesehen. Aber wir sind nicht so ordentlich, als dass wir nicht immer noch viele Männer und Frauen verschreckten, weil sie vor der Bewegung zur Befreiung der Frau insgesamt Angst haben.
Einen Streit darüber, ob die Frau biologisch ((gesehen besonders)) dafür eignen, zu Hause zu bleiben, Geschirr zu spülen und sich ein Leben lang um Mann und Kinder zu kümmern… halte ich nicht für wichtig.
Wichtig ist, dass die Welt sich ändert – und den Frauen endlich bewusst wird, dass sie das Recht und die Pflicht haben, die Weltbühne zu betreten, sie zu verändern und darauf hin zu wirken, in dieser Gesellschaft maßgebend zu werden, von der sie jetzt noch beherrscht werden.

ZUSCHAUER
(Reaktion)

STIMME (GREGORY(?): (leise)
Für alle Menschen! Nicht nur für die eine Hälfte der Menschheit. Für die ganze Menschheit!

MS. CEBALLOS:
Ja.

STIMME (GREGORY(?):
Für alle! Nicht nur für die eine Hälfte der Menschheit. Für die ganze Menschheit!

MS. CEBALLOS:
Na schön! Für die ganze Menschheit!

(GREGORY geht)

MS. CEBALLOS:
Du liebe Zeit! Es fängt schon an, aufregend zu werden…!

STIMME (GREGORY(?):
Nicht nur für die eine Hälfte der Menschheit. Für die ganze Menschheit!

MS. CEBALLOS:
Sie haben absolut Recht, aber lassen Sie mich (bitte aus-) reden!

FRAUENSTIMME
(leise: … ist keiner, den ich kenne)

MR. MAILER:
Gregory, Sie kommen ((schon noch)) in der Fragestunde dran!

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

FRAUENSTIMME:
Oh… – kommen Sie zurück!

MS. CEBALLOS:
Ich glaube zwar, dass wir für die ganze Menschheit kämpfen, aber ich möchte folgendes sagen – einer der Gründe, warum wir es zeitlich nicht in einen Kampf für die Friedensbewegung, die Umwelt oder für die Bürgerrechtsbewegung aufteilen ist der, dass unserer Meinung nach alles in der Befreiung der Frauen seinen Ursprung hat.

(Applaus)

Wir kämpfen an allen Fronten. Zuvorderst – in der Welt der Arbeit.
Trotz der Tatsache, dass 40 % der Frauen in den USA arbeiten (gehen) – wissen wir es alle - und ich weiß schon, dass Sie hier ein sehr kundiges Publikum sind – Frauen sind überarbeitet und unterbezahlt und nirgendwo besteht die Chance, dass es vorangeht!
Wir von NOW bringen den Frauen bei, wie man Diskriminierung in der eigenen Firma bekämpft, wie man diese Firmen verklagt!

MÄNNERSTIMME: (GREGORY?)
Da draußen ist eine Frau, die es sich den Eintritt nicht leisten kann, sie bekommt Stütze, und man wirft sie gerade `raus.


FRAUENSTIMME:
Oh Schiet…!

MR. MAILER:
Hören Sie ((schon)) damit auf!

MÄNNERSTIMME:
Das ist wahr! (Es stimmt aber!)

MR. MAILER:
Es ist immer so lange wahr, bis es nicht mehr wahr ist. ((oder noch polemischer: Was wahr war, war wahr…))

MÄNNERSTIMME:
Wenn Sie mir nicht glauben, gehen Sie doch raus und sehen Sie selbst nach!

FRAUENSTIMME:
Warum geben Sie ihr nicht die 10 Dollar?!

MÄNNERSTIMME (GREGORY?):
Warum sehen Sie nicht nach?!

2. FRAUENSTIMME:
Geben Sie ihr doch Ihren Platz!

(Applaus)

MS. CEBALLOS:
In der Kampfzone von Ehe und Ehescheidung wirft man uns vor – und viele, besonders Frauen, sind da sehr beunruhigt – wir wären gegen die Ehe als Institution. –

((Nein.)) Wir sind gegen die Struktur der Ehe, und obwohl sich diese Struktur gerade trotz allem langsam zu verändern beginnt, beabsichtigen wir, der Veränderung die Richtung zu geben, die wir für richtig halten.

Wenn Frauen in einer Gesellschaft heiraten sollen, die sie zu einer Eheschließung drängt, dann sollte man sie für die in der Ehe geleistete Arbeit bezahlen!

Wir glauben, dass jeder Mensch, der heiratet, ein Heftchen mitbekommen sollte, in dem all seine Verpflichtungen in der Ehe aufgelistet sind.

Wir meinen, dass jedes Ehepaar eine Eheversicherung haben sollte, für den Fall eines Scheiterns der Ehe, damit die Frau nicht gezwungen ist, demütig um Unterhalt zu betteln als wäre es ein Almosen.

Wir treten dafür ein, dass die Frau - oder der jeweils unterhaltsberechtigte Partner - Anspruch auf Sozialversicherungsleistungen hat, unabhängig vom Einkommen des Ehepartners.

Frauen sollten Renten erhalten!
Und manche (von uns) gehen sogar so weit zu fordern, man sollte Frauen ein Gehalt zahlen; und sie sollten bezahlten Urlaub bekommen.

Was das ((transportierte)) Frauenbild angeht, so greifen wir die Werbeindustrie scharf an. –
Sie wissen doch, im Fernsehen wie in allen Medien wird eine Frau als dumm und senil dargestellt.

Sie kriegt einen Orgasmus, wenn sie den Fußboden zum Glänzen bringt!

Vor der Ehe ermutigt man sie dazu, sich zu desodorieren, (nach Deo zu duften) und so hübsch wie möglich zu sein, wie eine Plastikpuppe, – um einen Mann zu kriegen, denn ein Mann wird ihr Leben sein.

Hat sie ihn erst einmal, ist die gesamte Werbung auf Hausputz und Kinderaufzucht ausgerichtet.

Wenn sie dafür ein bisschen zu alt geworden ist, ist sie die verbitterte Xanthippe – sie ist die Schwiegermutter, die kommen und den Kaffee genießen wird, und sie ist die Ärmste, die ihren Ehemann verlieren wird, weil sie ihr gutes Aussehen verliert und jetzt alles Erdenkliche daran setzen muss, um ihn zurückzugewinnen.

MR. MAILER:
(unverständlich)

Ms. Ceballos:
Er sagt, meine 10 Minuten wären herum.
– Na schön, danke.

(Applaus)

MR. MAILER:
Danke, Ms. Ceballos. Ich werde Ihnen jetzt die Frage stellen, die Sie nicht jetzt beantworten werden – Sie können eine Weile über sie nachdenken und nachher beantworten. –

In jedem Teil Ihrer…sehr konzertierten und leidenschaftlichen Rede…gab es nicht nur starke, politische Punkte…
Lassen Sie mich doch ausreden…

ZUSCHAUER:
(Zwischenrufe, unverständlich)

MR. MAILER:
Wissen Sie, in Wahrheit wird die Zukunft so aussehen: am Ende reden nur noch Arschlöcher mit Arschlöchern.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Zwar trifft bestimmt alles, was Sie ((uns)) vorgestellt haben, Ms. Ceballos, genau zu und wäre sogar politisch machbar, aber ich würde Sie doch gern fragen, ob es in Ihrem Programm irgendetwas gibt, das uns Männern eine Idee davon vermitteln würde, wie das Leben nicht so totlangweilig bleiben könnte, wie es heutzutage ist. –
Und irgendwann während der nächsten 40 Minuten werden wir dieses Thema anschneiden und darüber reden.

MS. TRILLING (?)
Langweilig?

MR. MAILER:
Langweilig!

MS. TRILLING (?)
(unverständlich:…. Plastik…)
---
MR. MAILER:
Es hat geheißen, es hätte eine höchst ungewöhnliche Rangelei um die Rednerfolge gegeben. Wie sich zeigt, werden die Damen in alphabetischer Reihenfolge reden.

Die nächste Rednerin, die vermutlich eine Menge dazu beigetragen hat, dieses Haus zu füllen, ist die berühmte, hervorragende, junge Autorin (Autor-Lady), Ms. Germaine Greer aus England.

(Applaus)


MS. GREER:
Ich fürchte, ich werde möglicherweise ganz anders reden als Sie erwartet haben.
In diesem Land repräsentiere ich keine Organisation, und ich glaube, die wohl aussagekräftigste (Re)präsentation, die ich hier machen kann, ist eine meiner selbst als Schriftstellerin – wohl oder übel.

Ich bin auch eine Feministin, und für mich liegt die Bedeutung dieses Augenblicks darin, dass ich mich einer der mächtigsten Figuren meiner eigenen Vorstellungskraft stellen muss – dem wohl privilegiertesten Wesen einer männlich-elitären Gesellschaft, nämlich dem maskulinen Künstler, dem Gipfel der maskulinen Elite.

ZUSCHAUER:
(Lacher)


MS GREER:
So wie ich großgezogen, … so wie ich aufgezogen, erzogen und gebildet wurde, wurde fast mein ganzes Leben stark von der Kultur beeinflusst, für die er steht, so dass ich mich in einem grundsätzlichen Konflikt zwischen mir eingeimpften kulturellen Werten und meiner eigenen tief verwurzelten Vorstellung von Ungerechtigkeit befinde.
Viele Berufs-Literaten fragen mich in triumphierendem Ton – wie Sie vielleicht bemerkt haben – „Was ist denn aus Mozarts Schwester geworden?!“

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS GREER:
Wie auch immer sie mir die Frage stellen mögen, ihnen kann sie nicht so viel Pein verursachen wie mir – denn ich kenne die Antwort darauf nicht, und ich muss sie finden.
Und jeder von mir dahingehend gemachte Versuch führt mich zu der Annahme, dass derjenige, den wir in unserer Gesellschaft vielleicht als Kreativen sehen, eher…
eher ein Kunst-Mörder denn ein Kunst-Schaffender ist,
der seinem Ego vor die weniger Talentierten zu setzen trachtet,
der aller Augen auf seine Leistungen zu fokussieren sucht - und
der von Millionen gelesen und mit Millionen bezahlt wird.

In unserer Gesellschaft muss man sich die Frage stellen: Kann irgendein Gemälde das gesamte Jahreseinkommen von 1 000 Familien wert sein?

(Applaus)

Und wenn wir das bejahen müssen, und die Auktionsberichte dasselbe sagen, dann, so glaube ich, sind wir gezwungen, der Möglichkeit ins Auge zu sehen, dass diese Kunst, von der wir uns nähren, uns gleichzeitig das Herz bricht und die Vitalität nimmt.

(Applaus)
Aber Problem sitzt tiefer. Und wie Sie sehen, bin ich in dieser Situation sehr aufgewühlt, und zwar des Konzeptes wegen, das ich von des Künstlers Bedeutung habe, und wegen meines eigenen instinktiven Respektes vor ihm.

Ist es möglich, dass verstreut auf dem Weg des maskulinen Künstlers in unserer Gesellschaft die leeren Hüllen der von seinem Ego Erschöpften und unproduktiv Gewordenen liegen?

Ist es möglich, dass all die, die weggefallen sind – all diese „Mitbewerber-Egos“ - nicht hinreichend maskulin waren, um den Kurs halten zu können?

Um darüber mehr zu erfahren, habe ich mich Freud zugewandt, wobei ich Freuds Beschreibung des Künstlers als eine Ad hoc - Beschreibung der Psyche des Künstlers in unserer Gesellschaft behandelt habe und nicht als metaphysische oder geistige Erklärung dessen, was Kunst bedeuten könnte. Und was Freud sagte hat natürlich viele Künstler irritiert, die das Pech hatten, folgendes zu sehen.
„Ehre, Macht, Reichtümer, Ruhm und Liebe der Frauen möchte er zwar erwerben, aber ihm fehlen die Mittel dazu, in ihren Genuss zu kommen.“

Für das exzentrische, kleine Mädchen, das glaubte, Dichten könne sich am Ende doch lohnen, war die Begegnung mit diesen Worten ein harter Schlag.
Die Unverblümtheit, mit der Freud einfach davon ausging, ein Künstler wäre ein Mann, warf mich auf mich selbst und die Überlegung zurück, ob diese These umkehrbar sei.
Könnte der Antrieb einer Künstlerin der Wunsch nach Reichtümern, Ruhm und Liebe der Männer sein?
Und nur zu bald schon wurde deutlich, dass die eigenen Leistungen der Künstlerin sie für die Liebe der Männer unbrauchbar macht.
Dass bisher noch keine Frau ihrer Dichtkunst wegen geliebt wurde…

(Applaus)

– und wir lieben Männer immer wegen ihrer Leistungen.

Was kann das sein? Kann das eine natürliche Ordnung sein, die so viel Energie verschwendet und das Herz eines kleinen Mädchens bricht?
Darauf hatte ich keine Antworten, außer, dass ich wusste, dass die Beweisführung sich nicht umkehren ließ.

Also wandte ich mich - später - der Funktion der Frauen vis-a-vis der Kunst, so wie wir sie kennen, zu und stellte eine Zweiteilung fest.
Entweder waren wir niedrige, schlampige Kreaturen in Knechts Gestalt oder Göttinnen - schlimmstenfalls sollten wir beides sein, d.h., uns brach zwar das Herz, aber zumindest blieb die Schürze sauber!

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. GREER:
Sylvia Plaths fielen die besten Gedichte manchmal beim Brotbacken ein – sie war eine solche Perfektionistin!

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. GREER:
Und am Ende eine solche Närrin!

Das Problem ist natürlich, dass diese Rolle der Göttin, diese Rolle von der Großartigkeit und Herrlichkeit des Weiblichen im Universum in der Phantasie des männlichen Künstlers existiert.
Aber keine Frau kann in ihrem Herzen je daraus Trost schöpfen.
Aber die Rolle der Geknechteten ist leider real.
Und das weiß eine Frau, weil sie es jeden Tag zu schmecken bekommt.
Dieser kurzer, barbarische Beller, ausgestoßen in totaler Bewunderung für die Macht und die Herrlichkeit und Großartigkeit des Weiblichen im Universum, wird jedes Mal auf Kosten der einzelnen, lebendigen Frau ausgestoßen.

(Applaus)

Und weil wir weder das eine noch das andere sein können, ohne unseren Seelenfrieden zu verlieren, weil wir leider als Göttinnen ungeeignet und widerwillig Geknechtete sind, wogt zwischen uns eine Schlacht.
Und in der Beschreibung dieser Schlacht finde ich vielleicht schließlich eine Rechtfertigung für meine Idee, dass das vom männlichen, künstlerischen Ego Erreichte auf meine Kosten geht, denn ich stelle fest, dass ihm die Schlacht weit lieber ist als es der Frieden je sein könnte.
Er brüstet sich damit: diese ewige Schlacht mit den Frauen schärfe unsere Widerstand, entwickle unsere Stärke und erweitere so den Rahmen unserer kulturellen Leistungen.

Also, ist dieser Rahmen das denn wert? Wieder dieselbe Frage - genau so, als ob wir vom Einkommen von 1 000 Familien für ein ganzes Jahr sprächen.
Sehen Sie, ich habe einen starken Verdacht: wenn diese Revolution stattfindet, wird man Kunst nicht mehr an ihrer Seltenheit, den Kosten oder der Unzugänglichkeit erkennen, auch nicht durch die außergewöhnliche Art, in der sie vermarktet wird… –
Kunst wird unser aller Vorrecht sein, und wir werden es machen wie jene Künstler, die Freud überhaupt nicht verstanden hat – die Künstler, die die Kathedrale von Chartres oder die byzantinischen Mosaike schufen, die Künstler ohne Ego und ohne Namen.

(Applaus)

MR. MAILER:
Die dargestellte Haltung ist exquisit.
Aber die von Ihnen angebotenen Mittel und die, die Women`s Lib anbietet, um von hier zu dem Punkt zu kommen, wo wir alle Künstler sind, gehören zu einer Art sozialen Instrumentalisierung, die ich „Windel-Marxismus“ nenne.


ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Die Frage, ich Ihnen jetzt z.B. vorlege, über die Sie bitte jetzt nachdenken und wir später noch besprechen werden, lautet: Ist an der menschlichen Vorstellung, eine Frau möge zu unterschiedlichen Stunden ihres Lebens beides sein - eine Göttin und eine Schlampe - etwas unbedingt debil Machendes?
Die einzelnen Elemente der Bewegung zur Befreiung der Frau, sowohl das liberale Element, wie es von NOW personifiziert wird, als auch das radikale Element, wie es von elektronischen Kräften personifiziert wird… bloß ohne…

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
…beide unterstützen doch einen unilinearen Begriff der menschlichen Natur, der absolut nichts Dialektisches an sich hat.
Mit anderen Worten, bei allem, was ich in der Frauenbewegung Women`s Lib gehört habe, scheint es überhaupt keine implizite Vorstellung davon zu geben, dass man vielleicht gerade durch das Führen einer Doppelexistenz und das Erleben gewisser Extreme langsam eine höhere Zustandsebene erreicht kann.
Und ich weiß, dass Sie liebend gern sofort darauf antworten würden, aber Sie müssen es noch eine Weile für sich behalten und darüber nachdenken.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Die nächste Rednerin… ist die Meisterin der freien assoziativen Prosa in der „Village Voice“, ..

ZUSCHAUER:
(Lacher )

MR. MAILER:
Ms. Jill Johnston.

(leise) Meisterin der freien assoziativen …

(Applaus)

MS. JOHNSTON:
Ich glaube, Germaine ist in Australien geboren und ich in England.
Bist du in Australien geboren?

MS. GREER:
Ja.

MS. JOHNSTON:
Ich bin in England geboren.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Ha.,,, - Ich kann es nicht ändern – das war eben das erste, was mir eingefallen ist.

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MS. JOHNSTON:
Hm.
Der Titel dieser Episode lautet „Ein neuer Ansatz“.
Alle Frauen sind Lesben, außer denen, die es nicht von Hause aus wissen, sie sind es – wissen es bloß noch nicht.
Ich bin eine Frau und deswegen eine Lesbe.
Ich bin eine Frau, die lesbisch ist, weil ich eine Frau bin (und), eine Frau, die sich selbst liebt, auf natürliche Weise (von Natur aus),
Die auch andere Frauen ist,
ist eine Lesbe,
eine Frau,
die Frauen liebt,
sich selbst liebt
auf natürliche Weise ist das der Fall.

Eine Frau selbst ist ganz Frau,
ist von Natur aus lesbisch,
also haben wir nichts dagegen, diese Bezeichnung so wie jede andere zu benutzen – sie ist ziemlich bedeutungslos, sie bedeutet: von Natur aus bin ich eine Frau, und was ich auch bin, das sind wir.
Wir bejahen, was wir sind, genauso, wie alle Männer natürlich Homosexuelle sind.

Mehr Gefühl für ihr „Homo“ zu haben und zu sein,
ihr „Homosein“, (Menschsein)
ihr „Ecce homo“-sein,
ihr „Ecce Fürst“ – „ – Herr-“ und „- Meistersein).
Die 350 Jahre von Abrahams ….. ein Inter-Sample
Abraham lebte 350 Jahre, weil die Zeitalter der Bibel nur eine Abfolge von Großvätern, Väter und Söhnen sind, die sich intensiv mit ihren Ahnen identifizieren.
Deren Söhne identifizierten sich auf so natürliche Weise mit dem Vater, dass er glaubte, er wäre der Vater, und natürlich war er das, genauso wie Abraham, Isaac und Jakob und Jesaja und Reuben und Simon und Levy und Judah und Joseph.
Jeder von ihnen lebte 350 Jahre.
Aber wer sind die Töchter von Rachel und Ruth und Sarah und Rebecca und dem Rest?
Die Töchter kennen wir nicht – sie hatte nie irgendwelche Töchter.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Sie hatten nur Söhne, die immer noch mehr Söhne zeugten!

ZUSCHAUER:
(Lacher) (Applaus)

MS. JOHNSTON:
Also, aus diesem Buch bekamen wir nur sehr wenig Gefühl vermittelt…

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
.. für Abstammung, Familienbande, Vermächtnisse und den Identitäten der Mütter und Töchter und deren Töchter und deren Mütter und Mütter und Töchtern und Schwestern, die von Natur aus nicht lesbisch waren, sie hatten nichts voneinander, außer Söhnen.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Jetzt müssen wir also sagen: wahrlich, wahrlich ich sage euch:
Eine Frau kann das Königreich der Göttin nicht sehen, es sei denn, sie wird wiedergeboren. Eine Frau muss wiedergeboren werden, um sie selbst zu sein, ihre eigene Eminenz und Gnaden, die Königin, das Selbst der Königin, deren Mutter ihr unzählige leidenschaftliche Küsse auf den Mund gedrückt hat.
((Wort unverst.))
In jeder vollkommenen Liebesbeziehung muss auch ein Gesetz erfüllt werden – die Liebende soll der Geliebten ähneln und gleich sein, und je größer diese Ähnlichkeit, desto heller die Flammen der Leidenschaft.


Ah! Lover und vollkommen Gleiche!!
Ich meinte damit, du solltest mich als solche durch meine schwache Interaktion entdecken
Und ich, wenn ich dich brauche, hab vor, dich durch die Ähnlichkeit in dir zu entdecken.

Ich will sie, die in mir der Wildfang ist,
Ich will sie, die in mir sehr weiblich ist,
Ich will sie, die etwas Britisches an mir hat,
Ich will sie, die etwas hässlich Amerikanisches an mir hat,
Ich will sie, die Fotze und Eier und Brüste an mir ist und das lange, glatten, braune Haar und die Cliquen-Jugendliche aus dem Internat im Navy-blauen Blazer
narcissism qui consist a choisir soi-meme comme objet d¹erotique² -
verzeihen Sie mein Französisch –

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
… und ich möchte, dass die Männer meine Bücherkisten tragen, mich täglich Huckepack tragen und überall für mich zahlen und mich als „befreite Lesbe“ bewundern.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Das Unvermeidbare soll uns nicht kümmern.
Das ist der Körper, den Jill aufgebaut hat.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Ecce Leda, die Lesbe, ecce Greta, die Schwule/Fröhliche,
die schwule Gertrude, diese schwule Fröhlichkeit, schwul zu sein, zu sein…
Um gleichberechtigt zu werden/sein, müssen wir das werden, was wir wirklich sind, und Frauen!
Wir werden erst gleichberechtigte Frauen sein, wenn wir andere Frauen lieben…
Besonders aus dem Weißen Haus.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Der Präsident der Vereinigten Staaten hat gestern Abend die Berufung einer Lesbe in sein Kabinett bekannt gegeben.

ZUSCHAUER:
(Lacher, Applaus)

MS. JOHNSTON:
Es ist schön, wenn man sie hereinbitten kann, im allgemeinem kommen sie herein ohne Anzuklopfen.
(Lacher)

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Klopf, klopf…
Liberal, smibberal –
„Vielleicht sollten wir sie, äh, eine von denen `mal zum Essen einladen.“

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
„Eine von welchen, Liebes?“
„Ah, sie ist schon ein bisschen seltsam, nicht?
Ich meine, du weißt doch, was wir denken würden, wenn ein Schwarzer an unserer Tochter interessiert wäre.
AHHH! - (Lacher)
Oh Gott… Sie könnte sich an meine Frau heranmachen…!!“

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Was sagt man zu der nackten Dame?
Bitte, Entschuldigung, danke.
Jetzt gehen wir Women`s Lib langsam auf den Grund .
(ad lib:) Leckend reizen wir Women`s Lib da unten!

Ich bin außer mir…
Ich bin außer mir vor Liebe für dich, und du bist neben mir, meine Liebste,
das ist der Anbeginn des Universums,
wenn alle Sterne in diesem Moment verglühen,
das ist jetzt das Ende des Universums,
weit sind wir gegangen, um die milchweiße Haut schöner Mädchen zu sehen –
Oh, warum hat die Mutter ihr nicht die Zähne richten lassen, als sie klein war?!
Oh, sie erlebt viele wundersame Abenteuer!
Oh, kurz gesagt, sie ist in diesen anormalen, als freudige Erregung bekannten Zustand geraten.
Oh, noch liebte sie nicht, und sie liebte doch so gern,
sie suchte, was sie lieben könnte und zwar liebend lieben könnte.
Oh, was kann sie jetzt sagen, das nicht die Geschichte so vieler anderer ist?
Oh, enttäusche/verlass mich nicht, sagt sie,
du bist meine letzte Chance, wahrlich unsere letzte Chance, den Westen zu retten.
Und wer wünscht sich schon den Mond, wenn wir auf der Venus landen können!

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MS. JOHNSTON:
Daher ist auch die heterosexuelle Institution vorbei, geistig vorbei, und was jetzt gerade Neues beginnt ist der Rückzug der Frauen, mit der Absicht, sich gegenseitig ein Gefühl für ihr eigenes Selbst zu geben, ein neues Gefühl ihres Selbstes.
Solange es Frauen für unmöglich halten, mit einer anderen Frau eine Bindung einzugehen, was sexuelle Liebe einschließt, werden sie sich selbst die Liebe und Wertschätzung versagen, die sie den Männern so bereitwillig gewähren, und damit ihren zweitklassigen Status bestätigen.
Erst wenn alle Frauen Lesben sind, wird es eine echte, politische Revolution geben!

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
Vermutlich sollte ich mich jetzt auf mein Schwert stützen und meine Niederlage beschreiben.
– (ad lib:) Manche Frauen wollen eben beides.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. JOHNSTON:
„Lesbisch“ ist ein Label, das von irgendwem erfunden wurde, um es jeder Frau anzuhängen, die es wagt, einem Manne ebenbürtig zu sein.
Lesbisch ist eine gute Bezeichnung, es bedeutet natürlich nichts oder alles, also haben wir nichts gegen den Gebrauch dieser Bezeichnung – wir mögen sie sogar, weil wir stolz sein dürfen, für uns den Hinweis auf die Insel in Anspruch zu nehmen, die Sappho berühmt machte -
Die Vögel sprechen wieder Griechisch mit uns,
und ist es nicht wundervoll, wie viel Hingabe für uns im Universum schwingt.
Besonders für die, die Umgang mit einem Penis haben, den sie mit ihrer Fotze umschlingen.
Nun ja, Ende von Lillys Durchsage.

Er sagte: Ich will deinen Körper, und sie sagte: du kannst ihn haben, wenn ich damit fertig bin.

ZUSCHAUER:
(Lacher) (Applaus)

MS. JOHNSTON:
Eine Nachricht aus dem Weißen Haus: gestern Abend hat der Präsident der Vereinigten Staaten, bekleidet nur mit einem winzigen…

MR. MAILER:
Jill, Sie haben Ihren Brief beendet. Jetzt. Schicken Sie ihn ab!

ZUSCHAUER:
(Reaktion: Buh)

MR. MAILER:
Das ist den anderen gegenüber nicht fair. Jill hat schon 15 Minuten gehabt. Und Sie alle wollen doch die Gelegenheit, eine Frage zu stellen. Wir wollen doch noch ein bisschen miteinander diskutieren. Okay?

ZUSCHAUER:
(Lacher)

FRAUENSTIMME:
Hey, Jill! - Was ist mit mir?

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Hey, wissen Sie, es ist toll, dass Sie 25 Dollar bezahlt haben, um drei dreckige Overalls auf dem Boden zu sehen…
wo Sie doch die Straße runter für 4 Dollar jede Menge Fotze und Schwanz sehen können.

MS. JOHNSTON:
Besteht die Möglichkeit, dass ich meine Frage auslassen und mein Statement beenden kann?

MR. MAILER:
Jill, das haben Sie schon! Kommen Sie schon, entweder spielen Sie jetzt mit dem Team oder Sie können ihren Grips nehmen und verschwinden!
Hören Sie, heute Abend wollen wir über vieles reden. Und ich will mit Ihnen auch über Lesbianismus (Lesbischsein) reden, verdammt noch mal!
Sie wissen doch, dass ich Interesse habe an dem, was Sie gesagt haben!
Also. Sie können diese Spielchen zwar spielen, aber sie sind dämlich!

ZUSCHAUER:
Stimme: Los doch, Jill, weiter!
Stimme: Lasst sie ausreden!
Stimme: Lasst sie ausreden!

MR. MAILER:
Die Leute, die meckern, ihre Lieblingsrednerin solle ausreden, gehören zu der Sorte, die gern Schach auf modrigen Brettern spielen.

ZUSCHAUER:
(Proteste)
STIMME: (etwa) Scheißkerl!

MR. MAILER:
Los doch, Jill, seien Sie eine Lady!

(Jill pfeift)

FRAUENSTIMME:
Was ist los, Mailer, fühlen Sie sich bedroht, weil Sie mal eine Frau gefunden haben, die Sie nicht ficken können?

MR. MAILER:
Hey, Fotzi, ich werde schon mein Leben lang bedroht, nicht aufregen!

JILL JOHNSTON:
Kann ich mein Statement beenden?

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MR. MAILER:
Was wollen Sie tun, Jill, wollen Sie zum letzten Satz vorspringen?

FRAUENSTIMME:
Lesen Sie es vor! Was können die schon tun?!
Lesen Sie es vor, was kann er schon tun?

JILL:
Moment…

MR. MAILER:
Okay, ich werde Ihnen sagen, was wir tun werden!

JILL:
Was denn?

MR. MAILER:
Okay, wir werden abstimmen. Wir stimmen ab.
Aber ich übernehme das Auszählen!

ZUSCHAUER:
(Reaktion)
MR. MAILER:
Wenn Sie glauben, ich wäre nicht fair genug, richtig auszuzählen, kommen Sie her und nehmen Sie mit das Mikrophon weg!

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MR. MAILER:
Diejenige, die wollen, das Jill weiterliest sagen; Ja.

STIMMEN:
Ja.

MR. MAILER:
Diejenigen, die das nicht wollen sagen: Nein.

STIMMEN:
Nein.

MR. MAILER:
Ganz abgrundtief ehrlich - ich glaube, Sie haben knapp verloren, Jill.

Der nächste Redner, der nächste Redner ist Diana Trilling, die ich vom Rednerpult aus vorstellen werde.
---

MR. MAILER:
Hi, wie geht’s?

FRAU am Mikro:
Hallo…

MR. MAILER:
Diana wird jetzt reden!

FRAU:
Klar doch.

MAILER:
Wenn Sie wollen…
Gehen Sie doch da drüben hin…
(Rest unverständlich…)
Diana wird jetzt reden, Sie verstehen…

--

MAILER:
Die nächste Rednerin – deren Seele zweifellos die Kraft finden wird, Sie die nächsten 10 Minuten in Bann halten zu müssen – sie ist eine Lady voll seelischer Stärke und seit sehr, sehr vielen Jahren eine unserer führenden, wenn nicht die führende Kritiker - Ms. Diana Trilling.

DIANA TRILLING:
Als ich vor einigen Wochen das erste Mal gebeten wurde, an dieser Diskussion heute Abend teilzunehmen, wusste ich natürlich schon, dass Women`s Lib nicht nur eine einzige Bewegung repräsentiert, nicht nur einen einzigen Standpunkt gegenüber der Stellung der Frau – aber es gibt wahrscheinlich so viele Definitionen von Women`s Lib wie es Frauen gibt, die von der Idee, ihr Leben zu verändern, angezogen werden oder Männer, die sich der wachsenden Unruhe der Frauen in unserer Gesellschaft bewusst werden.

Ich wusste, dass es Menschen gibt, für die das eine neue Strategie bedeutet, sich persönlich zur Geltung bringen zu können, für die das eine neue Gelegenheit zum kulturellen Sturmangriff bedeutet, Menschen, für die das eine lange Verzögerung eines Wiederauflebens der Women`s Rights Movement bedeutet, Menschen, für die es eine erbärmliche/pathetische Vision einer utopischen Erotik bedeutet. Menschen, für die das voller Kampfhandlungen zwischen Mann und Frau ist.

Was ich nicht wusste – und erst aus der Beobachtung lernte, wie eine Rednerin nach der anderen von diesem Podium abtrat – als drohe ihr eine ganz besondere Form weiblicher Folter, sollte sie sich der Präsenz eines männlichen Moderators - ganz besonders dieses männlichen Moderators fügen – (was ich nicht wusste ) war, dass Women`s Lib ein autoritäres System ist, das in praktischer Effizienz schon weit gediehenes ist!

Hier haben wir für Frauen praktisch nichts erreicht, außer vielleicht eine Tür den Klagen zu öffnen, die Frauen entweder zu unterdrücken versuchen oder mit denen sie einsam leben müssen. Und sind wir uns denn schon so sicher, dass wir den Feind benennen und ins Visier nehmen können?
Ich bin mir überhaupt nicht sicher, dass ich den Feind meines Geschlechtes so leicht benennen kann.
Aber so sehr ich auch von manchen der Einstellungen abweiche, die Norman Mailers gefeierten Artikel in Harper`s Magazine beseelen, so bin ich mir doch ziemlich sicher – das ist nicht Mailer ((selbst)).

Ich hoffe, er wird mir verzeihen, dass ich das sage - aber so hoch er in der Literaturszene auch aufragt - und ich habe mich selbst schon vor langer Zeit zu derjenigen erklärt, die ihn für den wichtigsten Schriftsteller unserer Zeit hält ….

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MS. TRILLING:
So großartig und wichtig ist er auch nicht!
Er ist z. B. nicht so großartig wie Biologie …

ZUSCHAUER
(Lacher)

MS. TRILLING:
…oder Kultur.
Und gewiss ist er nicht so großartig wie die Biologie und Kultur zusammen.

ZUSCHAUER
(Lacher)

MS. TRILLING:
Obwohl – soweit ich mich erinnere - Mailer in seinem Artikel Biologie wenig oder gar nicht ausdrücklich erwähnt, ist der „Prisoner of Sex“ natürlich vom biologischen Konzept durchdrungen. Dieses liefert sogar die Haupt-Determinante von Mailers Ansicht über die Beziehung zwischen Mann und Frau.
Das kann wohl kaum jemanden völlig schockieren, der mit seinen früheren Werken vertraut ist.

Es war möglich, vieles von Mailers heutiger Position vorherzuahnen, und zwar von, sagen wir, seiner alten und auch weiterhin bestehenden Ablehnung von Verhütungsmitteln.
Trotzdem glaube ich nicht, das wir auf so viel Betonung des Deterministischen hätten vorbereitet sein können, noch dazu bei einem Schriftsteller, der auf so vielen anderen Gebieten - außer dem der Beziehung zwischen den Geschlechtern – immer der herausragende Befürworter eines uneingeschränkten Lebens, einer uneingeschränkten Kultur und sogar einer uneingeschränkte Politik war und ist.

So rigoros, wie ich mich Mailers gefährlich poetischen Exzessen entgegen stelle, wie z.B. seiner Stellung gegen Verhütung, so total abgeneigt bin ich auch, mich der gegenwärtigen Attacke der Frauen gegen ihn anzuschließen.
Tatsache ist einfach, dass ich selbst Mailers poetisch verklärter Biologie gern den Vorzug geben würde vor der „überhaupt keine Biologie“ meiner geistvollen Schwestern. Darin steckt wohl nicht nur mehr Leben,….

ZUSCHAUER:
(Applaus)

DIANA TRILLING:
Darin steckt wohl nicht nur mehr Leben, sondern auch besseres Leben.
Aber – und das ist ein großes Aber - ich bin auch nicht geneigt, mich irgendeiner Attacke anzuschließen, selbst nicht gegen die extremen weiblichen Liberationisten, - so sehr ich ihre Ansichten auch ablehnen mag – wenn diese Attacke ihren Ursprung in dem Wunsch hat, die sexuelle Kultur zu schützen, in der wir jetzt leben.

(Applaus)

Mailer akzeptiert unsere sexuelle Kultur im Großen und Ganzen als etwas Gegebenes - oder zumindest den Teil davon, der mit dem relativen Status der Geschlechter zu tun hat. Das tue ich nicht.
Wo ich mich von den Ansichten fast aller radikalen Liberationisten trenne, die gerade einen leichten Aufstieg von/bei den Frauen gewinnen, die über ihre gegenwärtige Situation bekümmert sind - ist, dass sie eine Kultur suchen, die die biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern für ungültig erklärt.

Wo ich mich von Mailer trenne ist, dass er zwar die Biologie verherrlicht, implizit jedoch den nicht zu tolerierenden Gebrauch duldet, den die Kultur von den biologischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern gemacht hat.
In etwa demselben spekulativen Geiste hat Eric Erickson über etwas in Frauen Existierendes gesprochen, dass er „Innerer Raum“ nennt – was, so sagt er, ihr Gespür für sich selbst und ihre Möglichkeiten definiere.
Ich habe nicht den Eindruck, dass einer dieser begabten Klinikern es unternimmt, der Fähigkeit der Frau Grenzen zu setzen, außerhalb des Hauses eine größtmögliche Zahl an Betätigungsfelder freudig zu nutzen.
Aber unglückseligerweise unternimmt Freud gerade dies, und Mailer meiner Meinung nach auch, obwohl er damit nicht so unverblümt herausrückt wie dieser Arzt der Mittelschicht in Wien.
Ich beuge mich niemandem in meiner hohen Achtung für Freud. Nichtsdestoweniger nehme ich von ihm, wie von Mailer, nur das an, was das Leben bejaht und bereichert,…

(z. Teil gleichzeitig)
FRAUENSTIMME:
Women`s Lib ist nur `was für die reiche Ziegen!
Ich krieg Stütze, ich kann mir den Eintritt hier nicht leisten, die Polizei stellt sich mir in den Weg!

MS. TRILLING: (leise)
Ich will bloß noch ausreden.

FRAUENSTIMME:
Germaine Greer verrät die Armen! Germaine Greer, du bist eine Verräterin!

MR. MAILER:
Hört, hört!

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. TRILLING: (Lacher)
Ich beuge mich niemandem in meiner hohen Achtung für Freud. Nichtsdestoweniger nehme ich von ihm, wie von Mailer, nur das an, was das Leben bejaht und bereichert und verwerfe dabei alles aus seinem Werk, so wie aus dem Werk eines jeden anderen -
weibliche Liberationisten einschließlich – was ärmer macht und verabsolutiert.

Und zu den Bemühungen der weiblichen Liberationisten, die ich für höchst verarmend und verabsolutierend halte, gehören die Doktrin, die jetzt über den weiblichen Orgasmus verbreitet werden.
Sicher ist es bemerkenswert, dass dieselben Leute, die unsere Gesellschaft ganz richtig wegen der harschen und phantasielosen Behandlung Homosexueller kritisieren, nicht zögern, den Frauen zu diktieren, wo sie den einzigen Weg zu sexuellem Genuss zu suchen haben.
Die Rede ist jetzt natürlich von der jetzigen Kampagne, mit der Frauen davon überzeugt werden sollen, dass es so etwas wie den vaginalen Orgasmus gar nicht gibt und sie deswegen auch gleich auf einen Mann verzichten können, selbst im Bett.

Nichts in der sexuellen Kultur des vergangenen Jahrzehnts ist mit mehr Berechtigung angegriffen worden als diese Idee, es gäbe nur eine einzige Definition dessen, was bei sexuellem Verlangen oder sexueller Reaktion normal sei.
Als weiteren Vorteil unserer Befreiung aus einer tyrannischen Herrschaft in Bezug auf die Wahl unserer Sexpartner oder mit welchen Methoden wir nach sexuellem Vergnügen streben - werden wir hoffentlich auch die Freiheit haben, die Orgasmen zu erleben, zu denen wir als komplexe Individuen in der Lage sind.

ZUSCHAUER:
(Lacher, Applaus)

MS TRILLING:
Mein letzter Satz, Norman.
Biologie ist ja schön und gut, Norman.
All diese Frauen haben biologische Eigenschaften, gleichzeitig haben sie sich mit einer repressiven, lebensvermindernden Kultur auseinanderzusetzen. Ihr Artikel in Harper`s Magazine enthält Ihre immer schöne Intention, dem Leben mehr Geltung verschaffen zu wollen sowie eine Fülle gewisser, herrlicher Vorstellungen darüber, wie Frauen sind.
Vermutlich könnten wir es die Vorstellungen von „Frauen, die lieben“, nennen. Aber in seiner Vorstellung vom vollständigen Menschsein der Frau geht der Artikel fehl, wohingegen er bei der Vorstellung vom vollständigen Menschsein des Mannes nie daneben liegt.

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MR. MAILER:
Also, damit ist der erste Teil des Abends beendet, der formale Teil, wenn Sie so wollen, oder der formalste.
Ich würde Jill Johnston gern eine Frage stellen, wo auch immer Sie sein mögen, Jill –
und ich werde auch versuchen, Ms. Ceballos und Ms. Greer noch ein paar Minuten zu geben, da sie die nettesten der beiden Damen waren und sich an die 10 Minuten gehalten haben, um die ich gebeten hatte, sie haben weniger als die anderen angeschnitten… weniger als die anderen überzogen….! (Lacher)
Psssst….

ZUSCHAUER
(Lacher)

MR. MAILER:
Okay, es hat mich nicht überrascht, dass meine liebe, alte Freundin Diana Trilling - wie üblich - fast alles, was ich gesagt habe, falsch verstanden hat …

ZUSCHAUER
(Lacher)

MR. MAILER:
…man kann nur mit den Literaturkritikern gut befreundet sein, die einen zwar nie richtig lesen, das jedoch voll besonderen Mitgefühls.
Was ich im „Prisoner of Sex“ auf meine übliche, inkohärente Art und Weise sagen wollte, …

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MR. MAILER:
…war, dass Biologie oder Physiologie, wenn Sie so wollen, zwar nicht das Schicksal ist, – aber es ist die Hälfte davon.

ZUSCHAUERIN:
Nein, ist es nicht!

MR. MAILER:
Und wenn man diese Tatsache zu ignorieren versucht, dann gerät man - zumindest soweit ich das irgendwie absehen kann - dann gerät man in das schrecklichste totalitäre System von allen, denn es ist ein linkes, totalitäres System.
Im menschlichen Verstand gibt es wohl irgendetwas, das die Vorstellung eines faschistischen oder rechten totalitären Systems irgendwie ertragen kann, weil uns dieses zumindest den romantischen Traum anbietet, wir alle könnten uns in Untergrund-Kadern formieren und letztendlich ein Leben voller Abenteuer führen, wo wir alle, Männer und Frauen, gleich sind – und Genossen.
Aber wenn wir einen linken Totalitarismus bekommen, bedeutet das unser aller Ende, denn wir werden nur noch über ein zermatschtes Gehirn verfügen, das verzweifelt versucht, den unglaublichen Schock zu überwinden, dass die Zerstörung der menschlichen Freiheit von links gekommen ist und nicht von rechts.
Und Women`s Lib weist ein Element auf, das mich erschreckt.

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MR. MAILER:
Es erschreckt mich, weil es humorlos ist, weil - mit Ausnahme, sagen wir: von Germaine Greers Buch über den weiblichen Eunuchen - weil fast gar nicht anerkannt wird, dass das Leben eines Mannes auch schwer ist, und dass all die grauenvollen Dinge, die Frauen so durchmachen - von denen manche definitiv von Männern so entschieden werden - sogar mehr noch als von ihnen selbst vermutlich.

Wir müssen uns der simplen Tatsache stellen, dass es bei Frauen vielleicht ein profundes Reservoir an Feigheit gibt, das sie dieses elendige, sklavische Leben gutheißen lässt.
Wie dem auch sei – ob es nun ihre Schuld ist oder die der Männer - was man anerkennen muss ist, dass die Freiheit der Frau nichts Automatisches ist.
Jede Freiheit der Frau wird so gewonnen, wie jede Freiheit gewonnen wird, nämlich gegen den Strich - gegen das Paradoxon, dass es im Leben vieles gibt, was Freiheit verbietet.

Ich bin also nicht hier, um zu sagen, jede Frau müsse ein Kind haben oder jeder Frau müsse einen vaginalen Orgasmus haben oder jede Frau müsse ein Kind empfangen, so wie ich es vorschreibe - jeder, der das über mich sagt, weiß einfach nicht, wie meine Sätze zu verstehen sind.

Was ich damit sagen will – gehen wir doch ran an diese kleinen Sache, und erkennen wir an, dass die Frage der Frauenbefreiung die schwerste Frage ist, die sich uns jetzt stellt, und wir werden schon in Elementarteilchen der Existenz, der Ewigkeit eingedrungen sein, ehe wir mit ihr fertig sind - weil die Frage, wie viel Freiheit Männer und Frauen bei einander finden, und wie viel vom Abwasch sie sich teilen können, bei allem direkt ins Zentrum trifft.

Und ich möchte, dass sich die Diskussion auf diesem Niveau bewegt. Ich bin absolut bereit… wenn Sie wollen, dass ich als Clown agiere – werde ich meinen bescheidenen, jüdischen Schwanz herausholen und auf den Tisch legen.
Sie können ihn dann alle bespucken und belächeln - und dann gehe ich weg, und Sie werden feststellen, dass es bloß ein Dildo ist, den ich dagelassen habe. Den echten hatte ich Ihnen nicht gezeigt!

ZUSCHAUER
(Lacher, Applaus)

MR. MAILER:
Aber wenn das hier eine anständige Diskussion werden soll – wir sind doch heute Abend alle hergekommen, manchmal unter großen persönlichen Anstrengungen - dann sollten wir sie doch auf höchstmöglichem Niveau führen.
Ich würde Jill Johnston gern Folgendes fragen… – sie hat sehr geschickt die eine Hälfte – meine ich - der Frauenbefreiungs-Idee in den Vordergrund gerückt…
nämlich, dass Women`s Lib zweierlei ist,
eine hochgradig politische Bewegung und eine hochgradig sexuelle, die auf ganz natürliche Weise stark lesbische Untertöne annimmt.

Das heißt aber überhaupt nicht, dass jeder, der sich für Women`s Lib interessiert, lesbisch ist – offensichtlich nicht. Jeder, der behauptet, ich hätte das gesagt, ist ein Idiot.
Aber ich sage folgendes: es ist ganz natürlich, dass sich Lesben auf die Befreiung der Frau konzentrieren, denn es gibt beim Lesbischsein eine besondere Schwierigkeit, die Homosexuelle – obwohl man sie vieles schimpft - so vermute ich mal – nicht haben, nämlich, dass jeder Mann für Homosexualität empfänglich ist, denn die kann er mit einer Frau nicht ausleben.

Er muss zu einem Mann gehen, um sich fundamental wie eine Frau fühlen zu können, er muss zu einem Mann gehen, um sich etwas in den Anus stecken zu lassen oder in den Mund.

STIMME:
In Ihren Anus!

MR. MAILER:
In meinen nicht, Alter!

ZUSCHAUER:
(Lacher)

STIMME:
In Ihren! In Ihren!

MR. MAILER:
Bei Frauen ist die Schwierigkeit die, dass jeder Mann, der ein superber Lover ist, zu einer Frau nur zu ca. 90 % so gut wie eine Lesbe sein kann…
indem er eben tut, was eine Lesbe tut, und dann bleibt ihm noch all das andere.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Das Ergebnis davon ist, dass Lesben es schwer haben, und ich meine, das erklärt zum Teil die große Verachtung, die sie für Männer übrig haben, und um diese große Männerverachtung bildet sich die schlimmsten Aspekte von Women`s Lib heraus.

Also, die Frage, die ich Jill Johnston gern stellen würde lautet: was will sie mit uns, den restlichen 90% machen?

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Okay. - Danke. Und die Damen können jederzeit eine Rede halten, wenn sie dran sind, wann immer sie wollen.
Meine formalen Versuche, heute Abend nichts aus dem Ruder laufen zu lassen, werden sich jetzt darauf beschränken, gelegentlich mit einem brillanten Mitbewerber aus dem Reich der menschlichen Spezies fertigzuwerden.

Okay, jetzt gehört der heutige Abend zwar ganz Ihnen, ich werde aber trotzdem versuchen, mit einem leichten Hammer für Ruhe zu sorgen.
Danke.

ZUSCHAUER
(Lacher)

MS. TRILLING:
Oh, Sie Ärmster!!

MR. MAILER:
Wer möchte zuerst?

FRAUENSTIMME:
Ms. Greer…
----

MS. TRILLING:
Sie sind sehr schnell – wie ich schon sagte – sehr schnell über die biologische Zelle hinweggegangen – aber danach verweisen Sie 8 Mal auf etwas, das Sie als ödipale Familie oder ödipalen Situation beschrieben haben.
Und – so wie ich das jedes Mal im Kontext verstanden habe – haben Sie damit gemeint: die Familie, die das Kind ablehnt, ist eine ödipale Familie. Also, wenn Sie Freud so verstehen wollen, müssen Sie ihn als Idioten abtun, - ((aber)) so etwas hat er nie gesagt.

MS. GREER:
(unverständlich)

MS. TRILLING:
(unverständlich)

MS. GREER:
Ich habe von dem gesprochen, was Freud über die Ehe gesagt hat, als er sagte: In der Ehe wiederhole man die ödipale Situation.

MS. TRILLING:
Nein, ich habe die konkreten Stellen markiert, und ich….

MS. GREER:
Dann zitieren Sie sie doch! Das ist doch kein Eindruck dessen, was ich gemeint habe. Ich nehme Freud gegenüber dieselbe Haltung ein wie Sie!
Ich zitiere ihn ((da)), wo es mir passt und ((da)) nicht, wo es mir nicht passt.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. TRILLING:
Ich habe nicht gesagt: Ich zitiere ihn, wo es mir passt. Ich habe gesagt: Ich nehme von ihm, was mir passt. Ich zitiere ihn nicht falsch!

MS. GREER:
Oh je!

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MS. TRILLING:
(unverständlich)

MS GREER:
Ein Charakteristikum unterdrückter Menschen ist, dass sie sich immer gegenseitig bekriegen!

MS. TRILLING:
Was?!

MS. GREER:
Ein Charakteristikum unterdrückter Menschen ist, dass sie sich immer gegenseitig bekriegen!

MS. TRILLING:
Ich fühle mich nicht so unterdrückt wie Sie!

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. TRILLING:
Und ich bekriege Sie nicht (streite nicht mit Ihnen).
Das kann ich wirklich nicht, verstehen Sie?! Die Sache ist die – ich kann nicht alle Frauen Sprecher für mich sein lassen…

MS GREER: (leise)
Sprecher…!!

MS. TRILLING:
…denn ich bin ja nicht unbedingt für ihr Programm!

(Applaus)

Ich empfinde sehr viel Loyalität gegenüber meinem Geschlecht, sehr viel sogar, und zwar schon sehr lange. Aber das heißt nicht, dass ich Positionen unterschiedslos unterstützte, bloß weil diese Positionen von anderen Frauen vorgebracht werden. Das wäre für mich eine Absage an die Intelligenz.

MS GREER:
Das versteht sich doch von selbst.


MS. TRILLING:
Wirklich?

MS GREER:
Unbedingt.

MS. TRILLING:
Dann dürfen Sie mir nicht vorwerfen, mit einer Angehörigen einer Minderheit zu streiten!

MS GREER:
Es ist nur - wir haben gerade große Schwierigkeiten, uns gegenseitig zu verstehen, und,,, die Benutzung der Worte „falsch zitiert“ lässt sich unter diesen Umständen wohl kaum als edelmütig deuten.

(Applaus)
---
MR. MAILER:
Ich möchte hier gern anmerken, dass die Betonung hierbei darauf liegt,… (Huster)
dass das ganze, für Frauen quälende Problem: wie viel ihres Schicksals biologischer oder physiologischer Natur ist, sich langsam so beantworten lässt.

Mit anderen Worten, ich werde nicht hier sitzen und sagen, ich wüsste, was das Schicksal der Frauen sei - es sei biologischer Natur. Natürlich ist das absurd! Woher soll ich das wissen?
Wir können zwar alle darüber spekulieren, aber die Vorstellung ist doch die: es gibt eine Vielzahl von Gesellschaften, die alle nach ganz unterschiedlichen Prinzipien funktionieren.
Es gibt überhaupt keinen Grund, warum sich in unserem technologischen Zeitalter zumindest diese menschliche Freiheit am Ende nicht erreichen lassen soll.

Und in 50 bis 100 Jahren werden wir vielleicht Außergewöhnliches über die Natur menschlicher Beziehungen zu entdecken beginnen – in anders gearteten Gesellschaften und der Art und Weise, wie sie sie funktionieren können, und ob sie friedlich nebeneinander leben können oder nicht – das bleibt, natürlich am besten der Phrasendrescherei der Liberalen überlassen, es spielt ja keine Rolle - so gut werden die wahrscheinlich nicht Seite an Seite leben, aber wir leben jetzt gewiss auch nicht gute Seite an Seite.
Das Wichtige ist, dass wir herausfinden, ob Kinder sich wirklich selbst erziehen können.
Und im Zuge dessen wird es überall jede Menge Opfer geben!!

Es wird auch Menschen geben, die – wenn sie ein Kind haben, zusammen leben und ganz allein Kinder großziehen wollen, es dann auch werden tun können, und zwar mit einem außergewöhnlichen Gefühl von Freiheit und nicht mit dieser Schwere, die sie heutzutage empfinden, wenn sie sich fragen, ob mit ihnen irgendetwas nicht stimmt!

Selbst Greer, die dieses absolut schöne Buch geschrieben hat, hat, lassen Sie mich es so sagen: auf männliche Art versagt –

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MR. MAILER:
Sagen wir mal, ich bin bei ihrer Beweisführung immer nicht ganz mitgekommen, weil sie nicht ganz genau wusste, wo das alles passiert ist.
Z.B., als Sie vom englischen Klerus des 17. Jahrhunderts sprachen … vielleicht ist mein Geist da abgeschweift, aber ich hatte das nicht das Gefühl, dass Sie da den Dingen auf den Grund gegangen sind.

MS GREER:
(unverständlich… Sie selbst…)

MR. MAILER:
Hä?

MS GREER:
16!

MR. MAILER:
Ganz offensichtlich abgeschweift. – Sehen Sie, ich habe wirklich einen schwachen Verstand, Zahlen kann ich mir nicht merken.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. GREER:
Jede Bevölkerungsstudie zeigt, dass zwischen Feudalismus und Renaissance etwas Bestimmtes geschehen ist, aber das genaue Datum, ab dem alle aufhörten, in Stammfamilien zu leben, könnte ich Ihnen nicht nennen.

MR. MAILER:
Nein,… aber ich glaube, Sie können dem zustimmen, dass es nicht nur einfach darum ging, dass Männer Frauen tyrannisieren. Ich meine, wenn es bloß darum geht, dass wir Männer euch Frauen all die Jahre tyrannisiert haben, dann müssen wir wirklich auch noch weiterhin einen enormen Dialog führen, denn…
Und die Arbeit ist noch nicht erledigt. Ich meine, mein Gott!! Wenn Kate Millets Briefe schon die ganze Arbeit geleistet haben, dann sind wir alle dem Untergang geweiht!

MS. CEBALLOS:
Was haben Sie gesagt?!

MR. MAILER:
Ich habe gesagt, Kate Millet hat die historische Arbeit geleistet mit der Feststellung, Männer kontrollierten Frauen in einem politischen Klassensystem.
Dann sind wir alle dem Untergang geweiht!

MS. GREER:
Niemand wird überraschter sein als Kate, wenn sie hört, wessen man sie beschuldigt.
Jede Feministin weiß, dass die von uns als Gesellschaft durchzuführende Analyse sehr kompliziert ist und lange dauern wird.
Wenn Mao Zedong so lange zur Definition von Ursachen und Probleme brauchte – in einer Situation, in der das Blatt noch unbeschrieben war…
Wir haben ein –zig mal überschriebenes Blatt und haben jetzt zu versuchen, eine extreme indoktrinierte und feige Gesellschaft auf Trab zu bringen!

Und dabei gibt es auf jeder Ebene unserer Gesellschaft so viele kniffelige Probleme, dass es ziemlich absurd ist, zu diesem Zeitpunkt von einer Frau zu verlangen, sie möge Ihnen eine vollständige Analyse zeigen, sonst… werde man sie dafür verurteilen, überhaupt eine gemacht zu haben.

ZUSCHAUER:
(Applaus)

(Mailer klopft mit dem Bleistift auf Papierbechert)

MR. MAILER:
Ich… ich bin ja dafür, ich bin total dafür, aber ich möchte Sie fragen: warum sagt ihr Frauen weiterhin – ohne die Analyse gemacht zu haben – warum sagt ihr weiterhin, dass allein die Männer schuld sind?

MS. GREER:
Ich wusste noch nicht, dass irgendwelche Frauen sagen, dass sei ganz allein Schuld der Männer. Ich meine, was mich betrifft, so ist das doch genau die Sache, die wir herausbekommen wollen.
Wenn es tatsächlich so ist, dass Männer unbewusst tyrannisch waren und sind - und ich glaube, das ist wahrscheinlich der Fall, - dann ist auch sicher, dass sie von ihrer eigenen Tyrannei ((moralisch)) verdorben wurden, durch sie degradiert und verwirrt wurden - fast so sehr wie die von ihnen Tyrannisierten.

ZUSCHAUER:
(Applaus)

Mr. MAILER:
Da sind wir einer Meinung. Im Grunde nur der gute, alte Sozialismus.

STIMME:
Sie lassen ja keinen anderen etwas sagen, Sie dominieren den ganzen Abend!


MS. TRILLING:
Tut er nicht, tut er nicht.

MR. MAILER:
Ich versuche, hier gerade einen Dialog in Gang zu setzen. Und ich bin absolut bereit, sofort zu verschwinden, sobald dieser Dialog in Gang gekommen ist.
Was wir jetzt wohl tun sollten ist Folgendes, - im „Theater of Ideas“ ((sic!)) gibt es eine alte Tradition im, und zwar: ein Menge Leute wurden extra eingeladen - ihrer Spezialkenntnisse wegen oder ihres Allgemeinwissens bei einem bestimmten Thema - und diese Leute bekommen normalerweise einen Platz in den ersten Reihen - weil sie eingeladen wurden.
Ein sehr unfaires Verfahren, das wissen wir alle.
Sie bekommen dieses Privileg – weil das „Theater of Ideas“ eine auf Privilegien gegründete Institution ist.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Das hier ist eine Enklave, in die ihr jungen Nihilisten euch hier begeben habt! - Und in der Gesellschaft der Zukunft, in der es viele Welten gibt, werdet ihr Folgendes lernen müssen: wenn man sich auf das Terrain anderer begibt, hat man sich nach den Regeln der anderen zu richten, und euern eigenen Spaß könnt ihr haben, wenn die es je wagen sollten, sich auf euer Terrain zu begeben.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Also, die ersten Fragen sind an jemanden auf dem Podium zu richten, mit Ausnahme von mir, denn ich habe tatsächlich schon zu viel geredet.

FRAUENSTIMME:
Betty Friedan.

MR. MAILER:
Seien Sie genau, Betty!

MS. FRIEDAN:
Norman, ich werde Genauigkeit für mich selbst definieren, dazu brauche ich Sie nicht!

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Geben Sie mir doch die Gelegenheit, eine eigene Meinung zu haben!

MS. FRIEDAN:
Nein, ich…
Ich habe mich gefragt, ob das möglichweise… - sogar heute Abend – darauf hindeuten könnte, dass die Welt weniger langweilig sein könnte, wenn - anstelle des monolithischen, unveränderten, ewigen Gesichts der Eva, die niemals ihr biologisches Selbst transzendiert – wenn wir endlich den Anfangspunkt der Selbstdefinition erreichen - auf den Sie gerade irgendwie so reagieren wie Ihre Vorgänger vor 100 Jahren, die sagten: „Der Hund kann ja sprechen....!!“ – verstehen Sie?!

Dass eine Frau hier überhaupt redet, das zu akzeptieren fällt Ihnen ein bisschen schwer, aber dass wir dabei auch noch unterschiedliche Töne anschlagen, dass wir nicht alle einer Meinung sind, dass wir das Recht haben, unsere eigenen Unterschiede zu definieren und uns über unsere eigenen Genauigkeiten zu streiten und unsere eigenen Ideologien zu finden, - und am Ende könnten vielleicht sogar Sie das weniger langweilig finden!

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MR. MAILER:
Ich weiß einfach nicht, wovon Sie gerade reden.

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MR. MAILER:
Betty, Sie reden einfach bloß so!
Sie appellieren an das niedrigste Niveau der Zuhörer!

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MR. MAILER:
Und Sie sind blöd! Ich bin mein Leben lang mit Frauen auf Rednertribünen, mein Gott!!
Sie tun so, als ob Frauen ganz plötzlich in der Öffentlichkeit sprächen. Das tun sie seit 100 Jahren! Darüber reden wir hier gar nicht.
Wir reden hier über die außergewöhnlichen Möglichkeiten, die in der Frauenbewegung Women`s Lib stecken!!
Sie reden noch so darüber, als ob ich total dagegen wäre, was ich nie war.
-----
Also, Ihr Ladies tut auch alle ganz herablassend.
Wir sind alle hochnäsige Snobs, wie klingt das?

ZUSCHAUER:
(Applaus)

FRAUENSTIMME:
Vielleicht ist das niedrigste Niveau da, wo Sie sich gerade befinden, Norman!

MR. MAILER:
Vielleicht, vielleicht, das werden wir noch herausfinden – vielleicht.

STIMME:
Susan Sontag.

MS. SONTAG:
Ich möchte Norman - und auch Diana - eine friedlich gemeinte Frage stellen, obwohl sie offensichtlich auch die anderen betrifft.
Normann, stimmt es, dass Frauen Ihre Art mit ihnen zu reden beim besten Willen nur herablassend finden, und… dazu gehört auch Ihre Benutzung des Wortes „Lady“?
Als Sie…
Und das will ich Diana fragen, als Sie sagten, Diana Trilling, die erste Literaturkritiker-Lady…
Wenn ich Diana wäre, würde ich nicht gern so vorgestellt werden, und jetzt würde ich gern wissen, was Diana dazu meint.
Mir gefällt es nicht, „Schriftsteller-Lady“ (Lady Writer) genannt zu werden, Norman.
Für Sie scheint es galant zu sein, aber uns kommt es nicht richtig vor. Frau Autor (Woman Writer) genannt zu werden ist ein bisschen besser. Ich weiß nicht warum, aber wissen Sie, Worte machen eine Menge aus! Wir sind alle Schriftsteller und Autoren, das wissen wir (wir wissen das!!).

ZUSCHAUER:
(leise, unverständlich: Wie also?)

MS. SONTAG:
Also wie wäre es mit „Frau Doktor“, Frau Anwalt? Wenn Sie James Baldwin vorstellen würden, würden Sie ja auch nicht sagen: unser bekanntester Neger- Schriftsteller. –
Und wir würden ganz gewiss nicht sagen: ein männlicher Autor.

STIMME:
Ein Gentleman-(und) Autor.

MR. MAILER:
Susan, … Susan…
Wenn Paris eine Messe wert ist, so werde ich das Wort Lady in der Öffentlichkeit nie wieder benutzen.

(Applaus)

MS TRILLING:
(Anfang unverständlich)
Susan, Sie haben mich auch gefragt. - Es gefällt mir nicht, und ich erkenne sehr genau, was Sie damit sagen wollen.
Aber manchmal ist es wohl so wie „die Läufer-Lady“ oder „die Hochspringer-Lady“ oder irgendetwas Derartiges gesagt wird - in den Kreisen gibt es diese Besonderheit, nicht wahr?
Und deswegen gestatte ich es auf dieser Basis. Gefallen tut es mir eigentlich nicht.

MS. SONTAG:
Dann sollten Sie wohl was dagegen einwenden.

MS. CEBALLOS:
Zumindest hat er nicht gesagt: eine schreibende Hausfrau!

MR. MAILER:
Wenn ich darf, würde ich Susan gern antworten. Ich hätte Diana eine Frau Kritiker oder einen weiblichen Kritiker nennen können oder ich…

FRAUENSTIMME:
Einen Kritiker!

MR. MAILER:
… oder ich hätte sie einen Kritiker nennen können, aber ich wollte sagen, sie sei die beste dieser Gattung.

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

PODIUMSMITGLIEDER:
(Lacher)


MR. MAILER:
Darf ich etwas sagen, ich meine, darf ich die Frage beantworten?

FRAUENSTIMME:
Das haben Sie schon!

MR. MAILER:
(Darf ich die Frage beantworten?)


FRAUENSTIMME:
Das haben Sie schon!

Nein, hab ich nicht. Fakt ist, dass

Literaturkritik keine Tätigkeit ist, die Frauen schon beinahe so lange betreiben wie Männer.
Und, es gibt gute Gründe, warum es so sehr wenige gute Lady-Kritiker gibt!

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MR. MAILER:
Und überhaupt, wie Sie alle hätten wissen sollen, - wenn Sie so gewitzt wären - habe ich genau das getan, um Diana aufzuziehen.

ZUSCHAUER
(Reaktion)

STIMME:
Wer gab Ihnen das Recht dazu?

MR. MAILER:
Ihr habt ja alle keinen Humor!


MS TRILLING:
(Lacher)

FRAUENSTIMME:
Lucy Komisar!

MS. KOMISAR:
Ich möchte Germaine Greer fragen, ob sie meint, dass es eine Beziehung gibt zwischen der Art und Weise, wie sich Sexualität und Beziehung zwischen Mann und Frau entwickelt haben – hauptsächlich, dass Männlichkeit auf Dominanz über Frauen basiert, Macht über Frauen, letzten Endes Gewalt über Frauen - und die Tatsache, dass unsere Kultur eine Kultur war und ist, in der Männer immer nach Macht über andere Männer streben - was wiederum zu Gewalt führt.
Tatsächlich sind viele der Worte, die wir zur Beschreibung der Sexualität benutzen, dieselben, die wir zur Beschreibung des Krieges benutzen.
In Normans Buch „Die Nackten und die Toten“ erinnere ich mich an eine Passage, wo er bei der Beschreibung einer Bombe, die gerade etwas in die Luft jagt, zwischen zwei Metaphern hin- und herspringt - und manchmal spricht er mit Begriffen aus der Sexualität darüber und manchmal spricht er von… wenn er über Sex spricht, benutzt er Kriegs-Ausdrücke.
Einmal spricht er von seinem Penis als dem „Rächer“.
Und ich frage mich, ob ein Teil des Problems, das wir lösen werden, wenn wir die Idee der männlichen Dominanz über Frauen und männlicher Macht über Frauen beseitigt haben - und die Frage des Frauen-Schlagens ist z. B. kein Scherz, das ist sehr ernst.

Wissen Sie - im Mittelalter hat die Kirche das geregelt. Das war etwas, dass sie aus Güte taten. Sie sagten, Männer könnten ihre Ehefrauen zwar mit Peitschen und Knütteln schlagen, aber nicht mit Eisenstangen!
Vielleicht ist das irgendwie witzig - aber dann ist das krank, ein ganz übler Witz.
Und das ist die Art von Gewalt, die seit Jahrhunderten ausgeübt wird, die Männer gegen Frauen ausgeübt haben und noch ausüben, und die sie auch gegen einander ausüben!
Was ich sehr interessant finde - als ich endlich dazu gekommen bin, Lionel Tigers Buch zu lesen, als es als Taschenbuch herauskam…

STIMME:
Ihre Frage! Ihre Frage!

MS. KOMISAR:
Er sagt nicht nur, Männer wären Frauen überlegen, er sagt: es gäbe manche Männer, die anderen Männern überlegen wären – und Frauen - und die sollten herrschen, und für mich ist das faschistisch.

MR. MAILER:
Erst muss ich noch eine andere Frage beantworten.
Ich freue mich sehr auf den Fortschritt in der Frauenbefreiung, denn dann werden die Frauen endlich mit dem besten Aspekt des männlichen Gehirns in Kontakt kommen müssen - seiner anständigen Genauigkeit.

ZUSCHAUER:
(Applaus, Lacher)

MR. MAILER:
Liebe Lucy Komisar, ich habe diese Bemerkungen nicht gemacht, ich hatte Figuren, die sie gemacht haben. Ich hatte einen General, der im innersten latent homosexuell war aus eigenem Recht (von Geburt) – nicht meine latente Homosexualität, seine latente Homosexualität - und er, er hatte da diese wundervollen Vorstellungen von der Bombe als Phallus, und ich hatte beim Schreiben dessen eine Menge Spaß.
Ich dachte: Das zeigt doch, wie homosexuell diese Generäle sind!

Ich habe das also nicht für mich gesagt.
Dasselbe habe ich über Septimus O¹Shaunnessy geschrieben, er war ((körperlich)) ein so großer Mann wie Germaine Greer, er war ein Gott, und er sprach von…

MS. GREER: (unterbricht ihn)
Ich meine, Sie haben Ihren Penis doch den „Vergeltung Übenden“ genannt, mit einem komischen Bezug zu Septimus O¹Shaunnessy… ähnelt Ihnen in vielerlei Hinsicht….


ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MR. MAILER:
Der „Vergeltung Übende“ … der „Vergeltung Übende“ ist nicht ganz so formidabel
wie der „Rächer“. (Lacher)

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MS. GREER:
Das muss ich leider aus der Sicht der Frau sehen.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MR. MAILER:
Es steht Ihnen frei, meinen Standpunkt einzunehmen, aber eigentlich habe ich damit Ihre Frage erledigt. Wenn Sie sich noch an sie erinnern können, würden Sie sie jetzt beantworten?

MS. GREER:
Ich erinnere mich schon. Ich glaube, das ganze Problem dabei ist, dass wir alle auf die eine oder andere Art erkennen, dass wir durch Gewalt beherrscht werden, und dass die Welt durch Gewalt beherrscht wird, solange man sich erinnern kann, und wenn wir jetzt am Rande einer Revolution stehen und es heißt: „Das oder der Tod“!
Dann muss das die einzige Revolution sein, die Gewalt gegen etwas anderes eintauscht, gegen eine feinere und kultiviertere soziale Ordnung, die auf viel komplizierteren Interaktionen von Menschen und ihren Gaben aufgebaut wird.

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MS. GREER:
Unser Feind scheint so unpersönlich zu sein wie… General Motors.

ZUSCHAUER:
(Applaus) (Buh)

MR. MAILER:
Sollen wir ins Publikum gehen?

STIMME:
Cynthia Ozick!

MS. OZICK:
Der Grund, weswegen Mr. Mailer nicht zu verstehen scheint und so herablassend erscheint – ich glaube, dem bin ich jetzt dicht auf der Spur, und ich werde Sie daran teilhaben lassen. Er…
Nicht, dass er nicht versteht - und er ist auch nicht herablassend, er ist ein Priester!
Und ich schwelge hier jetzt nicht in Hohn und Spott oder clownmäßiger Darstellung, - vor der Sie uns ja gewarnt haben, Mr. Mailer…

Also, nachdem ich „Prisoner of Sex“ gelesen hatte – ich habe es gelesen - auf der Herfahrt in der U-Bahn habe ich noch den Rest gelesen –
Das, was passiert, ist eine Rückkehr zu der ursprünglich erotischen Religion der Welt.
Die wir vom indischen Lingam kennen, der wächst… – ein Steinphallus wächst in Indien am weißstaubigen Wegrand, Lorbeer umkränzt…

Die Frauen hier, besonders Ms. Sontag, haben von Gerechtigkeit gesprochen, der Grundlage der Zivilisation. Ein Priester jedoch tut das nicht,…
ein priesterlicher, geschlechtlich transzendentalistischer Priester wie Mr. Mailer kann sich doch gar nicht mit einer in der Zivilisation verwurzelten Gerechtigkeit befassen, weil er Jakobs Zelt verlassen hat, um Isaak zu werden, und das ist ein Statement!

Ich habe eine Frage! Von dieser Frage träume ich schon seit vielen, vielen Jahren, seit „Advertisements for Myself“ (Eigenwerbung), bloß habe ich immer gedacht, es würde im Y ((YMCA)) stattfinden - und jetzt hier…

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. OZICK:
… das hier ist die Wahrheit, das hier ist ein Traum, das hier ist der Augenblick, meinen Traum auszuleben.

Mr. Mailer, in Advertisements for Myself haben Sie sagt – ich zitiere – „Ein guter Romancier kann auf alles verzichten, bloß nicht auf das, was von seinem Mut (seinen Eiern) noch übrig ist.“
Seit Jahren frage ich mich, Mr. Mailer, wenn Sie Ihren Mut (Ihre Eier) in Tinte tauchen, welche Farbe hat sie?

ZUSCHAUER/PODIUM:
(Lacher)

MR. MAILER:
Ms. Ozick, wenn ich darauf nicht schnell eine Antwort finde, muss ich wohl zustimmen - die Farbe ist Gelb.

ZUSCHAUER/PODIUM:
(Lacher)

MR. MAILER:
Diese Runde geht an Sie. - Ich werde nicht so tun, als hätte ich nie im Leben einen idiotischen oder dummen Satz geschrieben zu haben - und das ist einer davon.

ZUSCHAUER:
(Lacher) Applaus

STIMME:
Eine Hand.
Peter Fisher von der Columbia Universität.

MR. FISHER:
Ich richte die Frage an die Frau(en), von dem Vorsitzenden dort haben wir wohl genug gehört…
Sowohl hier als auch in seinem Artikel in Harpers Magazine nennt oder beschreibt Mr. Mailer Homosexuelle als weibliche Männer, und ich glaube, seine negative Haltung Homosexuellen gegenüber reflektiert seine Einschätzung von Frauen auf einem vielleicht unterbewussten oder einem noch tieferen Niveau.
Ich würde gern hören, ob die Frauen das Gefühl haben, dass es zwischen Frauenbewegung und Schwulenbewegung eine Verbindung gibt.

MS. GREER:
Eigentlich habe ich immer gedacht, sie sei ein wesentlicher Bestandteil derselben Bewegung. Ich weiß, das bedeutet, dass manche meiner „Schwestern“ in dieser Frage anderer Meinung sind.
Ich glaube, die einfachste Art und Weise, meine Haltung zu dieser ganzen Frage zu beschreiben ist … anscheinend hat Sexualität im Großen und Ganzen etwas damit, dass der Akt des Fickens… zum Vorteil für denjenigen ist, der fickt, und zum Nachteil desjenigen, der gefickt wird.

Und soweit ich das sehe wird derjenige, der gefickt wird, ob nun männlich oder weiblich oder eine Ziege oder ein Schwein oder ein Stein - als weiblich und unterlegen/zweitrangig charakterisiert. Und – wir alle sind doch interessiert daran, die Grammatik dieses Verbes zu ändern, es für die vielen möglichen Permutationen zu öffnen - und unsere Augen `mal 5 Minuten von dem „Vergeltung Übenden“ loszureißen.

ZUSCHAUER:
(Applaus)

STIMMEN:
Würden Sie wohl Ihren Namen nennen?

MS. MANDEL:
Ruth Mandel. Und ich habe zu den Unsicherheiten hier noch eine hinzuzufügen. Ich frage – wohl als Frau, die im Moment nicht das Bedürfnis nach Kindern verspürt, die im Moment nicht das Bedürfnis hat, mit einem Mann oder einer Frau oder irgendwem sonst verschmelzen zu wollen, sondern die ich mich vor mir selbst rechtfertigen will –
Wenn ich mich biologisch nicht an meinen Körper gefesselt fühle, so dass er die Definitionen von mir (meines Ichs) nicht begrenzt, dann frage ich jetzt – vielleicht kann Mr. Mailer mir das beantworten – ist er so sehr an seinen Körper gefesselt, dass er sich nicht außerhalb davon definieren kann?

MR. MAILER:
Ich werde versuchen, Ihre Frage zu beantworten, aber ich werde sie in mit eigenen Worten beantworten, wenn es Ihnen nichts ausmacht.
Ich werde versuche, die Frage etwas herumzudrehen, und vielleicht werde ich sie beantworten, vielleicht aber auch nicht.

Was ich im „Prisoner of Sex“ immer wieder zu sagen versucht habe, ist, dass sich in der Frauenbewegung - oder in dieser Sache auch in fast allen linken Gedanken, die Männer dazu haben – nichts mit dem beschäftigt, was meiner Meinung nach der Kern des Problems ist.


Also, Folgendes ist wohl der Kern des Problems. Wenn Sie missfällt, dass das der Kern des Problems ist, schön! Aber ich meine eben, der Kern des Problems ist, dass die menschliche Natur, so, wie sie funktioniert, gegen schmerzhafte, quälende Paradoxien ankämpft.

Und ich bin mir völlig dessen bewusst, dass heutzutage viele Frauen - vielleicht inzwischen fast alle Frauen auf Erden - keine Kinder haben wollen, - bei diesem sexuellen, (organisch-biologischen) Öko-Spiel nicht mitmachen wollen.
Und vielleicht haben sie ja Recht, das weiß ich nicht.
Aber ich sage jetzt nicht: Halt!
Ich sage jetzt nicht: die sind böse!
Ich sage jetzt nicht: sie haben Unrecht.
Ich sage: wir werden es herausfinden müssen.

Die Geschichte der Menschheit hat jetzt den Punkt erreicht, dass fast alle Frauen hauptsächlich rebellieren.
Aber wir können eine Menge Zeit sparen, wenn wir mit diesem Unfug und diesen Beschimpfungen aufhören, denn das Eine, was die Reihen der Männer gegen die Macht dieser Bewegung wirklich schließen wird, ist die Tatsache, dass Männer mit diesem absolut fehlenden Gefühl für Gerechtigkeit fertig werden müssen, das Frauen ihrer Sicht nach besitzen.
Man könnte dem entgegenhalten: Ja, weil das eben das männliche Gefühl für Gerechtigkeit ist!
Na gut, vielleicht ist dem so. Aber in diesem Dialog müsst ihr uns unsere Termini genauso gestatten!
Wenn ihr zitieren wollt, was wir sagen, werdet ihr zu sagen lernen müssen, dass wir dieses nicht mit eigener Stimme gesagt haben, wir haben es mit der Stimme einer unserer Romanfiguren, was wiederum bedeutet, wir können es auch selbst gemeint haben oder nicht. Wir können das Gegenteil gemeint haben.
Wisst ihr denn gar nicht, wie ein Roman funktioniert?!
In einem Roman gibt es Figuren, die tendenziell euren Standpunkt repräsentieren, Figuren, die das Gegenteil davon repräsentieren, und Figuren, die vorrübergehend ein paar Facetten eures Standpunktes repräsentieren.
Und wenn ihr Ladys darauf nicht steht, sondern lieber auf einer Menge übelster Baseball-Schimpfwörter, dann will ich euch mal klarmachen, wo das Paradoxon von männlicher und weiblicher Gewalt stattfindet!

Wenn ein Mann und eine Frau einen bitteren, wütenden, gewaltsamen Streit austragen, kommt ein Moment – wenn der Mann stärker ist, was er gewöhnlich ist, nicht immer, aber für gewöhnlich – kommt ein Moment, an dem er die Frau entweder schlägt oder nicht.
Also, wenn er die Frau schlägt, hat er den Streit verloren, denn am Ende hat er die Prämisse des Streites vergrößert.

Andererseits – wenn ein Mann sich schwört, nie die Hand gegen eine Frau zu erheben, und er es mit einer Frau zu tun hat, die weniger Ehrgefühl besitzt als er, - glauben Sie mir, meine Damen, das ist denkbar - dann macht die Frau weiter - -
Sie haben doch um einen Dialog gebeten, hier ist er, das hier ist meine Hälfte des Dialoges, Sie könnten darauf etwas entgegnen…

ZUSCHAUER
(unverst.)

MR. MAILER:
Ich werde Sie etwas lehren und Sie mich etwas!

Verdammt! Ich will euch auch etwas beibringen!
Verflucht!
Ich werde doch nicht hier sitzen und euch alten Vetteln zuhören, wie ihr mir eine Strafpredigt haltet und dazu noch „Ja doch! Ja doch! „ sagen!!

ZUSCHAUER:
(Applaus)

MR. MAILER:
Lassen Sie mich zum Punkt kommen.
Wenn ein Mann sich geschworen hat, nie die Hand gegen eine Frau zu erheben, und die Frau dieses weiß und dieses Wissen immer wieder benutzt, dann erreicht sie einen Punkt, wo sie den Mann buchstäblich umbringt, denn die Menge an Gewalt, die in ihm erregt wird, überflutet seinen Kreislauf und bring ihn langsam um.
Zu diesem Zeitpunkt lässt sie sich also auf einen gewaltsamen, mörderischen Akt ein, obwohl gar keine Schläge ausgetauscht werden.

Ich will damit bloß auf Folgendes hinaus: das ist die simple, existentielle, augenblickliche Schwierigkeit.
Der Streit um Gerechtigkeit in der menschlichen Beziehung geht darum, wo dieser Punkt nun ist, denn darüber gibt es absolut nie eine Meinung (Übereinstimmung), darüber, ob es der Mann oder die Frau ist, die mit diesem Punkt spielen.
Aber wenn ihr Frauen nicht bereit seid, anzuerkennen, dass das Leben höchst komplex ist und Frauen genauso wie Männer das totquatschen können, dann haben wir uns nichts zu sagen. - Wieder einmal.

JOHN HOLLANDER:
Alle Frauen sähen am Ende ihrer Mutter ähnlich, hat einmal eine Figur in einem Oscar Wild Stück gesagt. Das wäre ihre Tragödie.
Kein Mann sähe am Ende seiner Mutter ähnlich, das wäre seine Tragödie.
Mich interessiert, wie die Änderungen, die Sie sich vorstellen, zu einer Änderung dieser theatralischen Abwärtskurve führen könnte?

MS TRILLING:
Das ist eine sehr gute Frage.

MS. GREER:
Auf diese Frage kann ich nur antworten, dass ich meiner Mutter überhaupt nicht ähnlich sehe - physisch, wenn Sie das meinen, und auch in keiner anderen Hinsicht, soweit ich das sehe.
Mir scheint es auf einer falschen Prämisse zu beruhen. Und indem Sie die Frage so postuliert haben, sind Sie dem wahren Sachverhalt ausgewichen.

MS. TRILLING:
Ich halte das für eine fabelhafte Frage!
Ms. Greer fühlt sich beleidigt, weil ich vielen Sachen in ihrem Buch nicht zustimme, ich wollte wegen dieser Meinungsverschiedenheit nicht unhöflich sein - hoffentlich war ich es nicht.
Aber eine der Fragen, die mir in dem ganzen Buch auch durch den Kopf gegangen ist, war genau die, die John Hollander gerade gestellt hat.
Wenn sich Frauen nicht durch Identifikation mit ihren Müttern entwickeln sollen, durch was denn dann?!

In ihrem Buch spricht Ms. Greer von ihrem Wunsch, ein Kind zu haben - sie beschreibt ihn als einen ihrer Träume: ein Kind zu haben, das sie dann einer Familie in Kalabrien oder irgend so einem ähnlichen italienischen Dorf übergeben würde, und viele emanzipierte Freunde/Freundinnen würden ihre Babys auch diesem Paar übergeben, und die Mütter würden sich nicht einmal ihren Kindern zu erkennen geben!
Diese Kinder würden nicht einmal wissen, wer ihre Mütter sind!

Aber was natürlich mit diesen Kindern passierend würde wäre, dass sie sich mit dem fürsorglichen, weiblichen Wesen identifizieren würden, das da wäre - die Bauersfrau, die sich um sie kümmerte, das wäre dann die Person, mit der sie sich identifizieren müssten.

Auf diese Weise hätten sie so wenig – und mehr - eine Beziehung zu Ihnen, Ms. Greer, wie Sie zu Ihrer eigenen Mutter haben.
Dann hätten Sie also erreicht, was Sie in Wirklichkeit zu erreichen wünschten.

(Applaus)

MS. GREER:
Das ist sehr hinterhältig!
Ich wurde von meiner Mutter groß gezogen – das scheint diese Annahme also nicht zu bestätigen.
Nicht nur das, aber die Beschreibung des Haushaltes, von dem ich so einfältig geträumt habe - ich hätte wissen können, dass man mir daraus einen Strick drehen würde – drehte sich nicht um dieses bäuerliche Paar, es ging darum, dass wir dort leben wollten, wann immer wir könnten.
Störenfried war das eindringende Realitätsprinzip - wir müssten genug Geld verdienen, um den Haushalt unterhalten zu können. Und es würde nicht nur ein fürsorgliches weibliches Wesen geben.
Ich hege nicht den Wunsch, eine Situation zu verewigen, in der man einer fürsorglichen Frau die Schuld an all dem gibt, was mit dem Nachwuchs so schief geht – mit ihrem Nachwuchs!

ZUSCHAUER
(Applaus)

MS GREER:
Und – als etwas, durch das man sich weiter entwickeln kann – scheint mir, dass Kinder viel mehr von einer Vielzahl weiblicher Kontakte profitieren als nur von einem einzigen Kontakt mit einem weiblichen Wesen.
Und tatsächlich haben fast alle, die bei diesem Thema zugunsten der Kernfamilie reden – wenn man das untersucht, stellt man fest, die haben selbst nicht einmal eine Kernfamilie.
In manchen gibt es 4 weibliche Wesen und 3 männliche.
In dem Haushalt, der zu Beginn von „Prisoner of Sex“ beschrieben wird, gibt es 4 fürsorgliche weibliche Wesen und 3 männliche Kinder, Norman und seine 2 Söhne.

ZUSCHAUER
(Lacher)

MS GREER:
Was Genauigkeit angeht, so bin ich bei Kleinigkeiten anscheinend nicht so - aber eine Genauigkeit im Wesentlichen ist schon wichtig.

MR. MAILER:
Ms. Greer, sind Sie extra aus Australien hergekommen, um solch eine Gemeinheit von sich zu geben (einen Schlag unter die Gürtellinie abzugeben)?!

MS. GREER:
Was ist denn daran so gemein?

MR. MAIER:
Nun, ich meine…

STIMME:
Nehmen Sie ein Mikro, Normann!

MR. MAILER:
Das ist ganz offensichtlich gemein.

MS. GREER:
Ich halte es für zu Ernst, als es nur zu tun, um mich gegen die Zwischenrufer in der “ Town Bloody Hall“ zu verteidigen.

ZUSCHAUER
(Lacher) (Applaus)

MR. MAILER:
Also, ich finde es gemein, wenn Sie sagen, ich wäre einer der Jungen, das ist alles.

PODIUM:
(Lacher)

MR. MAILER:
Das ist gemein, weil doch jeder weiß, dass ich zutiefst wie ein kleiner Junge bin.

PODIUM:
(Lacher)

MR. MAILER:
Sie hätten doch: „1 Mann“ sagen und dabei die Augenbraue hochziehen können und danach: „2 kleine Jungs“ und hätten Ihr Ziel so ein bisschen geschmackvoller erreicht, Kindchen…

Sie hätten nicht extra aus Australien anreisen müssen, um den Mist zu sagen, den wir in Brooklyn sagen, das ist alles.

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

STIMME:
Elizabeth Hardwick

MS. HARDWICK:
Ich halte das nicht für fair…

Norman, ich finde das unfair, was Sie gerade über…

(TUMULT)

MR. MAILER:
Elizabeth Hardwick spricht gerade!

MS. HARDWICK:
Also, ich habe nicht viel zu sagen, aber in Ihrem Artikel in Harper`s Magazine lassen Sie sich sehr darüber aus, dass Sie ein Mann seien, der nur sehr wenig darüber gewusst hätte, was es bedeute, eine Frau zu sein und mit all Ihren Kindern und einem Neugeborenen wegzufahren, - wo Ihre andere Ehefrau nicht da war ( weg war)…

Also glaube ich nicht, dass Sie wirklich ehrlich sind, wenn Sie sagen, sie komme hier mit ihrem australischen Mist an. Das stimmt nicht, denn das war ein großer Teil Ihrer… Erfahrung, wenn ich das so nennen darf?

MR. MAILER:
Dürfen Sie, ja, dürfen Sie.

MS. HARDWICK:
Aber Sie haben es doch so genannt!
Mich haben Ihre Erfahrungen beim Geschirrspülen sehr interessiert.

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. HARDWICK:
Also bin ich ziemlich unglücklich darüber, dass Sie diese Erfahrung irgendwie so herunterspielen.

MR. MAILER:
Nein, nein, wie üblich verstehen Sie gar nicht, wovon ich rede, Elisabeth.

ZUSCHAUER
(Lacher)

MS. HARDWICK:
Vielleicht haben Sie mich nicht verstanden…

MR. MAILER
Ich habe mich dagegen gewehrt, dass Germaine es als 4 Mädchen und 3 Jungs charakterisiert, weil….
- ob ich nun noch ein kleiner Junge bin oder nicht - ich habe versucht, während dieser 6 Wochen als Hausfrau zu fungieren. Das habe ich sehr detailliert beschrieben. Jeder, der diesen Abschnitt gelesen hat - einschließlich Greer - weiß verdammt gut, dass es darum ging.
Ich habe versucht, als Hausfrau zu fungieren, und wir betrachten den Reiz, die Komik, den Schmerz und dieses besondere kleine Bisschen an Erkenntnissen, die ich daraus gewonnen habe.
Ich habe das Erlebnis nicht übertrieben, wie Sie genau wissen. Also dachte ich, 4 Mädchen und 3 Jungs zu sagen wäre clever, verstehen Sie?

MS. GREER:
(Anfang unverständlich: … wenn Sie darauf bestehen…)
Sie hatten doch 3 Töchter, die sich um die 2 kleinen Jungs kümmerten, richtig? Und Sie…

MR. MAILER:
4 Töchter.

MS. GREER:
Sie haben auch mal gesagt, wenn ich zitieren darf, Ihre Geliebte wäre in der Küche gewesen.

MAILER:
Hm, hm.

MS. GREER:
Da fragt man sich doch, welche Hausarbeit gab es da denn noch zu tun?!
Wozu haben Sie 6 Wochen lang gebraucht?

ZUSCHAUER
(Reaktion)

MR. MAILER:
Wenn Sie das etwas genauer gelesen hätten, hätten Sie erkannt, dass ich am Anfang die ganze Hausarbeit gemacht habe und nach ca. 2 Wochen dieses gewagten Unterfangens habe ich tatsächlich meine Geliebte dorthin eingeladen und…

ZUSCHAUER
(Lacher) (Applaus)
---
FRAUENSTIMME:
Noch eine letzte Frage, Norman?
Okay. Anatole Broyard wird die letzte Frage stellen.

MR. BROYARD:
Ich würde Germaine Greer gern bitten - da sie für diese Frage ja besonders geeignet scheint – vielleicht in Form eines Einakters - zu beschreiben, wie es wäre, eine Frau zu sein und die Aufnahme und den Vollzug eines sexuellen Kontaktes zu erleben…
damit wir uns jetzt den ((interessanten)) Fragen des Abends zuwenden können…
Wie würde das nach der Befreiung der Frau im Idealfall aussehen?

MS. GREER:
Warum stellen Sie diese Frage?

MR. BROYARD:
Weil ich sie nirgendwo in der Literatur finde.

MS. GREER:
Warum erwarten Sie, diese Frage irgendwo in der Literatur ((behandelt)) zu finden?
Norman beschreibt diesen Zustand so, wie er ist, nämlich woran er dabei ist.
Sie bitten mich einen Zustand zu beschreiben, der nicht existiert. Das ist eine völlig unzumutbare Forderung. Was lässt Sie denn annehmen, die Befreiung der Frau sei schon geschehen?!


MR. BROYARD:
Ich habe versucht, nicht polemisch zu fragen. Ich würde gern…

MS. GREER:
Quatsch. - Haben Sie aber!

MR. BROYARD:
Na schön, vielleicht ist mir das nicht gelungen.
Ich weiß wirklich nicht, was Frauen eigentlich wollen!

ZUSCHAUER:
(Reaktion)

MR. BROYARD:
Also, mal angenommen, ich wollte es ihnen geben…

MS. GREER:
Hören Sie, da können Sie ganz ruhig bleiben -
denn was sie auch wollen, mein Lieber, es geht Sie nichts an.

MS TRILLING:
(Lacher)

ZUSCHAUER:
(Lacher)

MS. BROUGHTON:
Norman, wollen Sie das Schlusswort sagen?

MR. MAILER:
Okay. - Hören Sie… Danke Ihnen allen für einen unglaublichen Abend.

ZUSCHAUER
(Applaus)

MR. MAILER:
Ich möchte auch den 4 Frauen danken, die 9 Zehntel der Diskussion bestritten haben.

ZUSCHAUER
(Applaus)

MS. CEBALLOS: (leise)
Sie waren großartig. Wirklich. Mit Ihnen auf diesem Podium zu sein war die Sache wert.


INSERT: 30. April 1971
New York


ENDE


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